Das Saarbataillon

Mein Vater (rechts) beim Saarbataillon

Das »Saarbataillon« mit Sitz in Saarbrücken wurde auf Anordnung des französischen Militärgouverneurs Gilbert Grandval Anfang April 1946 aufgestellt.

Der Grundstein zum Aufbau des Bataillons wurde aber bereits im Herbst 1944 in Frankreich gelegt, als sich die Niederlage des Deutschen Reiches abzuzeichnen begann.

Bereits damals gingen die Franzosen davon aus, dass ihnen nach dem Krieg eine Besatzungszone in Deutschland zugesprochen würde. Deshalb begann ihre Militärführung damit, den Aufbau einer deutschsprachigen Ordnungstruppe vorzubereiten, welche sie nach Kriegsende in der von ihnen besetzten Zone einsetzen wollte.

Offensichtlich beabsichtigten die Franzosen, mit Hilfe dieser Truppe einen möglichen späteren politischen Anschluss des Saargebiets an ihr Land vorzubereiten. Deshalb wurden die Mitglieder sorgfältig ausgebildet, um die künftige Einführung des französischen Behördensystems an der Saar vorantreiben zu können.

Man kann das Saarbataillon (Bataillon Sarrois) aufgrund seiner Organisation und seiner häufig wechselnden Aufgabenstellung als eine weltweit einmalige Spezialabteilung der Polizei bezeichnen.

Auch bei der Entstehung des Polizeiwesens im übrigen Nachkriegs-Deutschland gab es keine Ähnlichkeit zum Saarbataillon. Es war eine geschlossene Einheit, die in einem Kasernengebäude untergebracht war. Zunächst firmierte sie unter dem Namen »Grenzlandgarde«, etwa ab April hieß sie »Bataillon Sarrois« oder »Saarbataillon«.

Wer Mitglied im Bataillon werden wollte, musste mehrere Bedingungen erfüllen: Er musste Saarländer sein, mindestens 1,70 m groß, zwischen 18 und 23 Jahre alt sein und Grundkenntnisse in Französisch haben. Außerdem verlangte eine Zölibatsklausel, dass man unverheiratet war. Ausnahmen davon wurden erst nach und nach zugestanden.

Die anfangs etwa 90 Mitglieder bezogen 1946 zunächst die ehemalige Artilleriekaserne an der Rubensstraße auf dem Wackenberg in St. Arnual. 1952 zog das Saarbataillon in die Ulanenkaserne in der Mainzer Straße um, welche wesentlich zentraler gelegen war und außerdem über Garagen, Werkstätten und große Lagerräume verfügte.

Die Stärke des Bataillons schwankte von 1946 bis 1956 zwischen 100 und 200 Mann, zuletzt aufgeteilt in 2 Kompanien.

Ausgerüstet war die Einheit militärähnlich mit Karabinern und den zugehörigen Bajonetten, sowie mit Maschinengewehren.

Die Formation wurde der saarländischen Gendarmerie angegliedert und war als militärisch organisierte Truppe vorgesehen. Von diesem Vorhaben wurde jedoch bald nach Gründung wieder Abstand genommen. Das Saarbataillon wurde stattdessen als straff geführte Bereitschaftspolizei aufgebaut.

Die neue Truppe galt nun zwar als eine Abteilung der Polizei, ihre Mitglieder erhielten aber zunächst eine eher militärische Ausbildung. Sie wurden »...in straffer Zucht zu Männern herangezogen. Geistige und körperliche Ertüchtigung war das Ziel der Ausbildung.«

Zu den Aufgaben der Truppe zählten nach 1946 neben der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung des Landes Sicherungsdienste und Repräsentations- sowie Protokollaufgaben. So erfüllte das Saarbataillon Sicherungs- und Bewachungsaufgaben. Beispielsweise stellte es das Wachkommando für die öffentlichen Gebäude der Besatzungsmacht und der damaligen Verwaltungskommission sowie der späteren Landesregierung (Villa Rexroth).  

Es bewachte die Dienstwohnungen von Gilbert Grandval (im Schloss Halberg) und Johannes Hoffmann (auf der Lerchesflur, Reppersbergstraße 64), stellte die Posten für die Amtssitze Grandvals und des saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, sowie den Flughafen, Bahnhöfe, Banken und ähnliche Gebäude mit höherem Absicherungsbedarf.

