Nancy


Nancy (deutsch, veraltet: »Nanzig«, luxemburgisch: »Nanzeg«) ist eine französische Stadt mit knapp über 100.000 Einwohner in Lothringen. Sie ist Hauptstadt (Präfektur) des Départements Meurthe-et-Moselle, Sitz der ›Communauté urbaine du Grand Nancy‹, einem 20 Gemeinden umfassenden Kommunalverband und Hauptort (chef-lieu) von vier Kantonen.

Place Stanislas, Foto by Enslin

Am Fuß der Lothringer Hochebene im Norden und im Westen des heutigen Ballungsgebietes Nancy, finden sich Siedlungen aus der Eisenzeit. Die interessanten Funde sind im Lothringer Museum ausgestellt (Fundstätten Ludre und Butte Sainte Geneviève).

Die Stadt Nancy wurde im 11. Jahrhundert durch Herzog Gérard 1. gegründet, der das »Castrum nanceieum«, eine Bastion zum Schutz der Meurthe im Moselgraben, bewehrte und ausbaute.

Nancy, deren keltischer Name »Nancé« soviel wie Sumpfgebiet bedeutet, entwickelt sich westlich der Meurthe rund um einen Komplex militärischer- und Verwaltungsbauten, aus denen unter Herzog René II. gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Herzogspalast entsteht.

Der Komturei-Turm »Tour de la Commanderie« ist das älteste Gebäude der Stadt Nancy (in der heutigen Avenue Foch). Er gehörte zur Johanniter-Komturei, die im 12. Jahrhundert außerhalb der Stadt, unweit des Sankt-Johannes-Sees (Étang Saint Jean) errichtet wurde.

Die mittelalterliche Stadt (Vieille Ville) gedeiht. Gegen Ende der Renaissance in Lothringen errichtet Charles III. die Neustadt »Ville Neuve« und vervierfacht damit die Fläche der Stadt Nancy. 

Der letzte Herzog des Lothringer Geschlechts, Stanislaus I. Leszczyński, verbindet die beiden Stadtkerne, Alt- und Neustadt, um die Errichtung des königlichen Platzes »Place Royale« zu ermöglichen (Bauzeit von 1752-1755).

Historisch war Nancy die Hauptstadt des Herzogtums Lothringen (oder Ober-Lothringen), im nachrevolutionären Frankreich die Hauptstadt der Provinz Lothringen (Lorraine). Seit 1777 ist Nancy Sitz eines römisch-katholischen Bistums.

Devise der Stadt ist »non inultus premor« (lat. für: Niemand bedrängt mich ungestraft), womit auf die Schlacht bei Nancy 1477 und den Tod Karls des Kühnen angespielt wird. Auch die Distel im Stadtwappen hat diesen Bezug.

             

Lage

Nancy befindet sich im Nordosten Frankreichs, ca. 120 Kilometer Luftlinie westlich von Straßburg, 50 Kilometer südlich von Metz und ca. 70 km südlich der Region an der Obermosel. Die Stadt liegt zwischen bewaldeten Hügelketten in einem halben Talkessel, ohne Öffnung nach Westen hin.

Nahe der Stadt verlaufen mehrere Flüsse, unter anderem die Mosel, der ›Canal de la Marne au Rhin‹ und die Meurthe, welche die östliche Stadtgrenze bildet.

      

Stadtgliederung

Nach einem Beschluss des Stadtrates vom Juni 2008 gliedert sich Nancy in 11 Stadtteile:

  • Ville Vieille Léopold
  • Centre Ville Charles III.
  • Stanislas - Meurthe
  • Saint Pierre René II Marcel Brot
  • Mon Désert Jeanne d’Arc Saurupt Clémenceau
  • Haussonville Blandan Donop
  • Poincaré Foch Anatole France Croix de Bourgogne
  • Beauregard Boufflers Buthegnémont
  • Boudonville Scarpone Libération
  • Plateau de Haye: Haut du Lièvre, parc des Carrières, Gentilly
  • Trois Maisons Saint Fiacre Crosne Vayringe

Jeder Stadtteil besitzt ein eigenes Bürgerbüro, eine Postfiliale und einige auch eine eigene Polizeidienststelle.

       

Geschichte

Spuren menschlicher Besiedelung finden sich ab dem 8. Jahrhundert vor Christus auf den Hügeln der Stadt, wo der Abbau des Eisenerzes Minette belegt ist.

Aus der Zeit der römischen Herrschaft in Gallien sind keine Fundstücke vorhanden. Ein großer alemannischer Friedhof zeugt von einer neuerlichen Besiedelung der Gegend in der Zeit der Völkerwanderung.

