Historischer Rundgang durch Ehnen

Beginnen wir unseren Rundgang durch Ehnen am Weinmuseum in der Moselstraße 115:

Dieses schlossähnliche Gebäude war während Jahrhunderten der Sitz der Familie Wellenstein, deren Mitglieder durch Handel und Politik zu großem Reichtum und Ansehen gelangten und als Schultheiße des Trierer Domkapitels den Hof Lenningen verwalteten.

Engelbert Wellenstein, 1662 Schöffe der Landrichterei Grevenmacher, ließ das elegante Haus erbauen.

Durch Ankauf und Heirat erwarb die Familie im Laufe der Zeit noch verschiedene anliegende Häuser.

Zacharias Wellenstein errichtete 1866 den Neubau im Hofinnern.

Seine Tochter, Marie Caroline (1823 - 1916), heiratete Philippe Servais und so kam das Haus an die Familie Servais. Sie residierte aber größtenteils auf »Schloss Quint« oder auch auf »Schloss Kurenz« bei Trier.

Ihre Erben verkauften 1916 den Besitz an die Notarfamilie Würth aus Wormeldingen und 1974 erwarb der Staat Luxemburg das Gut.

Nach gründlicher Renovierung entstand im ehemaligen »Wellensteinhaus« das »Nationale Weinmuseum«.

Auch die »Confrérie Saint-Cunibert« hat ihren Sitz in den ehrwürdigen Mauern.

Das Weinmuseum von Ehnen wurde als Dokumentationszentrum und Begegnungsort für Weinfreunde eingerichtet.

Ein kleines Detail am Rande:

Auf dem Gelände des Museums befindet sich sogar ein eigener Helikopter-Landeplatz! Es dürfte damit, zumindest in sehr großem Umkreis, das einzige Weinmuseum mit einer derartigen Einrichtung sein. 

Eine beachtliche Sammlung alter Winzergeräte - größtenteils Geschenke und Leihgaben der Einwohner von Ehnen und Umgebung - sowie Fotos machen es dem Besucher leicht, die verschiedenen Arbeitsgänge im Weinbau verstehen.

Auch kann man im »Hinterhof« einen Musterweinberg besuchen, in welchem die Hauptrebsorten der Luxemburger Mosel, Elbling, Rivaner, Auxerrois, Pinot blanc (Weißburgunder), Pinot gris (Grauburgunder), Traminer und vor allem der für die Luxemburger Weinberge so typische Riesling zu sehen sind.

Eine Traubenkelter, eine Schmiede, ein Eichamt und eine Küferei können ebenfalls besichtigt werden, ebenso alte Transportmittel.

Gleich daneben liegt das »Schengtgeshaus«  (Moselstraße 113), ein sehr altes Haus, welches man schon an der Jahreszahl »1535« erkennen kann.

In diesem Haus hatten der Schultheiss Peter Greyveldingen (1624) und Johann Mathias Colen (1697, königlicher Notar) ihren Wohnsitz. Im Jahre 1742 wurde das Haus durch Erbe geteilt und Nicolaus Wellenstein erhielt ein Viertel mit den dazugehörenden Speichern.

In der Frongaass 2 befindet sich der »Domherrenbau und Zehntscheuer«.

Das Trierer Domkapitel, Grundherr des Hofes Lenningen, besaß in Ehnen ein herrschaftliches Absteigquartier, ein Kelterhaus und eine Zehntscheuer, wo die Abgaben aller Hofdörfer gesammelt und von hier aus per Schiff nach Trier verfrachtet wurden.

Schon 1485 werden ein Kelterhaus und ein Domspeicher in Ehnen, dem Verwaltungssitz der Schultheisserei, erwähnt. Die jetzigen Gebäude wurden vom Trierer Domkapitel um 1770 erbaut.

Gleich um die Ecke kommt man zur »Rundkirche«, erbaut 1826 an Stelle einer alten, kleinen Kirche, in welcher seit Jahrhunderten die »Jahresgedinge« (Versammlungen) abgehalten wurden.

