Sagen um die Burg ›Montclair‹

Bienen retten die Burg Montclair

Der Graf von Montclair hatte, wie so oft schon, wieder einmal in blutiger Fehde mit den benachbarten Rittern gelegen. Weshalb der Streit ausbrach, weiß man heute nicht mehr.

Es lässt sich aber vermuten, dass der Graf auf der Saar wieder die Gefolgsleute der Ritter angehalten und unrechtmäßig Zoll erhoben hat. Das wollten und konnten sich die Edelmänner natürlich nicht gefallen lassen. Daraufhin zogen sie mit einer übermächtigen Streitmacht zur Burg Montclair und belagerten diese. Sie wollten dem unheilvollen Treiben des Grafen endgültig ein Ende setzen und ihn von der Burg vertreiben.

Die Belagerung dauerte bereits sehr lange und auf der Montclair gingen die Vorräte langsam aber sicher zur Neige. Siegeszuversicht machte sich schon bei den Angreifern breit.

Auf der Burg gehörte das Magengrummeln zum Tagesablauf wie der Wechsel von Tag und Nacht. Da gab der Graf einem Burgknecht den Auftrag, die Burg noch einmal gründlich nach Essbarem abzusuchen. Der gute Graf konnte nicht ahnen, dass er damit den Auftrag zur Rettung von Montclair gegeben hatte.

Denn der brave Diener seines Herrn suchte pflichtgemäß jeden Winkel der Feste nach Essbarem ab und entdeckte dabei eher zufällig in einer dunklen Ecke des Burghofes ein paar Bienenkörbe.

Trotz des großen Hungers war beim Anblick der Körbe nicht sein erster Gedanke der Honig in ihrem Inneren, sondern eine Kriegslist, die er geschwind seinem Herrn mitteilte und um Erlaubnis bat, sie ausführen zu dürfen. Der Graf stimmte lachend zu, er versprach sich aber nicht allzu viel davon.

Die Knechte der Burg schafften also noch in der Nacht alle Bienenkörbe auf die Burgmauer und erwarteten gespannt den nächsten Morgen. Sie hofften so sehr, dass ihre List gelingen möge.

Schon im Morgengrauen reizten sie die Belagerer zu einem erneuten Angriff auf die Feste. Als die feindlichen Kämpfer schon dabei waren, die Burgmauern zu erklimmen, warfen die Burgknechte die bereitgestellten Bienenkörbe auf die Angreifer.

Die Bienenkörbe zerbarsten beim Aufprall sogleich und die wütenden Bienen fielen über die arglosen Angreifer her und verrichteten sogleich ihr schmerzhaftes Werk.

Gleichzeitig nutzte die Burgbesatzung die Situation zu einem schnellen Ausfall. Die Gesichter der bienengeplagten Angreifer waren derart zerstochen, dass sie kaum noch aus den Augen sehen und ihr Heil nur noch in der Flucht suchen konnten.

Sie mussten die Belagerung aufgeben und zogen unverrichteter Dinge und beschämt von dannen. Dank der Bienen ist dieses Mal die Burg Montclair gerettet worden.

               

Das Hufeisen auf dem Breitenstein

Vor der Feste Montclair befindet sich, wenn man auf die Burg zugeht, rechter Hand ein mächtiger Felsen, von dem der Besucher von oben aber nur einen flachen Stein wahrnimmt. Heute ist er mit einem Geländer gesichert.

Tatsächlich reichen seine Seitenwände fast bis zur Saar hinunter. Im Volksmund heißt dieser Felsen Breitenstein. Es gab im Saargau eine Zeit, da kannte jedes Schulkind den Breitenstein. Denn die Geschehnisse, die sich der Sage nach auf diesem Felsen abgespielt haben, wurden zu Volksschulzeiten im 3. spätestens aber im 4. Schuljahr vom Dorfschullehrer seinen Schützlingen vorgelesen, die dann eine Nacherzählung schreiben mussten. Die Nacherzählung wurde nicht von allen Kindern geliebt, die Sage aber schon.

Auf besagter Steinplatte ist heute noch eine eingemeißelte Radspur nebst einem Hufeisen zu sehen. Man erzählt sich, dass ein Burggraf sie habe einmeißeln lassen.

