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Jeanne d'Arc 

Vermutlich am 6. Januar 1412 wurde in Domrémy-la-Pucelle die Tochter einer wohlhabenden Bauersfamilie geboren, welche später große Berühmtheit erlangen sollte – Jeanne d’Arc.

Domrémy ist eine kleine französische Gemeinde mit rd. 150 Einwohnern. Sie liegt etwa zehn Kilometer nördlich von Neufchâteau im Département Vosges in der Region Lothringen, nahe der Mündung des Vair in die obere Maas. Im Nordwesten grenzt das Gemeindegebiet an das Département Meuse.

Dort wurde Jeanne d’Arc (* vermutlich 6. Januar 1412 in Domrémy, Lothringen; † 30. Mai 1431 in Rouen) als Tochter von Jacques Darc (oder Jacques Tarc, Tare, Dart, Day, Daix) und seiner Ehefrau Isabelle Romée geboren.

Geburtshaus in Domrémy-la-Pucelle

Die üblich gewordene Schreibweise »d'Arc« taucht erst seit dem 16. Jahrhundert auf, um die Nobilitierung der Familie anzudeuten im deutschen Sprachraum auch Johanna von Orléans oder die Jungfrau von Orléans genannt, ist eine französische Nationalheldin. Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Jungfrau, Märtyrin und Heilige verehrt.

Sie lebte zur Zeit des Spätmittelalters, trug Männerkleider und kämpfte im Alter von 17 Jahren im Krieg. Doch schließlich wurde Jeanne d’Arc als »Hexe« auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Einige Jahrhunderte später wurde sie heiliggesprochen. Auch Künstler und Schriftsteller wie Shakespeare, Schiller oder Brecht beschäftigten sich mit der heldenhaften Frau. Wer war die Heilige Jungfrau und wofür kämpfte sie?

Jeanne wuchs in einer recht wohlhabenden Bauernfamilie auf. Zu ihren Lebzeiten tobte der Hundertjährige Krieg und ihre Lebensführung, ihre Gedanken und Überzeugungen waren maßgeblich durch ihre Erziehung und die Lebensumstände geprägt. Als Bauerstochter wuchs sie in relativ einfachen Verhältnissen auf und wurde als gläubiges Mädchen erzogen.

Im Hundertjährigen Krieg (von 1337 bis 1453) versuchte England, aufgrund erbrechtlicher Zusammenhänge seine Ansprüche auf den französischen Thron durchzusetzen. Vorausgegangen war der Tod des französischen Königs Karl IV., welcher keine Kinder hatte.

Der seit 1328 in England herrschende König Eduard III. erhob als Sohn von Isabelle, der Tochter Philipps IV. »des Schönen«, Anspruch auf den Thron. Französische Rechtsgelehrte akzeptierten diesen Anspruch jedoch nicht, da Frauen und deren Erben von der Thronfolge grundsätzlich ausgeschlossen waren.

Schließlich wurde Philipp VI. als Nachfahre der Kapetinger aus der Nebenlinie der Valois am 28. Mai 1328 in Reims zum König gekrönt. Nach der Konfiszierung des englischen Herzogtums Guyenne 1337 durch Philipp VI. landete Eduard III. mit 4.000 Rittern und 10.000 Bogenschützen in der Normandie.

1415 besiegte der englische König Heinrich V. die Franzosen in der Schlacht von Azincourt und erhob erneut Anspruch auf den französischen Thron.

Englische Truppen hatten den Norden des Landes bis zur Loire besetzt. Orléans, der Schlüssel zur Überquerung des Flusses, war von John of Lancaster, einem Bruder Heinrichs V., eingekesselt (Belagerung von Orléans).

England konnte Teile Frankreichs für sich gewinnen. Der englische Herrscher Heinrich V., der Urenkel Eduards III., erneuerte zu Beginn des 15. Jahrhunderts den Anspruch auf die Krone Frankreichs. Er war der Gegenspieler von Karl VII. und entthronte den französischen König 1421 durch das Pariser Parlament.

