Die Kapelle ›St. Joseph‹

Außenansicht, Foto : EPei

Die Kapelle St. Joseph in Mettlach ist ein etwas versteckt liegender, neugotischer Sakralbau aus der Zeit des frühen Historismus.

Ursprünglich wurde die Kapelle 1864 in Wallerfangen durch den Architekten Alexander Franz Georg Himpler errichtet. 

In den Jahren 1878/1879 wurde die Kapelle Stück für Stück abgetragen, katalogisiert und per Schiff nach Mettlach translo-ziert (verlagert), wo sie 1882 mit kleinen Veränderungen wieder aufgebaut wurde.

Seit dem Frühjahr 2013 ist sie nach zehnjähriger Renovierung wieder zugänglich.

       

Lage

Die Kapelle ist nicht ganz einfach zu finden. Die Adresse ist Bahnhofstraße 9, der Zugang ist möglich über die Einfahrt zum benachbarten Krankenhaus, Saaruferstraße 10. Die Kapelle ist täglich, auch am Wochenende, von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Kapelle steht zurückgesetzt in der Bahnhofstraße zwischen der langen Seitenfront der Keramikfabrik und den verschiedenen Gebäuden der DRK-Klinik, der Nachfolgeeinrichtung des ehemaligen V&B-Krankenhauses. 

Innensicht nach der Renovierung, *

Dieses war dort 1857 von Eugen von Boch und seiner Frau Octavie geb. Villeroy gegründet worden. Die Kapelle diente auch als Krankenhauskirche. Die kleine Grünfläche um die erhöht stehende Kapelle wird straßenseitig von einer hohen Mauer abgegrenzt.

Das auf der Südseite der Kapelle am 11. November 1901 eingeweihte Denkmal »Zum Andenken an die Gründer und Wohltäter des Schwesternordens / Eugen von Boch / Geh. Commerzienrath / Octavie von Boch geb. Villeroy« wurde von den Kindern des Paares in Auftrag gegeben. 

Der auf einem mit Eckvoluten versehenen Postament stehende Obelisk besteht aus hellem Werkstein und zeigt das Profil der Eheleute von Boch in einem Marmormedaillon.

         

Geschichte

Die Kapelle wurde im Jahr 1864 im Auftrag von Madame Céphalie Thierry geborene de Lasalle, einer Enkelin von Barbe de Galhau, in Wallerfangen erbaut. 

Sie wurde nach dem Entwurf des in der königlichen Bauakademie in Berlin ausgebildeten Architekten Alexander Franz Georg Himpler (1833 - 1916), welcher später in Amerika Karriere machte, gebaut und dem Heiligen Joseph geweiht.

Sie diente als Hauskapelle des Schlosses in Niederlimberg / Wallerfangen, heute bekannt als »Schloss Villeroy«. 

Als Vorbild diente die gotische »Sainte-Chapelle« in Paris, wo diese seit gut 750 Jahren auf der größeren der beiden Seine-Inseln, der »Ile de la Cité«, nur zwei Straßen von »Notre Dame« entfernt steht. Sie war die Schlosskapelle Ludwigs IX., des Heiligen, und zählt zu den schönsten Baudenkmälern der französischen Hauptstadt, auch wenn die Ausmaße weitaus bescheidener blieben.

Die Kapelle in Wallerfangen war von Madame Céphalie Thierry als Gedächtniskapelle für Ihren verstorbenen Ehemann Henry Thierry vorgesehen. Das Bauwerk stand auch den in der nahen Krankenanstalt tätigen Barmherzigen Schwestern des Heiligen Karl Borromäus zur Verfügung. 

Als ein neues Krankenhaus, das abseits vom Schloss gelegene »Nikolaushospital«, an anderer Stelle in Wallerfangen in Betrieb genommen wurde, blieb die Kapelle ungenutzt.

Am Firmensitz in Mettlach wurde die Krankenpflege in dem 1857 von Eugen von Boch und seiner Frau Octavie, geborene Villeroy, gegründeten Krankenhaus ebenfalls von der Ordensgemeinschaft der Borromäerinnen ausgeführt. 

Da in Mettlach aber eine Kapelle fehlte, stellte der Erbe des Wallerfanger Schlosses, Ernest Villeroy, seinem Onkel und Leiter des Familienunternehmens Villeroy & Boch, Eugen Anton von Boch (1809 - 1898), das Bauwerk in Wallerfangen zur Verfügung.

Eugen von Boch ließ die Kapelle 1878 - 1879 abbauen und nach Mettlach in die Bahnhofstraße translozieren. Unter anderem wollte er in der neu angelegten Krypta der Kapelle eine Familiengruft einzurichten.

Zuständig für die Baumaßnahme und die Veränderungen war der bei Villeroy & Boch angestellte Architekt Peter Leuck aus Fremersdorf.

Eugen von Boch sah die Kapelle zudem als Verschönerung in Mettlach, die vom ganzen Park aus gesehen werden könne.

Stein für Stein wurde das Gebäude für den Ortswechsel abgebaut, jeder Stein mit einer Nummer gekennzeichnet, ehe er auf einen Saarkahn verladen wurde.