Der wuchtige Kirchturm stammt noch vom alten Gebäude. Rechts vom Turm befindet sich ein gotischer Stein mit »Ecce Homo« und der Jahreszahl 1506.

In der »Rue Clas von Ehnen Nr. 7« befindet sich der »Hiltebau«, auch »Lortzebau« genannt, mit einem Durchgang zur Kirche.

Früher stand hier das Hofgebäude des Heilig-Geist-Klosters aus Luxemburg. Später wohnte dort ein Hr. Hildt, ein begüterter Kaufmann. Das Haus wurde umgebaut von Joseph Heynen, Bürgermeister von Wormeldingen und Mitglied der Abgeordnetenkammer, als deren Alterspräsident er im Jahre 1852 starb.

Von ihm erbte die Familie Lortz das Anwesen.

Die mächtigen Wirtschaftsgebäude und Keller des Gutes befinden sich gegenüber dem Kircheneingang.

Hier in der Nähe wurde auch Anfang des 15.Jahrhunderts »Clas von Ehnen« geboren, welcher als Glockengießer weit über die Grenzen Luxemburgs hinaus bekannt war.

Im Kirchturm der Kirche hängt seit 1952 wieder eine seiner Glocken, welche er im Jahre 1476 goss.

Das große »Closenhaus« (Hôtel Schammo, Aux Millésimes) war früher ebenfalls im Besitz des Trierer Domkapitels. Hier wohnte Philippe von Sierck († 1492), Pächter des Hofes Lenningen.

Später entstand hier eine Herberge, in welcher die Schiffer aus aller Welt ihr Absteigquartier hatten. Von der großen Lagerhallen und Kellern zum Aufstapeln der Waren führten unterirdische Gänge ins Dorfinnere.

Das »Haus Lamoth« (Hotel Bamberg) war einst ein herrschaftliches Haus, welches auch mit einem interessanten Wappen ausgestattet war.

Es soll in früheren Zeiten ein Zollhaus gewesen sein, wo die vorbeifahrenden Schiffe ihre Abgaben zu entrichten hatten.

Ein steinerner Torbogen spannte sich über die Straße zum gegenüberliegenden Haus. So konnte durch eine schwere Pforte der Dorfeingang versperrt werden.

Gleich daneben, in der Rue Nic. Hein 2, befindet sich der »De Geisenhof«, früher ein sehr mächtiges Hofgut mit Turm und Despendenzien. Louise Gilberte de Geisen brachte es ihrem Gatten, dem Grafen Villers, Comte de Grigancourt, als Mitgift in die Ehe.

Im Hause befanden sich zahlreiche Wappen, »Taken« und Bildwerke mit den Jahreszahlen 1576, 1577 und 1595. Ein schöner Kamin mit Doppelwappen ist heute noch erhalten.

In einem Saal des Geisenhofes befand sich bis zum Jahre 1851 die öffentliche Schule des Ortes. Der spätere Besitzer, Mathias Frieden, ließ das Haus nach 1860 umbauen.

Die »Eselsbrücke« über den Ehnerbach, deren Alter unbekannt ist, war eine Ausweichsverbindung der Dorfbewohner zu ihren Weingütern.

Auf dem Leinpfad am Moselufer zogen nämlich Pferde die Schiffe moselaufwärts und die Straße Ehnen - Wormeldingen entstand erst vor rund 150 Jahren.

In den Weinbergen oberhalb des Ehnenbachs liegt die »Sankt-Nikolaus-Kapelle«.

Zu ihrer Geschichte: Im Herbst 1764 fuhren Mathias Kiefer und Peter Kohl einen Nachen voll Trauben moselaufwärts. Im Wehr unterhalb Ehnen kenterte ihr Boot.

Zum Dank für ihre Rettung aus der großen Gefahr errichteten sie am rechten Felsenufer eine kleine Kapelle mit Holzstatue des heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Schiffer.

Für sich und ihre Nachkommen gelobten sie, jedes Jahr am 5. Dezember (dem Vorabend des Nikolaustages) eine Kerze vor dem Heiligen zu entzünden.