Während des Hundertjährigen Krieges verhalf Johanna bei Orléans den Truppen des Dauphins (Thronerben) zu einem Sieg über Engländer und Burgunder und geleitete anschließend Karl VII. von Frankreich zu seiner Krönung nach Reims.

Nach ihrer Gefangennahme am 23. Mai 1430 in Compiègne wurde sie von den mit den Engländern verbündeten Burgundern den Engländern übergeben und in einem kirchlichen Verfahren des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, der pro-englisch eingestellt war, aufgrund verschiedener Anklagen verurteilt.

Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

24 Jahre später strengte die Kurie einen Revisionsprozess an, in dem das Urteil aufgehoben und Jeanne zur Märtyrin erklärt wurde. Im Jahr 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai. An diesem Tag gedenkt man ihrer auch in der Church of England.

 

Leben von Jeanne d'Arc

Die Visionen der jungen Jeanne

Die junge Jeanne d’Arc sollte gegen England in den Krieg ziehen und Karl VII. unterstützen. Aber wie kam es überhaupt, dass eine junge Frau, noch dazu eine Bauerstochter, vom König beauftragt wurde und in die Schlacht zog? Jeanne soll schon als Kind Visionen gehabt haben, die sie zu diesen Schritten veranlassten.

Als sie zwölf Jahre alt war, erlebte sie ihre erste Vision. In dieser und den weiteren tauchten drei Personen auf, die das Mädchen als den Erzengel Michael, die Heilige Katharina von Alexandria und als Margareta zu erkennen glaubte. Die junge Jeanne wurde von ihnen gebeten, die Engländer aus Frankreich zu vertreiben und den rechtmäßigen Thronfolger nach Reims zu bringen, damit er gekrönt werden konnte.

Jeanne war noch sehr jung und zunächst ratlos, wie sie dies anstellen sollte. Da sie streng gläubig erzogen wurde, wollte Jeanne den Anweisungen auf jeden Fall folgen. 

Sie sah es als ihre Pflicht an, Frankreich von den Engländern zu befreien. Sie beschloss, König Karl VII. um Hilfe zu bitten. Doch dieser musste aufgrund der Angriffe der Burgunder, sie waren Verbündete der Engländer, nach Chinon fliehen. Sie wollte eine Audienz bei ihm, doch diese wurde abgelehnt.

 

Eine Audienz beim König

Für Jeanne war es schwierig, sich Respekt zu verschaffen und durchzusetzen - viele nahmen sie nicht ernst, da sie eine junge Frau und dazu die »ungebildete« Tochter eines Bauern war. Was soll schon eine Bauerstochter dem König zu sagen haben?

Königliches Adelspatent 1429: Karl VII. erhebt Jeanne d’Arc samt Familie in den Adelsstand und verleiht ihnen ein Wappen

Aber Jeanne gab nicht auf - als sie 17 Jahre alt war, wurde sie, nachdem sie bereits zweimal abgewiesen wurde, vom Stadtkommandanten Robert de Baudricourt auf der Festung Vaucouleurs empfangen.

In dem Gespräch mit ihm erzählte die junge Frau von ihrem Vorhaben. Der Stadtkommandant schickte sie am 22. Februar 1429 mit einer Eskorte (Jean de Metz, Bertrand de Poulengey; Anhänger des Dauphin) zu Karl VII. nach Chinon, das sie am 5. März 1429 nach elf Tagen durch Feindesland erreichte.  Mit im Gepäck war ein Empfehlungsschreiben an den König.

Und auch der Dauphin, der königliche Thronfolger, schenkte der jungen Bauerstochter Gehör. Sie erzählte ihm, dass sie im Namen des Himmels gekommen sei und dass sie ihm die offizielle Krönung in Reims zusichern könne.

