Thionville

Thionville (deutsch Diedenhofen) ist eine Stadt mit 41.000 Einwohnern im Département Moselle im Nordosten Frankreichs. Im örtlichen moselfränkischen Dialekt, der noch von den Älteren gesprochen wird, wird es »Diddenuewen« genannt. 

Thionville bestand schon zur Zeit der Merowinger und wurde in Urkunden als Theudonevilla, Totonisvilla, Thionisvilla (1236) und Theodunvilla erwähnt. 

Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort 753 als »theodonis villa«.

Diedenhofen (Thionville) war bereits zur Zeit Pippin des Jüngeren eine königliche Pfalz. In ihr wurden mehrere Hoftage abgehalten, zum Beispiel 835, auf dem die Absetzung Ludwig des Frommen für ungültig erklärt wurde.

Pippins Sohn Karl der Große erließ am 24. Dezember 805 in Thionville das nach der Stadt benannte« Diedenhofener Kapitular«.

Wehrturm Tour aux Puces (Flohturm) vor dem Schloss der Grafen von Luxemburg

Ab dem 10. Jahrhundert gehörte das Gebiet mit Luxemburg zum Heiligen Römischen Reich und blieb bis 1462 im Besitz der Herzöge von Luxemburg. Von 1462 bis 1477 gehörte es dem Herzog von Burgund und von 1477 bis 1643 den Habsburgern.

Nachdem Diedenhofen 1558 von französischen Truppen unter dem Herzog von Guise belagert worden war, kam es 1639 im Zusammenhang mit dem Französisch-Spanischen Krieg (1635–1659) zu einer erneuten Belagerung der Stadt.

Dabei wurden die Truppen unter Manassès de Pas, Marquis de Feuquières, von einem überlegenen kaiserlichen Heer unter General Octavio Piccolomini in der Schlacht von Diedenhofen am 7. Juni 1639 geschlagen. Doch schon am 10. August 1643 eroberten und besetzten französische Truppen den Ort erneut.

Durch den »Pyrenäenfrieden« wurde Thionville am 7. November 1659 an Frankreich abgetreten.

Belagerung Thionvilles durch die Preußische Armee am 5./6. Sept. 1792

Im Jahr 1792 begann der Feldzug des Herzogs von Braunschweig zur Rückeroberung des Throns von König Ludwig XVI. mit der Belagerung von Thionville, deren Besatzung für die Französische Revolution eintrat.

Die Belagerung scheiterte letztlich und gab dem »Ancien Régime« einen Vorgeschmack auf den erbitterten Widerstand der Revolutionsarmee, der in der »Kanonade von Valmy« gipfeln sollte.

Im »Deutsch-französischen Krieg« von 1870/71 wurde die Stadt während der Belagerung durch preußische Truppen stark beschädigt. Die Festung kapitulierte am 25. November 1870, über 4.000 Franzosen gingen in Gefangenschaft. Diedenhofen musste am 10. Mai 1871 aufgrund des »Frankfurter Friedens« an das neue »Deutsche Kaiserreich« abgetreten werden.

Schleusenbrücke von 1746

Der 1. Weltkrieg änderte wieder die Besitzverhältnisse. Am 22. November 1918 besetzten französische Truppen die Stadt. Der »Friedensvertrag von Versailles« bestimmte die Abtretung von ganz Deutsch-Lothringen (»Reichsland Elsass-Lothringen«) an Frankreich.

In der Zeit der Besatzung während des Zweiten Weltkrieges ab 1940 wurde Lothringen einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt (»CdZ-Gebiet«) und war damit inoffiziell wieder Teil des Deutschen Reichs.

1944 nahmen US-amerikanische Truppen Thionville ein, das seitdem wieder zu Frankreich gehört. Noch im Winter 1944/45 wurde das DP-Lager Nr. 8 für »Displaced Persons« eingerichtet, welches  in den folgenden Jahren tausende ehemalige KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene aufnahm.

Nachdem Thionville wie ganz Frankreich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten einen Wirtschaftsaufschwung erlebte (trente glorieuses), setzte seit den 1970er Jahren der Niedergang der dominierenden Schwerindustrie ein, vor allem des Abbaus von Eisenerz (Minette), sodass die Stadt und die gesamte Region mit wirtschaftlichen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatte.

Man besann sich seiner Kultur, Bauwerke und landschaftlichen Schönheiten in der Stadt und der Umgebung. Mehr und mehr wurden und werden diese Ressourcen genutzt und heute ist der Tourismus in der Großregion als Wirtschaftsfaktor und damit auch Einnahmequelle nicht mehr wegzudenken.

                    

Thionville in der Literatur

Karl Mays Fortsetzungsroman »Die Liebe des Ulanen« spielt vor dem historischen Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges teilweise in Thionville.

     

Sehenswertes in Thionville

  • »Hôtel de Ville« (Rathaus) 1634-1637
  • Belfried (Glockenturm) aus dem 14. Jhdt.
  • »Tour aux Puces«, ursprünglich Bergfried aus dem 11. Jhdt.
  • »Autel de la Patrie« (Obelisk aus der Zeit der Franz. Revolution)
  • viele restaurierte Bürgerhäuser und Villen aus der Wilhelminischen Zeit
  • »Ponts-écluse«  (2 Schleusenbrücken über den »Canal des fortification«)