Was die Kelten speisten …

keltische Kochstelle

Wenn man sich im Internet auf die Suche nach Angaben macht, die mit alter keltischer Kochkunst und den damals vorhandenen Nahrungsmitteln zu tun haben, so stößt man immer wieder auf irische und teilweise auch schottische Webpages. 

Die Rezepte, die man dort findet, sind die heutige »Hausmannskost« dieser Regionen. 

Mit der altkeltischen Ernährung haben sie aber nur bedingt etwas gemein. Denn Kartoffeln, Backpulver und ähnliches gab es damals schlichtweg noch nicht.

Die Auswahl an Nahrungsmitteln war eingeschränkt, vergleicht man sie mit der heutigen Vielfalt. Das Klima und die Witterung nahmen, nicht nur bei den Kelten, großen Einfluss auf Art und Menge der Feldfrüchte und auch auf die zu Arbeits- und Futterzwecken gehaltenen Haustiere.

Große Teile Europas waren noch mit Wald bedeckt, vorwiegend mit Eichen, Buchen und im Alpengebiet auch Mischwäldern mit zusätzlich noch Fichten und Tannen. Diese Wälder wurden extensiv als Viehweiden genutzt. Eicheln und Bucheckern stellen sehr nahrhaftes Futter für Schweine dar und wurden außerdem, wie noch weit ins 20. Jhdt. Auch bei uns, als Wintervorrat gesammelt.

»kelt. Gelage«, Teppich von Bayeux

Aus Eicheln lässt sich ein Mehl bereiten, indem man sie schonend röstet (um die giftigen Substanzen unschädlich zu machen) und anschließend zermahlt. 

Entweder man kocht daraus den auch heute noch bekannten »Eichelkaffee« oder man verwendet Eichelmehl gemischt mit Getreidemehlen für Brot und anderes Backwerk.

Bucheckern sind sehr ölhaltig. Das durch Auspressen der Samen gewonnene Öl wurde sowohl für Speisen, als auch als Brennstoff für Lampen verwendet.

Im Ackerbau hatten die Kelten gegenüber den Römern einen weiten Vorsprung – denn sie waren in der Lage, Eisen zu verhütten und mit eigens dafür hergestellten Buchenholzkohle haltbare Werkzeuge zu schmieden.

Auf diese Art produzierten sie stählerne Pflugscharen, die nicht nur die Erde ritzten, wie das bei den römischen Pflugscharen der Fall war, sondern gleich auch, als Wendepflug konzipiert, die Erdschollen umdrehten. Damit war eine intensivere Bewirtschaftung der Felder möglich. 

              

Was baute der Kelten an?

Wichtige Feldfrüchte der Kelten waren:

Dinkel, er war wegen seines hohen Proteingehaltes im Mehl beliebt.

Emmer, er ist wie der Dinkel ein Verwandter des Saatweizens, hat allerdings für kältere Regionen den Vorteil, innerhalb von 3 Monaten auszureifen. Er braucht somit keine lange Vegetationsperiode.

Einkorn

Aegilops, er heißt mit Volksnamen »Ziegenweizen«, hat lange dünne Ähren ist wohl mit dem Weizen verwandt, aber keine Weizenart.

Gerste, sie hat einen sehr geringen Eiweißgehalt und eignet sich darum nicht zum Backen, wurde aber für Frühstücksbreie und als gekochte Beilage verwendet. Außerdem wurde sie für die Bierherstellung sowie als Gerstenkaffee in geröstetem, gemahlenem Zustand herangezogen.

Rispenhirse, sie wurde als Zusatzfutter für die Pferde angebaut

Ackerbohnen, Erbsen, Zwiebel, Lauch, gelbe Rüben, Karotten und Kohl waren die gängigen Gemüse

Lein, aus dessen Samen Öl gewonnen wurde und dessen Fasern der Herstellung von Textilien dienten

Schlafmohn, dessen berauschende Eigenschaften bereits seit der Bronzezeit bekannt waren. Er diente ebenso als Öllieferant und Würzmittel.

              

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft ...

... sagten schon die Kelten. Obelix und »die Bewohner eines kleinen gallischen Dorfes« ernährten sich ja bekanntlich zum größten Teil von Wildschweinen, aber das kann man nicht als allgemein gültiges Grundnahrungsmittel bezeichnen. 

Der Wildbestand reichte nicht aus, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren und so hielten die Kelten Haustiere wie Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und gegen Ende der Latène-Zeit auch Hühner.