Heute kann man leider nicht mehr sagen, warum und inwieweit der König ihr glaubte und ihr sein Vertrauen schenkte. Vermutlich verhalf ihr auch eine Legende dazu, das Interesse des Königs zu wecken. In Frankreich glaubte man, dass eine Jungfrau das Land retten würde.

Es ist naheliegend, dass Karl VII. in ihr diese Jungfrau vermutete. Auf jeden Fall hoffte Frankreich auf ein Wunder, denn nur dieses schien das Land noch retten zu können. Man munkelte auch, dass Jeanne sich zusammen mit dem König in ein Zimmer zurückzog und ihn dort an einer ihrer Visionen teilhaben ließ.

 

Im Kampf gegen England

Noch war König Karl VII. jedoch nicht gänzlich überzeugt und bis es tatsächlich zum Kampf kam, verging einige Zeit. Der Machthaber wollte sichergehen, auch das Richtige zu tun. Jeanne wurde drei Wochen lang auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft und es wurde untersucht, ob sie die Wahrheit gesagt hatte und tatsächlich noch Jungfrau war - also niemals körperlich mit einem Mann zusammen gewesen war.

In Poitiers ließ der Dauphin Jeanne drei Wochen lang von Geistlichen und hochgestellten Persönlichkeiten auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen und ihre Jungfräulichkeit von Hofdamen untersuchen. Nach erfolgreichem Bestehen beider Prüfungen beschloss der Kronrat, ihr eine Rüstung anfertigen zu lassen, und stellte ihr eine kleine militärische Einheit zur Seite.

Der Thronfolger entschloss sich schließlich, Jeanne Vertrauen zu schenken, und ließ ihr eine Rüstung anfertigen. Er überließ ihr einen kleinen Trupp angeblicher Soldaten, die aber mehr Gauner und Räuber waren als Krieger. Sie machte jedoch aus einfachen Räubern wie etwa Étienne de Vignolles, besser bekannt als La Hire (»der Wilde«), Soldaten.

Ihr erster Auftrag war es, einen Proviantzug nach Orléans durchzubringen. Am 29. April kam ihr Zug in der am 7. Oktober 1428 eingeschlossenen Stadt an. Die Truppen in Orléans wurden von dem Erfolg motiviert und ließen sich überzeugen, einen Ausfall zu wagen.

Am 7. Mai ritt Jeanne d’Arc vorneweg. Von einem Pfeil getroffen und vom Pferd geworfen, blieb sie dennoch auf dem Feld. Das beeindruckte ihre Mitkämpfer und steigerte die Kampfbereitschaft des Heeres.

Einen Tag später zogen die Engländer von der aussichtslos gewordenen Stellung ab. Bis Juni 1429 waren die Engländer unter der Mitwirkung Jeanne d’Arcs aus den Burgen südlich der Loire vertrieben.

Am 29. April kam ihr Zug in der eingeschlossenen Stadt an. Die Truppen in Orléans wurden von dem Erfolg motiviert und ließen sich überzeugen, einen Ausfall zu wagen. 

Am 7. Mai ritt Jeanne d’ Arc vorneweg. Von einem Pfeil getroffen und vom Pferd geworfen, blieb sie dennoch auf dem Feld. 

Das beeindruckte ihre Mitkämpfer und steigerte die Kampfbereitschaft des Heeres. Einen Tag später zogen die Engländer von der aussichtslos gewordenen Stellung ab. Bis Juni 1429 waren die Engländer unter der Mitwirkung Jeanne d’Arcs aus den Burgen südlich der Loire vertrieben.

Am 17. Juli 1429 konnte der Dauphin, wie von Johanna von Orléans prophezeit, in der Kathedrale von Reims als Karl VII. gekrönt werden; Jeanne nahm, mit der Siegesfahne neben dem Altar stehend, an der Feier teil. 

Der Ruhm Jeanne d’Arcs war auf dem Höhepunkt.