Daneben verrichteten die Beamten des Saarbataillons Ehrendienste und Ehrenformationen zu offiziellen Anlässen und Staatsbesuchen. Weiterhin verrichteten Mitglieder des Saarbataillons ab 1950 auch Dienst im Internier-ungslager Theley.

Nach 1950 wurde das Saarbataillon von der saarländischen Regierung häufig zur Bekämpfung von Demonstrationen und zur Auflösung von Veranstaltungen, welche sich gegen die Trennung des Saarlandes von Deutschland richteten und die daher als verfassungsfeindlich betrachtet wurden, eingesetzt.  

So zum Beispiel bei der Gewerkschaftsdemonstration am 1. Mai 1950. Dort kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, weil einige Kommunisten die schwarz-rot-goldene Fahne und FDJ-ler das Sonnenbanner zeigten. Berittene Polizei und Angehörige des Saarbataillons attackierten die Demonstranten und schlugen angeblich »wild drauf los«. – Die Beamten des Saarbataillons hatten auch bei Streiks die Aufgabe, für Ordnung zu sorgen.

Die Härte und Gewalt, die dabei von der Einheit angewandt wurden, führten dazu, dass in weiten Teilen der saarländischen Bevölkerung eine ausgeprägte Abneigung gegen das Saarbataillon herrschte

Noch während des Wahlkampfes im Vorfeld der Volksabstimmung über das Saarstatut von Juli bis August 1955 kam es bei den Kundgebungen von Politikern der beiden Regierungsparteien CVP und SPS wiederholt zu Einsätzen von Polizei und Saarbataillon, um die Redner, vor allem Johannes Hoffmann, bei ihren Auftritten vor Störungen durch Demonstranten zu schützen. Dabei kam es häufig zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen. Im Wahlkampf vor der Volksbefragung im Oktober 1955 wurden die Beamten des Saarbataillons manchmal sogar als »Heimatverräter« beschimpft.

Vier Tage nach der Volksbefragung vom 23. Oktober 1955 und damit  der Ablehnung des Saarstatuts und angesichts der sich abzeichnenden Wiedereingliederung des Saarlandes in das deutsche Staatsgebiet wurde das Saarbataillon am 27. Oktober 1955 zunächst in die Polizei-Ausbildungs-Inspektion umgewandelt.  

Am 15. September 1956 erfolgte in Anlehnung an die bundeseinheitliche Regelung die Umbenennung in »Bereitschaftspolizeiabteilung (BPA)«.

Nach der politischen Angliederung am 1. Januar 1957 wurde die Ausbildung der Polizeianwärter per Regierungserlass über die Ausbildungsrichtlinien der Bereitschaftspolizeiabteilung neu geregelt. Eine intensive Ausbildung war anfangs jedoch wegen der noch bestehenden wirtschaftlichen Trennung von der Bundesrepublik Deutschland schwierig.

Diese unterstützte deshalb die saarländischen Bemühungen durch die Übernahme von Kosten für die Schulung der Anwärter aus dem Saarland an bundesdeutschen Schulen und die Bereitstellung von Geräten und Material. Dies führte zusammen mit der Bewilligung umfangreicher Mittel durch die Landesverwaltung dazu, dass schon 1960 eine gut funktionierende BPA als selbstständige Polizeiabteilung existierte, welche unmittelbar dem Innenministerium unterstellt war.

Da die Unterkunft in der Mainzer Straße für die Anforderungen der Zukunft als völlig unzureichend erschien, richtete man die ehemalige Unterkunft des Saarbataillons auf dem Wackenberg durch Um- und Neubauten so ein, dass nach 1963 etwa 350 Beamte dort untergebracht werden konnten. Etwa 170 verblieben in der Ulanenkaserne Mainzer Straße 134.

Uniformierung

Das Saarbataillon war zur Zeit seiner Aufstellung noch nicht uniformiert. Erst 1947 erhielt die Einheit khakifarbene Uniformen, welche sich durch ihre militärisch orientierte Farbgebung vom Grau der saarländischen Gendarmerie und dem Dunkelblau der Landespolizei abhoben. 1952 wurde das Khaki aufgegeben und einheitlich dunkelblaue Uniformen für alle saarländischen Polizeikräfte eingeführt.

Als Kopfbedeckung wurde eine Schirmmütze in Uniformfarbe getragen. Im Einsatz fand ein lackierter Stahlhelm mit Aluminiumkamm nach Muster der französischen Polizeihelme Verwendung.