Verdun

Verdun (deutsch mittelalterlich: Wirten, zeitweise auch deutsch: Verden (Maas)) ist eine Stadt an der Maas (franz.: Meuse) im Nordosten Frankreichs mit rd. 18.000 Einwohnern und gehört zur Region Lothringen (frz. Lorraine).

Verdun liegt im ›Département Meuse‹, rd. 80 Kilometer von Metz und 135 km von Nancy entfernt und ist an die Autobahn von Metz/Straßburg nach Paris angebunden. Die Stadt wird auch vom Schifffahrtskanal »Canal de la Meuse« (früher: Canal de l’Est, branche Nord) erschlossen, welcher durch die kanalisierte Maas gebildet wird.

Die Umgebung von Verdun war Schauplatz der Schlacht um Verdun im Ersten Weltkrieg. (siehe: »Die Schlacht um Verdun«)

      

Geschichte

Verdun (latein. Virodunum) ist seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz. Im Jahr 843 wurde durch den Vertrag von Verdun die Teilung des Frankenreichs beschlossen.

Dreißig Jahre nach dem Tode Karls des GroBen teilen seine drei Enkel das Frankenreich unter sich auf. Verdun geht an Lothar, daher der Name Lothringen (später französisch »Lorraine«), Gegenstand endloser Rivalitäten zwischen dem Frankenreich und Germanien.

Stadtansicht, Foto: Sven Volkens

Verdun gehörte zu Lothringen und somit seit 925 zum Ostfrankenreich, aus welchem das »Heilige Römische Reich Deutscher Nation hervorging«.

Davon zeugt die Kathedrale, die in der Bauform der salischen Kaiser seit 1000 Jahren das Stadtbild beherrscht. Zum Schutz der kirchlichen und administrativen Bauten in der Oberstadt, befanden sich hier einst die Mauern der Festung. Erhalten geblieben ist lediglich die »Châtel-Pforte«, die einen weiten Blick auf die Champagne freigibt.

Im frühen 11. Jahrhundert erlebte die Stadt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Zu dieser Zeit wurde Nikolaus von Verdun geboren, einer der berühmtesten Goldschmiede des Mittelalters. Im frühen und im hohen Mittelalter war Verdun eine reiche und blühende Fernhandelsstadt.

Doch bereits im 13. Jahrhundert begann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt. Schuld daran hatten nicht zuletzt die Klöster und Stifte. Waren sie einst Antrieb der Stadtentwicklung, hemmten sie nun die Entwicklung von Handel und Wirtschaft.

Als Freie Reichsstadt fiel es aber 1552 durch den »Vertrag von Chambord« mit den »Trois-Évêchés« (Verdun, Toul und Metz) als Protektorat und 1648, durch den »Westfälischen Frieden«, endgültig an Frankreich.

Karte der 3 Bistümer, den »Trois-Évêchés«

Im »Vertrag von Chambord« steht, dass die Bewohner von Verdun »nicht deutscher Sprache« waren und die Stadt wurde von den in Opposition zum römisch-deutschen Kaiser stehenden protestantischen Fürsten dem französischen König überlassen, um dessen Unterstützung im Kampf gegen den Kaiser zu erhalten.

Bereits 1624 bis 1636 errichteten die Baumeister des französischen Königs unter der Leitung von Marillac die erste Zitadelle. 

Vauban baute gegen Ende des Jahrhunderts, zwischen 1670 und 1690, die Zitadelle weiter aus. Er umgab die ganze Stadt mit einem breitgefassten Bollwerk und konstruierte ein ausgeklügeltes Überschwemmungs-System mit drei Brückenschleusen zur Verteidigung der Stadt.

1792 bedroht die preußische Armee Verdun. Doch mangelnder Widerstandswille sowie mangelnde Mittel zwingen die Garnison, sich gleich nach den ersten Angriffen zu ergeben.

Im 19. Jhdt. erfährt Verdun das friedliche Leben einer kleinen Garnisonstadt und vergisst darüber, mit den neuen militärischen Errungenschaften Schritt zu halten. 1870 muss sich Verdun nach intensiver Belagerung durch die Preußen von den benachbarten Höhenzügen aus ergeben.

Knapp 40 Jahre später sollte Verdun wieder durch Kriegshandlung zur traurigen Berühmtheit werden:

Siegerdenkmal, Foto: Sven Volkens

Am 28. Juni 1914 wird der österreichisch-ungarische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo ermordet. Auf der Grund der einzelnen Verteidigungsbündnisse steht alsbald ganz Europa in Flammen.

Am 3. August 1914 erklärt Deutschland Frankreich den Krieg.

Gleich bei Ausbruch der Kämpfe beziehen deutsche Truppen Stellung am Fuße der Maas-Höhen, nur einige Kilometer von Verdun entfernt.