Ihr Vater erhielt vom König als Zeichen der Dankbarkeit die Steuerfreiheit. 

Die königlichen Ratgeber unterminierten den Einfluss Jeanne d’Arcs. Immer wieder bat sie den König, nach Paris vorstoßen zu dürfen – erst nach etlichen strategischen Fehlentscheidungen gab er im September 1429 ihrem Drängen nach. 

Der Versuch am 8. September 1429 misslang jedoch und Karl VII. wandte sich von ihr ab. Er wollte nun lieber Frieden schließen, entließ Teile der Armee und versagte ihr die Unterstützung in ihrem Bemühen, die Engländer restlos vom Festland zu vertreiben.

 

Bruch zwischen Jeanne und Karl VII.

Jeanne d’Arc bei der Krönung Karls VII. (Historiengemälde von Dominique Ingres, 1854)

Karl VII. wurde, so wie es Jeanne d’Arc prophezeit hatte, in der Kathedrale in Reims zum König gekrönt. Und natürlich war auch Jeanne bei dieser Zeremonie anwesend, sie durfte sogar die Siegesfahne halten. Der König zeigte sich dankbar und befreite ihren Vater und alle Bürger von Domrémy und Greux für immer von den Steuern.

Doch nach seiner Krönung befolgte der Herrscher nicht mehr länger den Rat der Jungfrau von Orléans. Sie bat ihn immer wieder, nach Paris aufbrechen zu dürfen, um weiter gegen die Engländer vorzugehen.

Erst nachdem Karl einige Fehlentscheidungen im Krieg getroffen hatte, stimmte er ihr zu. Die Burgunder nutzten die Zeit, in der der König haderte, und konnten sich gut auf die Schlacht vorbereiten. Als sie von den Franzosen am 8. September 1429 in Paris angegriffen wurden, konnten sie den Kampf für sich entscheiden.

Der König wandte sich daraufhin von Jeanne d’Arc ab und nahm dies zum Anlass, mit Burgund Frieden zu schließen. Als Zeichen seines guten Willens entließ er viele Soldaten aus seiner Armee.

Die Burgunder waren aber nach wie vor für den Kampf gerüstet, und sie wollten nichts dem Zufall überlassen. Jeanne und ihre Truppe versuchten, die von den Burgundern besetzte Stadt Compiègne im Norden von Paris zu befreien. Doch sie mussten sich zurückziehen, die Armee der Burgunder war zu stark.

Durch Verrat wurde sie am 23. Mai 1430 bei Compiègne von Johann von Luxemburg festgenommen und den Burgundern ausgeliefert. Der Herzog von Burgund wiederum verkaufte Jeanne nach zwei Fluchtversuchen am 18./19. Juni und sieben Monaten in Gefangenschaft für 10.000 Franken - eine Summe, die eigentlich nur für Könige gezahlt wurde - an John of Lancaster, den Herzog von Bedford.

 

Als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt

Die Engländer hofften, so den französischen König in die Knie zu zwingen und ihm nachzuweisen, dass er mit einer Hexe und Ketzerin Umgang habe. Die vermeintliche Hexe Jeanne d’Arc wurde vor Gericht gestellt. Nur der Papst könne ein Gesandter Gottes sein, daher müsse sie entweder eine Ketzerin oder eben eine Hexe sein - so lautete der Vorwurf. Ketzer wurde eine Person genannt, die die Lehren Gottes und der Kirchen bestritt.

Der Prozess begann am 9. Januar 1431. Es wurde eine große Gerichtsverhandlung geführt, von der auch König Karl VII. Kenntnis erlangte. Aber der König half ihr nicht - er fürchtete um seinen Ruf und wollte nicht mit einer Ketzerin und Hexe in Verbindung gebracht werden.

Trotz ihrer einfachen Herkunft und mangelnden Bildung, erwies sie sich als rhetorisch sehr geschickt. Dennoch befand man sie am 19. Mai 1431 in zwölf von 67 Anklagepunkten für schuldig.