Pferde wurden vorwiegend als Reit- und Zugtiere für den Ackerbau, den Transport und auch die Kriegsführung gebraucht. Ab und zu wurden sie genauso wie Hunde als Nahrungsmittel verspeist. Die damaligen Pferde und Rinder waren etwa um ein Viertel bis ein Drittel kleiner als unsere heutigen Rassen. 

       

Was im Kochtopf landete

An Wildtieren wurden Ur, Rotwild, Reh, Elch, Wildschwein und auch Bären gejagt. Dies war vor allem in ländlichen Siedlungen der Fall, wo ca. 10% des Fleischbedarfes durch diese Tiere gedeckt wurde. 

In größeren Ansiedlungen, heute würde man sagen »in der Stadt« schrumpfte dieser Anteil auf  unter 1%. Dort wurde vor allem das Fleisch von Rind, Schwein, Schaf und Ziege, Pferd sowie Hund verspeist - am meisten allerdings Rind, entweder über Feuer gegrillt oder gekocht.

Gewürzt wurde mit gesammelten Nüssen und Früchten, mit Salz, Pfeffer und Kräutern, die zugleich die Verdauung erleichterten und Nahrungsmittel konservierten. Gemüse wurde entweder gedünstet oder mit dem Fleisch gegrillt.

Zu den Mahlzeiten wurden Wasser und Kräutertees getrunken, außerdem Milch und Bier. 

Wer zu den wohlhabenderen Bürgern gehörte, konnte sich sogar den Import von Wein aus Italien leisten. Die Kelten waren richtige Saufschädel und angeblich kam es regelmäßig zu Schlägereien im volltrunkenen Zustand, bei denen sogar einige Kontrahenten den Tod gefunden haben sollen.

Gekocht wurde in einem Kessel über dem offenen Feuer, das in den Hüttenboden eingelassen war. Das Feuer musste 24 Stunden lang brennen, ging es aus, so galt das als große Schande für die Hausfrau. 

Man hatte auch immer etwas Warmes zu essen über dem Feuer, um spontan erscheinende Gäste gebührlich bewirten zu können. Die Kessel waren entweder aus Ton, aus Bronze oder in reicheren Haushalten aus Eisen gefertigt. 

Die Hitze kommt bei einem offenen Feuer vor allem von der Seite statt von unten, wenn also Essen anbrannte, dann seitlich und nicht am Topfgrund. Außerdem musste der Kessel immer mindestens halb voll sein, um bei tönernen Gefäßen ein Zerspringen zu vermeiden. 

Salz wurde nie mitgekocht, sondern immer erst knapp vor dem Servieren zugegeben. Es schadet der Porenstruktur des Tongefäßes, da es in den Poren auskristallisiert und den Ton rissig und spröde macht.

Wasser wurde unter anderem mit Hilfe heißer Steine erhitzt, die zuerst ins Feuer und dann in den Topf hineingelegt wurden. Diese Steine durften nicht aus Feuerstein sein, da sie bei Erhitzen in viele kleine Stücke zerspringen. 

              

Festgelage bei den Kelten

Feste waren ein zentraler Bestandteil des keltischen Kulturkreises, und innerhalb eines Festes stand wiederum das Essen im Mittelpunkt. Je größer die Menge, umso größer der Reichtum des Gastgebers. Es galt als Schande, wenn das Essen bei einem Fest ausging. 

Griechischen Berichten zufolge gab es so viel Essen, dass man tagelang zu jeder Tages- und Nachtzeit hingehen und sich den Bauch »vollschlagen« konnte. 

Dazu muss aber auch gesagt sein, dass sich keltische Fürsten mit dieser scheinbaren Großzügigkeit die Treue ihrer Gefolgsleute kauften.

kelt. Trinkhorn aus der Hallstadtzeit, Foto: Opodelok

Serviert wurde von rechts, und da Glas- und Metallbecher Luxus waren, wurde aus Rinderhörnern getrunken. Diese ließen sich nicht abstellen, und so musste man beständig kleine Mengen trinken, bis das Horn leer war und man es endlich einmal ablegen konnte. Leider wurde ständig nachgeschenkt - das Ergebnis war, dass jede Festivität zu einem Gelage ausartete.

Zu Festen wurde Met oder Gerstenbier getrunken sowie Milch, oft auch importierter italienischer Wein. Auf dem Speiseplan standen gekochtes und gepökeltes Schwein, Rind, Ochse, Wildvögel und Fisch, die mit geröstetem Gemüse, Butter, Käse und Honig als Zutaten verspeist wurden.