Die Kähne mit der ungewöhnlichen Fracht wurden nach Mettlach getreidelt. Dort wurde die Kapelle über der von Boch’schen Familiengruft wieder aufgebaut. 

Die Baugestalt ließ von Boch durch weiteren bauplastischen Schmuck aus seiner Mettlacher Produktion von farbenprächtigen Steinzeugterrakotta prunkvoll ergänzen.

Die mit der Zeit aufgetretenen, kriegs- und witterungsbedingten Bauschäden wurden ab 2003 umfassend behoben. 

Der in den 1950er Jahren im Inneren aufgebrachte weiße Putz wurde entfernt, die darunter liegenden, beschädigten Fliesen und die Wand- und Decken-malereien wurden ausgebessert oder erneuert.

Die mehr als eine Million Euro teuren Renovierungsarbeiten dauerten zehn Jahre. 

Neben der Besitzerfamilie von Boch-Galhau beteiligten sich die »deutsche Stiftung Denkmalschutz«, der Bund und das Land an den Kosten.

Im Herbst 2013 wurde die Familie von Boch für die Renovierung der Kapelle und der Abtei in Mettlach in der Kategorie Private Eigentümer mit dem 7. Saarländischen Denkmalpflegepreis ausgezeichnet.

                       

Ausstattung

Die innen knapp fünf Meter breite Kapelle hat 70 Sitzplätze. Der schmale vierachsige Bau mit dreiseitigem, polygonalen Chor und Kreuzrippengewölbe ist verhältnis-mäßig hoch und mit einem steilen Satteldach versehen. Die Eingangsfassade ist aufwendig gestaltet.

Das zentrale Bleiglasfenster des Chors ist bunt gehalten, die beiden seitlichen Chorfenster und die zehn Maßwerkfenster an den Seitenwänden sind nur leicht getönt. Über dem Eingang befindet sich ein symmetrisch aufgebautes Maßwerkfenster.

Die strahlende Farbigkeit ihrer Wand- und Deckenmalereien und der reich ornamentierte Fliesenbelag der Sockelzone mögen viele überraschen, die den Innenraum vorher gekannt haben. 

Das Innere war, wie schon erwähnt, seit den 1950er Jahren nahezu komplett mit einer weißen Putzschicht bedeckt, als es damals darum ging, Kriegs- und Witterungsschäden zu beseitigen.

Heute ist das Deckengewölbe strahlend blau ausgemalt und ein zwei Meter hoher, bunter Fliesensockel, welcher sich unter der Putzschicht befunden hat, bedeckt die Seitenwände einschließlich des Chorraums.  

Der Fliesensockel besteht aus »Mettlacher Platten« von Villeroy & Boch, die im 19. Jahrhundert in ganz Europa vertrieben wurden. 

Ob die hier vorliegenden Motive einer der damals noch üblichen Kleinserien entstammen oder speziell für die Kapelle angefertigt wurden, wird das Unternehmensarchiv in Merzig versuchen zu klären.

Zwischen Fliesensockel und Decke befinden sich sorgsam restaurierte historistische Gemälde. In diffiziler, restauratorischer Arbeit konnten sämtliche Malereien im spätnazarenischen Stil wiederhergestellt werden.

Neben den Kompositionen im Chor mit den vier Evangelisten und dem »Agnus Dei« erstrecken sich nun an beiden Längsseiten die acht »Seligpreisungen« der Bergpredigt. 

Zu sehen sind Engel und Putten mit Schriftbändern der Seligpreisungen wie beispielsweise »Selig die Friedensstifter! Sie werden Kinder Gottes genannt werden«.

Zur Ausstattung gehören weiterhin eine Orgelempore über dem Eingangs-bereich, Kreuzwegstationen aus Terrakotta (gestaltet von Arthur Fontaine aus Trier), eine große Marienfigur mit Kind und als Pendant eine Statue des heiligen Joseph im Chor, eine kretische Ikone des 15. Jahrhunderts und der neogotische, farbig gefasste Holzaltar mit Retabel (von lat. retro tabula altaris „Tafel hinter dem Altar“, auch Pala).

1947 schuf die Firma Binsfeld, Trier, die 13 bleiverglasten Fenster mit Symbolen der« Lauretanischen Litanei«.

Die ungewöhnliche Baugeschichte gibt eine Inschrift auf dem Türsturz im Innern wieder. 

Während im Tympanonfeld des Eingangs-portals das Spruchband »Sancta Maria ora pro nobis« den Besucher auf den Innenraum einstimmt, weist etwas höher im Wimperg ein weiterer Text auf die Errichtungsjahre und den Kirchenpatron hin: »18 A: D: 186 (4) 79 / Dem hl. Joseph geweiht«.              

Heute befindet sich das prächtig renovierte Juwel der Baukunst des Historismus etwas (100 m) abseits des Touristenrummels und wird nur von sehr wenigen Besuchern Mettlachs wahrgenommen. 


*Foto © by Thomas Johannes