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Der »Alte Turm« in Mettlach

Der sogenannte »Alte Turm« in Mettlach ist der älteste erhaltene Sakralbau und gleichzeitig das älteste Bauwerk im Saarland. Er wurde um 990–994 als ottonische Grabkapelle des Heiligen Lutwinus  gebaut.

Der Turm wurde als Oktogon mit sechs halbrunden Nischen im Inneren errichtet. Dabei diente der Aachener Dom als Vorbild.

Der sogenannte »Alte Turm« steht im Park der ehemaligen Benediktinerabtei St. Peter zu Mettlach/Saar. Seit 1806 sind die barocken Abteigebäude der Firmensitz der Villeroy & Boch AG, in deren Besitz sich auch Park und »Alter Turm« befinden.

Die Gründung der erfolgte 676 durch Liutwin, einem fränkischen Adligen, als adliges Eigenkloster. 

Schon bald danach bestand in Mettlach eine Kirchenfamilie, die drei Gotteshäuser umfasste. Ihre Patrozinien waren St. Peter, St. Marien und ein dem Heiligen Dionysios geweihtes Oratorium.

Im ersten Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts wurde Liutwin Erzbischof von Trier. Er vermachte seine Mettlacher Gründung der Trierer Kirche. Der Erzbischof von Trier war somit auch Abt der Abtei von Mettlach. Die Abtei wurde von einem Probst geleitet. Die freie Abtwahl wurde ihr erst Mitte des 10. Jahrhunderts gewährt. In diese Zeit fällt auch die Blütezeit der Liutwinschen Gründung.

Was die Art und Weise der Gründung betrifft, so haben wir nach den neuesten Auswertungen der Quellen von zwei getrennten Baukomplexen auszugehen: ein dem Hl. Dionysios geweihtes Oratorium und die Abtei mit Peter- und Marienkirche.

Abbildung Karte von 1807 aus: August von Cohausen: »Der alte Thurm zu Mettlach« (1871)

Die Lage der Abteigebäude, der Peter- und Marienkirche ist von einer topographischen Karte von 1807 abzulesen. Das »Dionysios Oratorium« ist dort nicht eingezeichnet und bis heute durch keinerlei Funde belegt.

Die beiden anderen Kirchen des 7. und 8. Jahrhunderts wurden in den Jahren 1954/55 und 1959/60 von dem damaligen Landeskonservator Martin Klewitz durch Grabungen erschlossen.

An die Hauptkirche St. Peter schloss sich südöstlich die kleinere Marienkirche an. Die Anlage aus der Zeit Liutwins war ein mit Annexen versehener Saalbau mit Rechteckchor.

Unter Abt Lioffin (985-993) entstand dann an gleicher Stelle als Nachfolgebau ein Zentralbau für das Grab des als heilig verehrten Stifters. Der Zentralbau bestand aus einem achteckigen Mittelraum von 10,8 m Weite mit einer Vorhalle - wohl aus dem 11. Jahrhundert - im Westen und einem zweigeschossigen Rechteckchor im Osten.

Der Marienaltar stand im Obergeschoss und war vom Laufgang her zugänglich. Die anderen Seiten des Oktogons waren und sind im Innern durch Nischen in der 2,60 m starken Erdgeschossmauer gegliedert.

Um 1300 begann die wesentliche Veränderung mit der »Gotisierung« des Oktogons.

Im 15. Jahrhundert wurde mit der Erhöhung der Mauerkrone dem Turm ein Spitzhelm aufgesetzt. In den beiden folgenden Jahrhunderten gab es keine baulichen Veränderungen am Oktogon.

Zu einer regen Bautätigkeit im Klosterbereich kam es wieder im 18. Jahrhundert. Geplant war eine aufwendige barocke Gesamtanlage, der alle mittelalterlichen Bauten mit Ausnahme des »Alten Turmes« weichen sollten.

Dieser war als Chorhaupt einer neu zu errichtenden Abteikirche vorgesehen. Mit dem Bau der Abteigebäude wurde begonnen. St. Peter und das Oktogon blieben stehen, obwohl Letzteres nicht mehr in Nutzung war. St. Peter diente bis zum Abbruch 1819 als Pfarrkirche.

Bis zur Französischen Revolution und der damit verbundenen Vertreibung der Mönche waren die Bauarbeiten nicht abgeschlossen. Die Familie Boch erwarb 1809 den gesamten Klosterkomplex und richtete in den Gebäuden eine keramische Fabrik ein.

Foto: Thomas Johannes

Der »Alte Turm« blieb vorerst bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine weiter verfallende Ruine. Sein Erhalt ist wohl Karl Friedrich Schinkel zu verdanken, der sich 1826 bei seinem Aufenthalt in Mettlach gegen einen Abbruch aussprach.

Zwischen 1849 und 1854 setzte eine Instandsetzung unter der Leitung August von Cohausens in enger Zusammenarbeit mit Eugen von Boch ein.

Die Ruine wurde so vor weiterem Verfall bewahrt. Dabei ging man sehr behutsam vor und rekonstruierte nur dort, wo es die Sicherung des Baus verlangte.

In jüngster Zeit verlangte der besorgniserregende Zustand des »Alten Turmes« wiederum umfassende konservatorische Maßnahmen.

Nach kleineren Restaurierungen in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts kam es seit 1989 zu einer sorgfältigen und behutsamen Sanierung.

Die Bedeutung des »Alten Turms« in seiner ursprünglichen Form ist für die frühromanische Baukunst nicht hoch genug einzuschätzen.

Die Zentralbauform galt als Grablege für hohe Adlige, Bischöfe und Äbte als durchaus angemessen. Obwohl Abt Lioffin um 985/993, wie in den »Miracula sancti Liutwini« berichtet, eine Planzeichnung »similitudo« des Aachener Zentralbaus besorgte, sind die Argumente für eine Nachbildung desselben eher vage.

Für den Hinweis auf Aachen sprechen dennoch einige Zitate wie oktogonale Grundform, zweigeschossiger zu Nische und Laufgang reduzierter Umgang, dreigeschossiger Aufbau im Innern mit hohen Rundbogen im Erdgeschoss, darüber Drillingsbogen und hoher Fenstergaden. Darüber hinaus kann Aachen als Vorbild im Sinne ikonologischer Zusammenhänge verstanden werden.

Das älteste aufrecht stehende Baudenkmal des Bundeslandes Saarland gehört zu den wichtigsten romanischen Zentralbauten Deutschlands und ist das früheste Beispiel in der Region.

Mit seinem beachtenswerten Aufbau zeigt es das Wesentliche und Neue des alten Schema Nischenoktogon. Im Mettlacher Nischenoktogon sind die Wände unten von acht gleichen oder paarweise verschiedenen Nischen ausgehöhlt. 

Im zweiten Geschoss lässt die Stärke der durch Nischen ausgehöhlten Mauer des Erdgeschosses den Laufgang zu. Darüber springt der Obergaden auf die innere Mauerstärke zurück. Hier wird die Wandzerlegung als Grundhaltung der mittelalterlichen rheinischen Baukunst deutlich.

Neben dem Turm wurde nach Plänen von Christian Kretschmer im 18. Jahrhundert ein Abteigebäude der Benediktinerabtei gebaut, das nach der Säkularisation zum Hauptsitz der Firma Villeroy & Boch wurde.

                                 

Quellen: kunstlexikonsaar.de, wikipedia.org