Einst hatte einer der mächtigsten Grafen von Montclair eine Tochter von sagenhafter Schönheit. Das wunderhübsche Burgfräulein war auch noch überaus tugendhaft, von frohen Sinnen und jedermann zugetan, weshalb sie weit über die Grenzen des Saargaus hinaus bewundert und geliebt wurde.

So ist es nicht verwunderlich, dass viele junge Ritter zur Feste Montclair kamen, um ihr ihre Ehrerbietung darzubringen und um ihre Hand anzuhalten. So ging es jahraus und jahrein bis das edle Fräulein irgendwann einem stolzen Ritter aus deutschen Landen ihre Huld und schließlich ihr Herz schenkte.

Ihr Vater, der Graf von Montclair, hätte es jedoch lieber gesehen, wenn sie einen welschen Ritter genommen hätte, der auch um ihre Hand anhielt. Denn dieser soll zwar stolz und jähzornig gewesen sein, aber er soll sehr viele Güter und Burgen besessen haben. Der Ritter aus dem deutschen Lande hatte neben seiner hohen Gestalt und einem edlen Wesen keine nennenswerten Reichtümer vorzuweisen.

Das edle Fräulein hatte ihre Wahl getroffen und hielt standhaft daran fest, da halfen kein Bitten und kein Drohen des mächtigen Grafen. Weil also keine Einigung in Sicht war, wurde der Burgherr wütend und sprach voll Zorn zu ihr: „Nur der Ritter, der zwei Pferde vor einen Wagen gespannt im voller Fahrt auf den Breitenstein lenkt und auf diesem unter Gefahr für Leib und Leben wendet, soll dein Gemahl werden!".

Der Burgherr hatte diese Art des Wettstreites gewählt, weil er wusste, dass der welsche Ritter nicht nur ein gute Reiter sondern auch ein exzellenter Wagenlenker war. Das edle Töchterlein sah dem Tag der Entscheidung mit bangem Herzen entgegen.

Viele Ritter und viele Edelfrauen mit ihren Kindern, aber auch viele Bauern zogen am festgesetzten Tage zum Breitenstein bei der Montclair, um dem Spektakel beizuwohnen und die Entscheidung mitzuerleben. Alle waren aufgeregt und in freudiger Erwartung ob der Dinge, die da kommen sollten. Nur das verzweifelte Töchterlein des Grafen saß bleich und verschüchtert inmitten der edlen Besucherschaft und hoffte auf einen guten Ausgang des Wettstreites.

Ein Herold gab die Bedingungen für die gefährliche Wettfahrt bekannt und schon kam der welsche Ritter als erster mit einem prächtigen Wagen, vor den feurige Rosse gespannt waren, stolz herangeprescht.

Nach kurzem Halt vor der Zuschauerschar und einem edelmännischen Gruß jagte er in siegessicherer Haltung auf den Breitenstein. Dort wendete er scharf die Rosse in voller Fahrt. Der prächtige Wagen machte aber die schneidige Bewegung der Pferde nicht mit und kippte um. Ein Raunen ging durch das Zuschauerrund, als der Welsche auf den harten Stein stürzte. Nun war es am deutschen Ritter, seine Fahrkunst zu zeigen.

Gespannt beobachtete jedermann, wie er sich auf den Wagen schwang und mit fester Hand die Zügel ergriff. Nach einem letzten Blick gen Himmel lenkte er das Gespann in schneller Fahrt auf den Felsen und wendete gekonnt Gespann und Wagen an Ort und Stelle und verließ den Breitenstein als Sieger diese denkwürdigen Wettstreites.

Das Volk aber jubelte und erzählte sich hinter vorgehaltener Hand, dass ihm eine unbekannte Macht geholfen haben musste. Der Graf hielt sein Wort und gab die überglückliche Braut in die Arme ihres Geliebten. Und schon bald konnte man die Hochzeitsglocken läuten hören.

Den welschen Rittersmann aber überkam sein Jähzorn, er schwang sich auf sein Pferd, gab ihm die Sporen und ritt in vollem Galopp auf den Breitenstein. Fluchend stürzte er sich von dort mit seinem Ross in den Abgrund, wo beide in den Wassern der Saar verschwanden.