Erst um 1050 errichtet der Graf Gérard, Herzog von Ost-Lothringen, eine Burg mit dem Namen Nanciacum, woraus sich die Stadt entwickeln sollte. 

Infolge des Erbfolgekrieges um die Champagne stand der Herzog Theobald I. seinem Lehnsherrn und Kaiser, Friedrich II., gegenüber. Dies führte 1218 zur Belagerung und Brandschatzung Nancys durch die Truppen Friedrichs. 

Wiederaufgebaut und mit einer steinernen Mauer umgeben, erhielt der Ort 1265 Stadtrechte und wurde in den folgenden Jahrzehnten Hauptstadt des Herzogtums.

Am 5. Januar 1477 scheiterte Karl der Kühne von Burgund in der Schlacht bei Nancy bei dem Versuch, die Stadt an sich zu bringen, um seine Besitzungen (Burgund, Luxemburg und Flandern) zu verbinden. Er starb an seinen Verletzungen unweit der Stadt bei Saint-Nicolas-de-Port. 

Seine größte Blüte erlebte Nancy unter den Herzögen Anton (1489–1544) und Karl III. (1543–1608). Damals wurde im Süden der Altstadt die Neustadt planmäßig gegründet, ein Netz rechtwinkelig sich kreuzender Straßen. 

Nancy gehörte bis ins 18. Jahrhundert zum Herzogtum Lothringen und damit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. 

Im Dreißigjährigen Krieg erlebte die Stadt schwere Verwüstungen, die von Jacques Callot – einem Kupferstecher aus Nancy – im Zyklus »Schrecken des Krieges« festgehalten wurden (heute ausgestellt im Lothringischen Museum).

Immer wieder wurde Nancy von französischen Truppen besetzt und kam 1697 nach dem »Frieden von Rijswijk« stark verkleinert (um Lunéville) an Herzog Leopold zurück, der die Stadt erneut aufbauen ließ.

Schließlich kam das Herzogtum Lothringen im Rahmen eines Austausches zwischen dem römisch-deutschen Kaiser (Haus Habsburg) und dem französischen König im 18. Jahrhundert an das Königreich Frankreich (die Toskana an Habsburg).

Ludwig XV. vergab Lothringen an den abgesetzten polnischen König Stanislaus I. Leszczyński, der das Herzogtum von Nancy und Lunéville aus als Herzog von Lothringen regierte. 

Nach seinem Tod 1766, fielen Nancy und das Herzogtum endgültig an die französische Krone. Seit 1777 ist die Stadt Bischofssitz des Bistums Nancy-Toul.

Plan von Nancy 1828

Während der Französischen Revolution war die Stadt 1790 Schauplatz der Nancy-Affäre.

Die mit den Jakobinern sympathisierenden Soldaten der Garnison verlangten u.a. die Auszahlung des Soldes und hatten ihre Offiziere festgesetzt. Der Marquis de Bouillé schlug die Revolte in Straßenkämpfen blutig nieder. Das unbarmherzige Vorgehen des Marquis und der Tod des Offiziers André Désilles, der sich zwischen die Meuterer und die Truppen Bouillés stellte, bewegten ganz Frankreich.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde der nord-östliche deutschsprachige Teil Lothringens Teil des Deutschen Reichs (und fortan gemeinsam mit dem ebenfalls von Frankreich abgetretenen Elsass als Reichsland Elsaß-Lothringen verwaltet), nicht jedoch der westliche Teil um Nancy. 

Die deutsche Sprachbezeichnung Nanzig oder »Nanzég« wurde gelegentlich (z.B. im Brockhaus von 1888) als deutsches Exonym (altgr. éxô »außerhalb« und σnyma »Name«) verwendet. Seit langem ist diese Bezeichnung (»Nanzég«) nur noch in Luxemburg gebräuchlich.

Während des Ersten Weltkriegs und der nahen Schlacht um den Grand-Couronné wurde die Stadt wiederholt durch Luftstreitkräfte und Artilleriestellungen im 35 km entfernten Hampont bombardiert. Dies richtete große Schäden an und kostete 117 Menschen das Leben.

Nach der militärischen Niederlage Frankreichs im Zweiten Weltkrieg und einer fast vierjährigen Besatzungszeit wurde Nancy im September 1944, nach dem Kampf um Nancy im Zuge der Schlacht um Lothringen, von der 3. US-Armee unter General George S. Patton befreit.

                       

Nancy besitzt eine sehenswerte Innenstadt.

Basilika Saint-Epvre

Im nördlichen Bereich befindet sich die durch Bauten des Mittelalters und der frühen Neuzeit geprägte Altstadt mit dem ehemaligen Herzogspalast und der neugotischen Kirche Saint-Epvre.