Die ursprünglichen Anklagepunkte beschuldigten sie unter anderem des »Feenzaubers«, des Gebrauchs der Alraunenwurzel, der Häresie, der Anbetung von Dämonen (mit Bezug auf die von Jeanne gehörten Visionen, bei denen sie niederkniete) und des Mordes (da Jeanne nicht als Soldat anerkannt wurde, waren alle Männer, die sie in Schlachten besiegte, als Mordopfer zu betrachten).

Gefährlich wurden Jeannes gerichtliche Aussagen zudem, weil sie sich dem Urteil der Kirche zunächst nicht unterwerfen, sondern nur ein direkt von Gott stammendes Urteil anerkennen wollte. Die junge Jeanne war erneut auf sich selbst angewiesen.

Als man ihr nach der Urteilsverkündung eröffnete, der Scheiterhaufen erwarte sie, wenn sie ihren Irrglauben nicht einräume, schwor Jeanne ihren Überzeugungen ab. Vermutlich geschah dies aus spontaner Furcht vor dem Feuertod, wie sie auch in ihrem späteren Widerruf des Geständnisses selbst erklärte.

Am 24. Mai 1431 wurde auf dem Friedhof von St. Ouen die Exkommunizierung Jeanne d’Arcs vollzogen, die sich in einem öffentlichen Geständnis in allen Anklagepunkten für schuldig befand.

Nach ihrem Abschwören verurteilte man sie als Ketzerin zur lebenslangen Haft, was unter normalen Umständen bedeutet hätte, die Schuldige nun in ein kirchliches Gefängnis zu überstellen.

Aus politischen Gründen war dieses Urteil für die Anhänger des englischen Königshauses unbefriedigend – der Prozess war aber Gang gebracht worden- Er sollte Karl VII. beim geistlichen und weltlichen Adel als Unterstützer einer Ketzerin denunzieren und so politisch zu entmachten. 

Zudem bestand die Gefahr, dass die Anhänger Karls sie aus einem kirchlichen Gefängnis in Frankreich hätten befreien können, um einen erneuten Schlag gegen die englischen Truppen anzuführen.

Der einzige Ausweg bestand darin, Jeanne d’ Arc erneut einen Prozess zu machen, der sie als unbelehrbare Ketzerin ausweisen musste. So wurde ihr nachgewiesen, dass sie in ihrer Gefängniszelle erneut Männerkleidung angelegt hatte.

Vier Tage später wurde Jeanne erneut der Prozess gemacht und das endgültige Urteil unter der Regentschaft von John of Lancaster gefällt: Verbrennung als »notorisch rückfällige Ketzerin« auf einem Scheiterhaufen auf dem Marktplatz von Rouen. Zu dieser Zeit war sie gerade einmal 19 Jahre alt.

Am nächsten Morgen, dem 30. Mai 1431, wurde Jeanne verbrannt und ihre Asche in die Seine gestreut, um ihren Anhängern keine Möglichkeiten zu geben, ihre Überreste als Reliquien zu bergen.

Dadurch sollte einer Verehrung als Märtyrin Einhalt geboten werden. Dennoch tauchten gegen Ende des 19. Jahrhun-derts angebliche Reliquien in Tours auf.

Ein Rippenknochen und ein Kleidungsrest wurden 1867 von einem Apotheker an das Erzbistum übergeben. Bei einer Untersuchung in den Jahren 2006 bis 2007 stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Rippenknochen um einen Teil einer ägyptischen Mumie aus vorchristlicher Zeit handelt.

Ebenso fanden sich Holzstücke und der Oberschenkelknochen einer Katze. Der Kleidungsrest stammt zwar aus dem 15. Jahrhundert, weist jedoch keinerlei Brandspuren auf.