Zum Andenken an dieses merkwürdige Ereignis ließ der Graf Radspur und Hufeisen in den Breitenstein einmeißeln.

                   

Die Kröte unter dem Breitenstein

Im schönen Saargau lebte einmal ein überaus geiziger Bauer. Der war so habgierig und auch hartherzig, dass er keinem Bettler und keinem Fremden jemals auch nur ein winziges Stückchen Brot gegeben hatte. Bei den Leuten in der Gegend war der Geizhals gar nicht gut angesehen, weil er bei jeder Gelegenheit aufs Neue versuchte, für sich das meiste herauszuschlagen.

Ihm lag weder viel an den Menschen noch viel an Gott, dafür aber mehr an Gold und Silber. Immer wenn die Leute aus dem Dorf am Sonntagmorgen in der Kirche waren, öffnete er seine Schatztruhe und begann seine Gold- und Silbertaler zu zählen. Für ihn war es der Zustand allergrößten Glücks, wenn er mit beiden Händen in seinen Geldsack greifen und seine Taler, von denen er eine beträchtliche Anzahl besaß, durch seine Finger gleiten lassen konnte. Von diesem Glücksgefühl konnte er gar nicht genug bekommen.

Eines schönen Sonntagmorgens ergötzte er sich wieder einmal an seinen goldenen und silbernen Talern und ließ sie in höchster Verzückung durch beide Hände gleiten, als aus den über alles geliebten Talern plötzlich quickende Ratten wurden, die begannen an ihm zu nagen. Da es aber so viele wurden, wie er Taler hatte, konnte er nicht mehr Herr über das Ungeziefer werden und schließlich fraßen sie ihn mit Haut und Haaren auf. Am Ende blieb nur noch das Rippengestell übrig.

Seit dieser Zeit spukte es jede Nacht in diesem Hause. Man hörte draußen erbärmliche Schreie, die das ganze Dorf in Aufruhr versetzten. Alle wollten den Spuk loswerden und wieder Ruhe haben.

Unterhalb der Burg Montclair gab es eine Armenhütte. Dort wohnte ein Mann, von dem man sagte, er sei der Bruder des Grafen von Montclair und von diesem um sein Erbe gebracht worden. Dieser bot sich an, dem Spuk ein Ende zu machen.

Tatsächlich aber wollte er sich an dem Grafen für dessen Missetat an ihm rächen. Man sah ihn in das Spukhaus gehen und dann drang ein Rumoren aus dem Gebäude. Nach einiger Zeit trat der wunderliche Mann mit einem Sack auf dem Rücken auf die Straße und machte sich auf zur Saarschleife.

Fortan trieb in einer Höhle unter dem Breitenstein unterhalb der Burg Montclair eine Kröte ihr Unwesen. Wenn sie ihre Höhle verließ und durch den Wald hüpfte, verdorrten alle Pflanzen, die sie berührte auf der Stelle. Sogar die Fische, die in der Saar am Breitenstein vorbeischwammen, starben alle. Außerdem verbreitete sie einen unerträglichen Gestank unter dem Menschen und Tiere in der Gegend litten.

Es war so schlimm, dass der Graf die Feste Montclair aufgab und mit seinem ganzen Gefolge die Burg verließ und von dannen zog. Es schien, als hätte der betrogene Bruder sein Ziel erreicht.

Dann gab es aber an der Saar einen langen und sehr kalten Winter. Als nach langen Wintermonaten das Eis zu schmelzen begann, lockten die ersten warmen Sonnenstrahlen die Kröte aus ihrer Behausung.

Da sie aber das Licht nicht mehr gewohnt war, wurde sie von der Sonne und vom Schnee derart geblendet, dass sie auf dem Eis vor ihrer Höhle ausrutschte und ins Fallen kam.

Sie überschlug sich im Schnee und es entstand sofort ein Schneeballen mit der stinkenden Kröte in der Mitte, der bergab rollte, schnell riesengroß wurde und krachend in die Saar stürzte. Dabei muss die Kröte ertrunken sein, denn sie wurde seitdem nicht mehr gesehen.

Sogar der Graf kam mit seinem Gefolge auf die Montclair zurück. Der Graf und die Menschen im Saargau lebten fortan glücklich und waren froh, von dem unseligen Wesen befreit zu sein.