Homepage Thomas Abel
 

Albert Weisgerber

Albert Weisgerber um 1910

Albert Weisgerber (* 21. April 1878 in St. Ingbert; † 10. Mai 1915 gefallen bei Fromelles in Französisch-Flandern) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Weisgerber hinterließ ein umfangreiches Werk, das nach seinem frühen Tod zunächst in Vergessenheit geriet. Weisgerbers Stil ist zwischen dem deutschen Impressionismus und dem beginnenden Expressionismus einzuordnen.

     

Leben und Werk

Weisgerber wurde als Sohn eines St. Ingberter Bäckers und Gastwirtes geboren. Nachdem er von 1891 bis 1894 die Kreisbaugewerbeschule in Kaiserslautern erfolgreich abgeschlossen hatte, begann er 1894 eine Lehre als Dekorationsmaler in Frankfurt/M.

»Ausritt im Englischen Garten« (1910)

Von 1894 bis 1897 besuchte er die Kunstgewerbe-schule in München, danach studierte er 1897 bis 1901 an der »Akademie der Bildenden Künste« in München, zunächst bei Gabriel Hackl und später bei Franz von Stuck, dessen Meisterschüler er wurde.

Seit 1897 arbeitete er als Zeichner für die Zeitschrift »Die Jugend«, was er als Broterwerb bis zum Jahr 1913 beibehielt. 

Im Rahmen seines Studiums lernte Weisgerber Hans Purrmann, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Willi Geiger, Hermann Haller, Max Slevogt, Gino von Finetti und Fritz Burger-Mühlfeld kennen, mit denen ihn dann eine lebenslange Freundschaft verband.

Selbstporträt 1908

Im Jahr 1898 gründete er mit Freunden den Verein »Sturmfackel«, dem unter anderen die Künstler Alfred Kubin, Rudolf Levy und Alfred Lörcher angehörten.

1902 leistete er seinen Militärdienst in München ab.

Im folgenden Jahr hielt sich Weisgerber häufig in St. Ingbert auf, wo er eine Serie von Biergarten-Bildern schuf, in denen er sich mit den französischen Impressionisten auseinandersetzte.

Auf Reisen, u. a. nach Paris, sah er Werke der Impressionisten und anderer bedeutender Künstler und lernte unter anderem Henri Matisse kennen. 

Weisgerber, Purrmann und Matisse in München 1910

Dort erhielt er Impulse von Henri de Toulouse-Lautrec, Paul Cézanne, Édouard Manet und El Greco, was sich deutlich in seinem Malstil bemerkbar machte. Neben Café- und Varietébildern arbeitete der Künstler an etlichen Porträts als Auftragsarbeiten.

1904 lernte er in der Münchner Café-Szene die jüdische Prager Bankiers-Tochter und Malerin Margarete Pohl kennen, die er 1907 heiratete. 

In der Münchner Szene machte er in den Folgejahren die Bekanntschaft namhafter Künstler, Literaten, Publizisten und Gesellschaftskritiker wie Erich Mühsam, Joachim Ringelnatz, Ludwig Scharf, Wilhelm Hausenstein oder Theodor Heuss, die er zum Teil porträtierte. Seine wohl wichtigsten Porträts waren die von Scharf und Heuss. 

Selbstporträt am Attersee 1911

Nach dem frühen Tod Weisgerbers im Ersten Weltkrieg verfasste Hausenstein im Jahre 1918 dessen Biografie.

Internationale Anerkennung brachten Weisgerber 1906 Ankäufe der Münchener ›Pinakothek‹ (Neue Pinakothek) und der ›Städtischen Galerie Frankfurt‹

Im Verlauf einer Reise nach Florenz (1909), bei der ihn Finetti begleitete, kam er mit den italienischen »Quattrocentisten« in Berührung und begann einen Neuanfang seiner bisherigen Kunst. 