Die Armee des Kronprinzen von Preußen umgeht die Festung Verdun, überquert die Maas und dringt am linken Ufer vor.

Der Sieg der Marne-Schlacht bringt das deutsche Vordringen in Richtung Paris zum Stillstand.

Die Höhen von Vauquois in Argonne und Eparges sind während der Jahre 1914 und 1915 die Kriegschauplätze mit den blutigsten Kämpfen.

                       

1916 -  »Die Hölle von Verdun«

Karte der Schlacht um Verdun

Der Krieg erstarrt an allen Fronten. Um die Allianz einzuschüchtern und um dem französisch-britischen Angriff an der Somme zuvorzukommen, beschliessen die Deutschen, der französischen Armee einen entscheidenden Schlag beizubringen.

Ihre Wahl fällt auf Verdun, wo sie hoffen, das Gros der französischen Armee in eine blutige Schlacht zu verwickeln.

Im Morgengrauen des 21. Februar 1916 beginnt unter einem Trommelfeuer aus 1.225 Geschützen die berühmteste Schlacht des Jahrhunderts.

Anfang März 1917 starten die Deutschen den Angriff auf dem linken Maasufer. Ihr Ziel sind die beiden Anhöhen, der »Tote Mann« und »Höhe 304«, die naturgegebene Gefechtsstellungen binden.

Verdun, rue St. Pierre, 1916

Erbitterte Kämpfe setzen ein. Wie am anderen Ufer bringen die Deutschen auch hier erhebliche Mittel zum Einsatz. Es beginnt ein pausenloses Trommelfeuer.

Im Jahr 1918 beteiligten sich die Amerikaner an der Kriegshandlungen.

Zwei Millionen Soldaten landeten auf französischem Boden. Sie werden insbesondere auf der Front von Verdun in Argonne und dem St. Mihiel Sektor eingesetzt.

Für die Opfer der Vereinigten Staaten erbaute man nach dem Krieg auf Montfaucon, eine 58 Meter hohe Säule, welche mit einem Freiheitsstatue gekrönt wurde. Bei Romagne-sous-Montfaucon und in weiteren amerikanischen Soldatenfriedhöfen in Europa befinden sich über die Gräber von rd. 15.000 Soldaten, welche im 1. Weltkrieg ihr Leben ließen. 

            

Sehenswürdigkeiten:

  • Palais épiscopal: Dieser im 18. Jhdt. von Robert de Cotte erbaute Bischofssitz ist ein wahrer Palast und besitzt eine elegante Fassade. Dem Hauptgebäude vorgelagert ist ein Ehrenhof in Form eines in die Länge gezogenen Halbkreises. Ein Teil des Gebäudes beherbergt die Gemeindebibliothek, der andere das Centre Mondial de la Paix.
  • Porte Chaussée: Dieses beeindruckende Tor aus dem 16. Jhdt. (der Vorbau wurde später hinzugefügt) verteidigte den Zugang zur Stadt gegenüber der Chaussée de l'Est. Es diente eine Zeit lang als Gefängnis und wurde von einer starken Mauer verlängert, welche den oberen Stadtteil umgab, zu dem es heute Zugang gewährt.
  • Porte St-Paul: Bis zum Abbau der Wälle (1929) war dies die einzige Zufahrt für Autos. Das Tor verfügt noch über zwei Zugbrücken. Davor befindet sich Die Verteidigung, eine Bronzeplastik von Rodin.
  • Porte Château: Das Tor ist ein gut erhaltener Überrest der ehemaligen mittelalterlichen Befestigung. Es führt zur Place de la Roche (schöne Aussicht auf die Stadt).
  • Rathaus: In einem 1623 erbauten Palast im Stile Ludwig XIII. befindet sich heute das Rathaus
  • Siegesdenkmal: Ein Kämpfer, der seinen Helm umfasst und auf seinem Schwert lehnt, Symbol der Verteidigung von Verdun, beherrscht dieses riesige Mahnmal. Man erreicht es über eine Treppe mit 73 Stufen.
  • Cathédrale Notre Dame de Verdun: Die Gefahren der Vergangenheit erlauben heute einen Vergleich zwischen den romanischen Stilen des Rheinlands und des Burgund, und zwar in diesem Gebäude, das am höchsten Punkt der Oberstadt erbaut und im 18. Jhdt. nach barockem Geschmack restauriert wurde. Die Krypta aus dem 12. Jhdt. und das schöne Tympanum des Portals des Löwen sind nach den Bombardierungen 1916 freigelegt worden. Im angrenzenden Kreuzgang befinden sich zwei Laubengänge im ›Flamboyant-Stil‹.

     

Weitere Infos zur Schlacht und den Schlachtfeldern von Verdun finden Sie hier: