Archäologiepark Perl - Borg

Grabungsgeschichte

Der Bevölkerung der umliegenden Dörfer war die Siedlungsstelle, welche später den Namen »Römische Villa Borg« tragen sollte, schon immer bekannt, denn sie wurde über Jahrhunderte als Steinbruch genutzt. Aber erst der Lehrer Johann Schneider aus Oberleuken interessierte sich für die Geschichte dieses Platzes.

Um 1900 führte er kleinere Grabungen durch und stellte den römischen Ursprung des ausgedehnten Trümmerfeldes fest.

Durch die beiden Weltkriege gerieten die Forschungen Schneiders leider weitgehend in Vergessenheit und es verging über ein halbes Jahrhundert, bis diese Stelle wiederum die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich zog.

Ausgedehnte Raubgrabungen drohten das Bodendenkmal derart zu zerstören, dass sich das damalige staatliche Konservatoramt, Abtlg. Bodendenkmalpflege, veranlasst sah, eine planmäßige Ausgrabung durchzuführen.

Die archäologischen Untersuchungen begannen am 1. April 1987 mit der wissenschaftlichen Zielsetzung der »Erforschung einer geschlossenen römischen Siedlungseinheit im nordwestlichen Saarland mit modernen Methoden«. Diese Grabungen dauern bis heute an und werden auch in Zukunft fortgeführt.

         

Forschungsgeschichte

Die »Römische Villa Borg« liegt auf den Anhöhen zwischen Saar und Mosel zwischen den Perler Ortsteilen Borg und Oberleuken - einem der ältesten Siedlungsgebiete des Saarlandes.

Hier, im Dreiländereck von Frankreich, Luxemburg und Deutschland, sind allein aus der römischen Zeit über 50 Fundstellen bekannt, was auf eine hohe Besiedlungsdichte und somit ein engmaschiges Netz von kleineren und größeren Villen hindeutet.

Ein weiteres bedeutendes Beispiel ist die 1852 zufällig entdeckte und in mehreren Grabungskampagnen freigelegte Villa von Nennig mit ihrem »Mosaikfußboden«.

Das Villengelände der Villa Borg erstreckt sich auf einer kleinen Kuppe über ein Areal von circa 7,5 Hektar. Die Villa liegt unmittelbar an der bedeutenden römischen Fernstraße von Metz nach Trier, einem Teilstück der Verbindung zwischen Marseille und Köln.

Für die Archäologie kann als Glücksfall gewertet werden, dass die Fundstelle seit der Antike weder landwirtschaftlich genutzt noch in nachrömischer Zeit überbaut worden ist und dadurch ein Großteil der antiken Befunde erhalten geblieben sind.

Im Verlauf der Ausgrabungen in der Villa Borg kamen neben römischen auch immer wieder keltische Funde zum Vorschein, welche die Vermutung einer ununterbrochenen Besiedlung des Platzes von der Spätlatènezeit (Latène D2 – etwa 85 bis 25 v. Chr.) in die römische Kaiserzeit nahe legte. 

Allerdings ließen sich die Funde zunächst nicht mit konkreten vorrömischen Siedlungsspuren in Verbindung bringen.

Bald kamen aber auch die Reste von Holzgebäuden zutage (in Form von noch vorhanden Pfostenlöchern und Fundamentgräben), die sich eindeutig in die Latènezeit datieren lassen. 

Diese Holzbauten wurden (zu einem noch nicht eindeutig zu bestimmenden Zeitpunkt) im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut und, wie keramische Funde beweisen, bis in die frühe Römerzeit hinein benutzt. 

Das erstaunlich beharrliche Festhalten am angestammten Platz, der für die Errichtung von Steinbauten eher ungünstig war, sowie der eindeutige Bezug der späteren Architektur auf die frühen Baubefunde, legen die Annahme einer Besitzkontinuität (kontinuierliche Besiedlung und Bebauung des Platzes durch eine Familie) nahe. 

            

Keltische Vorgängerbauten

Im frühen 1. Jhdt. n. Chr. wurde am Platz dieser keltischen Siedlung ein Fachwerkgebäude errichtet und um die Jahrhundertmitte durch einen großzügig geplanten Steinbau ersetzt, welcher immer wieder erweitert und umgebaut wurde. Dabei erhielten manche Räumlichkeiten eine völlig andere Funktion - zum Beispiel als Werkstätten.

Spätantike Münzen, Glas und Keramik belegen, dass die Villa bis zum Beginn des 5. Jhdt. n.Chr. bewohnt war. Die Frage, ob die Anlage über diesen Zeitpunkt hinaus weiter genutzt wurde, lässt sich nach dem derzeitigen Stand der Ausgrabung nicht beantworten.


Quelle: www.villa-borg.de