Die wertvolle Statue wurde während der Kriegsjahre 1939-45 sichergestellt und 1953 errichtete der Nachkomme von Mathias Kiefer, Albert Linster (†1979) aus dem »Ke´feschhaus«, für die während der Kriegsjahre zerstörte Kapelle eine neue Nikolauskapelle in seinem Weinberg im »Aacker«, stellte  das Heiligenbild dort auf und brachte jedes Jahr, getreu dem Gelübde, eine Kerze hinauf zur Kapelle.

Ehnen, rue Mathias, Foto: MMFE

Das Doiminikanerrefugium in der Casinogaass 6 u. 8, »Casino« genannt, war bis 1795 Refugium des Dominikanerordens aus Luxemburg.

Herr Johannes Hollinger aus Ehnen, um 1640 Altarist und Rektor in Luxemburg, vermachte lt. Testament vom 22.8.1664 sein Haus mit zahlreichen Liegenschaften in und um Ehnen dem Orden der Dominikaner. Die Patres, welche darin wohnten, mussten jeder Woche 5 Messen in der Kirche in Ehnen lesen.

Nach der »Französischen Revolution« wurde das Haus versteigert.

1892 kaufte der Ehnener Gesangverein »Cäcilia« das alte Refugium und errichtete darin ein Vereinslokal mit Theaterbühne. Damals erhielt das Haus auch den Namen »Casino«.

Gleich schräg gegenüber in der »Casinogaass« befand sich ein kleines Häuschen, das »Nonnenhaischen«, heute in eine Scheune umgebaut. Es gehörte einst der »Grauen Schwestren«« aus Trier, welche in Ehnen einen Weinberg besaßen.

Das »Fohlshaus«,ein prächtiges Bürgerhaus nur eine Strasse weiter im Millewee 2 gelegen, war der Sitz der Familie Fohl.

Michael Fohl Vater und Michael Fohl Sohn wurden 1863, bzw. 1881 in die Abgeordnetenkammer gewählt. Vor etwa 150 Jahren wurde das Haus errichtet.

Der Professor und Poet Nic. Hein heiratete die Tochter von Johann Becker und Mathilde Fohl und wohnte nach seiner Pensionierung im Fohlhaus.

Über den »Lenningerbach« kommt man »An der Borreg Nr.« zur »Domhärmillen«, der »Alten Bannmühle« der Trierer Domherren.

Hier mussten die zinspflichtigen Hofhörigen ihr Getreide gegen eine festgelegte Abgabe mahlen lassen.

Die »Domhäremillen« wechselte ihren Namen mit dem jeweiligen Pächter und hieß im Volksmund: a Mannebachs, a Bocken, a Fischesch, a Wavesch, a Steffen und a Stenmetzen.

Wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Weinmuseum, kommen wir durch die Straße »Rue Isidore Comes«. Die Hausnummer 7 ist hier ein altes Moselhaus aus dem Jahr 1592. Es ist in romanischen Stil gebaut, mit gekuppeltem Toreingang und Vorhalle, aus welcher man zu den Wohngemächern im 1. Stock gelangte.

Nur wenige Meter weiter, an der Straßenecke zur »An den Aessen« befindet sich das »Eichamt«, früher die amtliche Prüfstelle zum Eichen der Holzfässer.

Heute ist das Eichamt nicht mehr in Betrieb, da der Wein heute in Flaschen verkauft wird. Die ehemaligen Messgeräte befinden sich im Ehnener Weinmuseum.

Schräg gegenüber, in der »Frongaass 11« steht das »Zärenhaus«, das alte Pfarrhaus.

Es gehörte mit den umliegenden Häusern dem Grafen Bailliet, welcher es gegen 1750 an Willibrord Scheer, Vater des letzten Schultheissen, verkaufte.

1805 steigerte Mathias Metzler aus Ehnen das Haus und verkaufte es noch im selben Jahr an die Dorfgemeinde Ehnen, welche es fortan bis ins Jahr 1911 als Pfarrhaus nutzte.                                    

Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Weinmuseum. Unterwegs lässt sich sicher aber auch noch »pröbeln«, wie man hier zum Verkosten des Weines sagt.