Die südlich gelegene Neustadt hat ihr Zentrum um die ›Place Stanislas‹, benannt nach dem ehemaligen polnischen König Stanislaus I. Leszczyński, der nach der Niederlage im Polnischen Erbfolgekrieg 1737 durch seinen Schwiegersohn Ludwig XV. mit dem Herzogtum von Lothringen und Bar abgefunden wurde.

Die ›Place Stanislas‹, die ›Place de la Carrière‹, und die ›Place de l’Hémicycle‹, eines der bedeutendsten Ensembles aufgeklärt-absolutistischen Städtebaus, wurden 1983 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Die Plätze wurden in der Hauptsache von 1752 bis 1760 von dem Architekten Emmanuel Héré angelegt. Die Place Stanislas, ehemals Place Royale, folgt dem Typus französischer Königsplätze mit einheitlich gestalteten Fassaden um ein zentrales Herrscherbild. 

Plan von Nancy 1835

Das Denkmal war einst König Ludwig XV. von Frankreich gewidmet, nach Stanislas Tod auch der Herrscher über Lothringen. Das heutige Monument aus dem 19. Jahrhundert zeigt hingegen Stanislas selbst.

Die gesamte Südseite des Platzes nimmt das Rathaus (Hôtel de Ville) ein, in dessen Treppenhaus und Saal ein Bildprogramm die segensreiche Regierung Stanislas´ preist. 

Im Osten und im Westen nahmen je zwei palastartige Pavillons Einrichtungen des Hofes, der Verwaltung und der Bildung auf.

Heute befindet sich im Nordwesten das ›Musée des Beaux-Arts‹ und im Nordosten das Opernhaus. Auf der Nordseite, wo ehemals die Befestigungsanlagen Alt- und Neustadt trennten, rahmen eingeschossige Bauten, die »basses faces«, den Platz.

Der Platz zeigt sich als Zentrum des gesamten Stadtraumes durch die große Straßenachse, die von der Porte Sainte-Cathérine im Osten zur Porte Saint-Stanislas im Westen führt, die beide durch kleine Triumphtore ausgezeichnet sind. 

Die rahmenden Bauten der Place Stanislas werden durch reiche Schmuckgitter von Jean Lamour locker verknüpft. In sie sind zudem in der Nordwest- und der Nordostecke Zierbrunnen von Barthélemy Guibal eingefügt.

Plan von Nancy 1894

Den Durchgang zur Place de la Carrière bildet ein Triumphbogen, der 1757 zu Ehren Ludwigs XV. errichtet wurde.

Den lang gestreckten ehemaligen Turnierplatz säumt beidseitig eine einheitliche Bebauung von Häusern, ehemals für Funktionsträger des Hofes und des Staates. Die Platzfolge wird im Norden durch die quergelagerte ›Place de l’Hémicycle‹ vor dem einstigen Sitz des französischen Gouverneurs abgeschlossen.

In der Innenstadt und in den westlichen Vorstadt- und Villengebieten Nancys finden sich zudem zahlreiche Jugendstil-Bauten der ›École de Nancy‹.

                 

Sonstige Sehenswürdigkeiten

  • Musée Historique Lorrain, hier werden archäologische Funde aus Lothringen gezeigt. Des Weiteren wird an die Herzogzeit erinnert.
  • Palais des Ducs de Lorraine, (Palast der lothringischen Herzöge), heute Musée Lorraine d’Art et d’Histoire
  • Église des Cordeliers, Grabkirche der Herzöge von Lothringen
  • Pépinière, Parkanlage im englischen Stil der »Ferme Ornée«. In die Parkanlage sind ein kleiner Zoo, eine Muschelbühne, Vergnügungsstätten für Kinder sowie gastronomische Einrichtungen integriert.
  • Musée de l’École de Nancy, Museum des Lothringer Jugendstiles
  • Barocke Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert, mit großer Orgel, 1763 von Nicolas Dupont erbaut und 1861 von Aristide Cavaillé-Coll restauriert.
  • Église Saint-Sébastien, Lothringer Barock, erbaut 1720–1731 von dem Architekten Jean-Nicolas Jennesson (1686–1755)
  • Musée des Beaux-Arts, Malerei der letzten 400 Jahre mit Bildern von Caravaggio, Rubens, Manet, Modigliani
  • NASIUM – La cité des Leuques – eine alte Römerstadt mit 120 ha
  • Musée Émile Gallé – Werke des Kunsthandwerkers Émile Gallé: Keramik, Glas und Möbel im Stil des Historismus und des Jugendstils


Quelle: wikipedia.org, © Titelfoto Emmanuel FAIVRE