Fronleichnamsprozession St. Ingbert, 1910

Unter diesen Eindrücken entstanden seine ersten Bilder aus dem Sebastian-Zyklus. In den Folgejahren wandte sich Weisgerber immer mehr religiösen Themen zu, wie Absalom, Jeremias, David und Goliath.

1911 nahm er zum ersten Mal an Ausstellungen in München und Dresden teil. Im selben Jahr entstand auch eines seiner bekanntesten Werke, das Gemälde »Im Münchener Hofgarten«.

Ein Jahr später hatte er Ausstellungen bei der Galerie Cassirer (Berlin), bei der ›Sonderbundausstellung‹ (Köln) und im ›Kunsthaus Zürich‹. 

1913 gründete Weisgerber gemeinsam mit Alexej von Jawlensky, Adolf Erbslöh, Paul Klee, Alexander Kanoldt und anderen die Künstlervereinigung Münchener »Neue Secession«, deren erster Präsident er wurde. Die erste Ausstellung der ›Secession‹ im Herbst 1914 konnte der Künstler noch ein halbes Jahr vor seinem Tod miterleben.

Albert Weisgerber fiel am 10. Mai 1915 als Leutnant und Kompagnieführer des ›Königlich bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments 16‹ westlich von Lille. 

Im Juni des gleichen Jahres wurde sein Leichnam nach München überführt und auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt. Im selben Regiment diente der Gefreite Adolf Hitler.

Am Strand von Norderney, 1910

                        

Nachlass

Weisgerbers Bilder wurden, wie die vieler anderer moderner deutscher Künstler, von den Nationalsozialisten als »Entartete Kunst« eingestuft und beschlagnahmt. 

Sie wurden jedoch nicht vernichtet, sondern in Auktionen verkauft. Der seinerzeitige St. Ingberter Bürgermeister Dr. Norbert Schier konnte ein umfangreiches Konvolut von Weisgerber-Arbeiten (Ölgemälde, Graphik, Dokumente) erwerben und sie dem städtischen Kunstbesitz einverleiben.

Nach Kriegsende kam es in diesem Zusammenhang zu Restitutionsforderungen der Weisgerber-Witwe Grete Weisgerber-Collin, die in einen Gerichtsprozess mündeten. Die Witwe berief sich dabei auf die Spoliations-gesetze der westlichen Alliierten. Diese annullierten Kaufverträge über Vermögen, das vom Reich beschlagnahmt worden war.

1951 schlossen beide Parteien einen Vergleich, in dem die Rechte der Witwe von der Stadt St. Ingbert anerkannt wurden und ihr eine Entschädigung in Höhe von 5 Millionen Franken (circa 30.000 Euro nach heutiger Kaufkraft) gezahlt wurde.

Im Laufe der Jahre wurden weitere Ölgemälde, Grafiken und kunsthandwerkliche Arbeiten Weisgerbers durch die Stadt erworben. 

Absalom

Sie bildeten einen dichten, repräsentativen Querschnitt durch das Schaffen des Künstlers. Nach Gründung der »Albert-Weisgerber-Stiftung« übereignete die Stadt St. Ingbert dieser den gesamten Weisgerber-Fundus, die daraus eine ständige Albert-Weisgerber-Ausstellung im neu geschaffenen »Museum St. Ingbert« zusammenstellte, die bis Juli 2007 zu sehen war.

Das Werk »Absalom« (1914) befindet sich im Besitz der Hamburger Kunsthalle. Eine weitere Version dieses Bildes gehört dem Saarland-museum (Saarbrücken). In dessen Besitz befindet sich auch die Arbeit »Ausritt im Englischen Garten« (1910).

Zum 100. Todesjahr Weisgerbers haben in Saarbrücken (Saarland-Museum) und in St. Ingbert (Sinn-Gebäude) Ausstellungen stattgefunden.

Für 2016 ist die Eröffnung eines »Albert-Weisgerber-Museum« in der ›Alten Baumwollspinnerei‹ von St. Ingbert geplant. 

       

Quelle: wikipedia.org