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Von den Merowingern zu den Karolingern 

Die Trennung des Volkes

Der Konzentrationsvorgang im politischen Bereich, der schließlich unter Chlodwig I. zur Einigung der Salfranken mit den Rheinfranken führte, hatte das gemeinsame Volksbewusstsein aller in den Grenzen des Reiches lebenden Franken gefördert.

Chlodwig I. diktiert die ›Lex Salica‹

Dies äußerte sich in den niedergeschriebenen Volksrechten, der ›Lex Salica‹ und der ›Lex Ripuaria‹, in denen die Mitglieder des fränkischen Volkes gegenüber anderen Stämmen und Ethnien (Volk mit eigener Kultur) abgegrenzt werden. 

Die Entwicklung von Teilstämmen über den Großstamm bis zur Volksbildung war spätestens mit der Vereinigung von Salfranken und Rheinfranken im Reich abgeschlossen. Danach setzte aber bereits ein Prozess ein, der im 9. Jahrhundert zur sprachlichen Trennung des Volkes führen sollte.

Taufe Chlodwigs, Darstellung aus dem 9. Jhdt.

Die durch den Übertritt Chlodwigs I. zum (katholischen) Christentum vollzogene religiöse Annäherung an die ebenfalls katholische gallorömische Bevölkerung und die gesetzliche Toleranz gegenüber Heiraten zwischen den Ethnien, hatte den Grundstein für eine kulturelle, aber auch (beim Großteil der Salfranken) sprachliche Verschmelzung mit der unterworfenen Bevölkerung gelegt.

Die im heutigen deutsch-niederländischen Sprachraum siedelnden Franken hingegen assimilierten die unterworfene Bevölkerung sprachlich und kulturell.

Unter den Merowingern kam es in der Folgezeit immer wieder zu internen Machtkämpfen und mehrmals zu Reichsteilungen. Sie verloren im Laufe des 7. Jahrhunderts an Macht und gerieten unter den Einfluss der immer einflussreicheren Hausmeier, die Zug um Zug die Regierungsgewalt übernahmen. 

Bedeutung erlangte noch einmal der Merowinger Dagobert I. (629-639), der zunächst als Herrscher in Austrasien und anschließend im Gesamtreich herrschte.

Danach waren die »Pippiniden« bzw. die frühen Karolinger faktisch die Herrscher im Reich, wenngleich die Merowinger weiterhin bis Mitte des 8. Jahrhunderts die Könige stellten. 

Der bedeutendste frühe Karolinger war Karl Martell (ein unehelicher Sohn des Hausmeiers Pippin II.), der die Alamannen und Thüringer der Herrschaft der Hausmeier unterwarf und Bayern in Abhängigkeit zum Frankenreich brachte. 

Im Jahre 732 besiegte sein Heer die Araber und hinderte sie an einem weiteren Vordringen nach Mitteleuropa.

Unter den Söhnen Karl Martells wurde der letzte merowingische Schattenkönig Childerich III. abgesetzt. Karl Martells Sohn Karlmann ging in ein Kloster, dessen Bruder Pippin wurde im Jahre 751 zum König der Franken gewählt.

Nach Pippins Tod erfolgte eine Reichsteilung unter seinen Söhnen Karl und Karlmann – letzterer starb aber vor dem Ausbruch von Streitigkeiten und somit konnte Karl der Große die Macht im Frankenreich übernehmen.

Unter Karl dem Großen, der im Dezember des Jahres 800 zum Kaiser gekrönt wurde und somit das westliche Kaisertum erneuerte, erreichte das Frankenreich seine größte Ausdehnung. 

Karl gliederte die Sachsen nach brutal geführten Feldzügen seinem Reiche ein und dehnte die Grenzen bis in die slawischen Gebiete und bis nach Nordspanien aus. 

Das Frankenreich war längst kein »Land der Franken« mehr, sondern ein Vielvölkerreich und umfasste den Kernraum der westlichen Christenheit.

Der Trennungsprozess des Frankenvolkes wurde endgültig deutlich bei der Bündnisbesiegelung zwischen den Enkeln Karls des Großen, dem westfränkischen König Karl dem Kahlen und dem ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen gegen ihren Mitbruder Lothar.

Die dabei am 14. Februar 842 gesprochenen »Straßburger Eide« wurden in zwei unterschiedlichen Volkssprachen geleistet, weil die jeweiligen Gefolgs-leute die Sprache der anderen Seite nicht (mehr) verstanden. 

Die Teilung war endgültig besiegelt im »Vertrag von Verdun« im Jahre 843.

Die unter Chlodwig I. erstmals vereinten Teilstämme waren fortan sprachlich getrennt und in spätkarolingischer Zeit entstanden schließlich mit West- und Ostfranken zwei getrennte Reiche.

Der Begriff des »Volkes der Franken« trat immer mehr zurück. Im Westen dominierte fortan die galloromanische (altfranzösische) Sprache, im Osten hatten die Fränkischen Mundarten Bestand.

Ein Großteil der Salfranken verschmolz im Volk der Franzosen und Wallonen.                       

Die in den heutigen Niederlanden und der Region Flandern sowie am Niederrhein verbliebenen Salfranken, sowie die Mosel- und Rheinfranken, gingen später in den Völkern der Deutschen (vor allem im nördlichen Saarland und an der Obermosel), Niederländer, Lothringer, Luxemburger und Flamen auf.