Die Römische Villa von Borg

Grabung

Die Villa von Borg zählt zu den größten Gutshöfen im Saar-Mosel-Raum und gehört zu den sogenannten »Längsaxialen Villen«.

Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine rechteckige Grundform haben und sich die Gebäude rechts und links einer Zentralachse symmetrisch aufreihen. Sie sind in einen Herrschaftsbereich - pars domestica - und einen Wirtschaftsteil - pars rustica - gegliedert.

Der Herrschaftsbereich der Villa Borg besteht aus mehreren Gebäudeflügeln, die um einen weitläufigen Innenhof gruppiert sind. Die parkähnlich angelegte Freifläche wird durch ein großes, in die Gartenarchitektur eingebundenes, Zierbecken geteilt. 

Quer zur Mittelachse des gesamten Gutsbezirkes befindet sich das zentrale Herrenhaus, das Wohn- und Repräsentationszwecken diente. An der südwestlichen Seite schließt sich der Badebereich an, parallel dazu auf der gegenüberliegenden Seite ein Wohn- und Wirtschaftstrakt.

An den Badebereich und den Wohnbereich grenzen weitere Raumfluchten, die sich als die römische Küche erwiesen haben.

Der palastartige Herrschaftsbereich bildet eine in sich geschlossene Einheit, die vom Wirtschaftsbereich durch eine Mauer abgetrennt war und durch die innere Toranlage betreten werden konnte.

Die 15 noch nicht ausgegrabenen Nebengebäude der pars rustica (Wirtschaftsbereich) zeichnen sich deutlich als Schutthügel ab, die sich an der Umfassungsmauer, im nordwestlich anschließenden Waldgelände zu beiden Seiten aufreihen. 

           

Pars domestica (Herrschaftsbereich)

Die  »pars domestica« war der Bereich, die der Herrschaftsfamilie vor-behalten war. Hier stand das Wohngebäude, das palastartige Dimensionen annehmen und mit außerordentlichem Luxus ausgestattet sein konnte.

Mosaik und Marmor gehörten zusammen mit qualitätvollen Wandmalereien zur Innenausstat-tung, wie sie auch in den Stadthäusern der privilegierten Oberschicht üblich war. Die Innenhöfe und Gärten waren nach italischem Vorbild gestaltet und zeugten vom mediterranen Lebensgefühl ihrer Besitzer. 

      

Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude

Für das Wohn-Wirtschaftsgebäude gilt das Gleiche wie für die übrigen Baukomplexe der Villenanlage: Am sichersten lässt sich die Phase der Schlussnutzung nachweisen.

Ursprünglich war der Gebäudeflügel wegen seiner teilweise hypokaustierten (Hypocaust = Fuß-bodenheizung) Räume wohl als Aufenthalt während der kalten Jahreszeit konzipiert. Aufgrund der vielen kleinen Räume kann man auch von Wohnräumen und/ oder Arbeitsräumen für die Diener und Sklaven ausgehen.

Spätestens nach den ersten Zerstörungen setzte eine rege Umbautätigkeit ein, in deren Zuge die Raumausstattungen erheblich verändert worden sind. So wurde in einen Raum mit apsidialem (halbkreisförmigem) Abschluss ein Kalkofen eingebaut, der in das späte 3. Jahrhundert datiert wird.

Ein anderer, vorher mit Fußbodenheizung versehener Raum, hatte nun die Funktion einer Räucherkammer, wobei auch Spolien (von lateinisch spolium: Bauteile z. B. Säulenreste, die in neuen Bauwerken wieder-verwendet werden) benutzt wurden.

Im Bereich des jetzigen Medienhauses wurden Nachweise für eine Küche gefunden. Neben einem Ofen und einem Wasserbecken wurde auch eine Darre (Ofen zum Trocknen von Getreide) nachgewiesen. 

         

Pars rustica (Wirtschaftsbereich)

Der Wirtschaftsbereich  »pars rustica« ist dem palastartigen Herrenhaus vorgelagert. Die Nebengebäude sind an die ursprünglich mannshohe Um-fassungsmauer angebaut.

Eine gleichmäßige Anordnung von Nebengebäuden kann auch bei anderen Villen Galliens beobachtet werden, sie ist aber keinesfalls die Regel und auf große Landgüter beschränkt.

Über die Funktion der Nebengebäude solcher großen Anlagen ist relativ wenig bekannt. Ist man geneigt, in den größeren Bauten, die durchaus die Ausmaße kleinerer Villen erreichen, Wohnungen für Verwalter und Dienstpersonal zu sehen, so werden die übrigen Gebäude gemeinhin als Speicherbauten, Werkstätten, Stallungen und Remisen für den Fuhrpark - also Wirtschaftsbauten im weitesten Sinn - bezeichnet.

Die von der Mauer abgegrenzte Fläche der pars rustica war wohl in weiten Teilen als Nutzgarten hergerichtet, kleinere Teilbereiche mögen auch der Kleinviehhaltung vorbehalten gewesen sein.

Der Wirtschaftsbereich wurde durch ein in Straßennähe gelegenes äußeres Tor betreten. Auf einem geraden Weg, der vielleicht alleeartig gesäumt war, durchschritt der antike Besucher das Hofareal und erreichte die betont repräsentativ gestaltete innere Toranlage, hinter der sich der Herrschaftsbereich der Villa öffnete.   

       

Pferdeschwemme und Wirtschaftsweg

Im Zuge von geplanten Bau-maßen wurde vor dem Torhaus, schon im Bereich des Wirtschaftshofes, ein weiteres Wasserbecken ausgegraben. 

Aufgrund der Lage und der Befundsituation kann man davon ausgehen, dass es sich um eine Pferdeschwemme (eine Wasserstelle, an der Pferde nach der Arbeit ins Wasser geführt und gesäubert werden konnten) handelt.

Das Becken fällt von einer Schmalseite zur anderen langsam ab. Auf der flachen Seite hat es über die gesamte Schmalseite vier flache, breite Einstiegsstufen.

Das Becken ist mit dem ebenfalls aufgedeckten Wirtschaftsweg verbunden. Dieser führt vom Torhaus in südliche Richtung bis ans Ende der Umfassungsmauer der »pars urbana« und zweigt dort nach Osten in den Bereich des Wirtschaftshofes und nach Westen zum Küchenbereich ab. Dieser Weg diente vermutlich dazu, die Küche von der Rückseite der Anlage her zu beliefern.

Zwischen den im Norden gelegenen Nebengebäuden 1 und 2 und der Umfassungsmauer (»Gartenmauer«) gibt es einen ähnlichen Wirtschaftsweg.

         

Quelle: www.villa-borg.de