 

Die Jungfrau von Orléans wird zur Heiligen

Jeannes Mutter glaubte weiterhin an die Berufung ihrer Tochter und schaffte es, 24 Jahre nach ihrem Tod das Verfahren noch einmal neu aufzurollen. 

Der Inquisitionsgeneral Jean Bréhal unterstützte ihren Antrag und Papst Kalixt III. genehmigte die Wiederaufnahme. Dies wurde auch vom König unterstützt, der in die Kritik geraten war, da er Jeanne d’Arc nicht geholfen hatte.

Viele Menschen im Volk liebten die junge Frau und bewunderten sie für ihren Mut und ihre Taten.

Der Hundertjährige Krieg war nun vorbei, Frankreich ging als Sieger hervor und Karl VII. hoffte auf diese Weise, die Gunst des Volkes zurückzugewinnen. Am 7. Juli 1456 wurde das Urteil öffentlich bekannt gegeben: Das Mädchen wurde unschuldig hingerichtet und man räumte sogar ein, dass ihr Mut und ihre Tapferkeit bewundernswert gewesen seien.

Nach 450 Jahren wurde Jeanne d’Arc von Papst Pius X. selig und elf Jahre später, im Jahr 1920, von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. 

In dem biografisch-bibliografischen Kirchenlexikon steht geschrieben: »Die Jungfrau von Orléans war, wenngleich zu einem viel zu frühen Tod verdammt, angefüllt mit einem unbedingten Glauben an Gott und dem Bewusstsein der Göttlichkeit ihrer Sendung, ihr Leben war selbstlos und heroisch. Ihr Wesen erwies sich als großherzig und schlagfertig.« 

Der 30. Mai ist der Gedenktag an die tapfere Jeanne oder Johanna von Orléans.

Sie ist Schutzpatronin von Frankreich, Rouen und Orléans, für die Telegrafie und den Rundfunk.

Im 19. Jahrhundert wurde die Gestalt des heldenhaften Bauernmädchens zu einem Nationalmythos der Franzosen verklärt. Sie wurde zum Stoff von Romanen, Theaterstücken und Gesängen, die teilweise in die Weltliteratur eingingen. 

Da Jeanne sich selbst »la Pucelle« (»die Jungfrau«) nannte, nahm ihr Heimatort diese Bezeichnung in seinen Namen auf und nannte sich Domrémy-la-Pucelle. Ihr Geburtshaus ist erhalten, daneben ist ihr ein Museum gewidmet. 

An ihrer Hinrichtungsstätte in Rouen steht heute ein Denkmal, daneben eine 1979 eingeweihte und nach ihr benannte Kirche. 

Auch viele Historiengemälde verklärten sie, zum Beispiel von Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867), Paul Delaroche (1797–1856) oder Jules Eugène Lenepveu (1818–1898), der ihr im Pantheon einen ganzen Zyklus von Wandgemälden widmete.

Die Beliebtheit des Mythos erklärt sich daher, dass Jeanne von beiden Richtungen des stark zerstrittenen politischen Spektrums instrumentalisiert werden konnte: Während die katholischen Monarchisten ihre tiefe Frömmigkeit betonten und Parallelen zur Jungfrau Maria zogen, verwiesen die antiklerikalen liberalen Republikaner auf ihren Mut gegenüber der Obrigkeit, ihren Patriotismus und ihre Herkunft aus der Unterschicht. 

Während des Zweiten Weltkrieges figurierte sie als Symbolfigur des Widerstandes gegen die deutsche Besatzung, aber auch das Vichy-Regime und der Nationalsozialismus beriefen sich auf sie.

Seit 1945 wird Jeanne d’Arc wegen ihres Widerstands gegen die fremden Besatzer besonders von der extremen Rechten als Ikone verwendet; so begeht der Front National jährlich am 1. Mai in Paris einen eigenen Gedenktag für die Nationalheilige.

In der übrigen französischen Bevölkerung genießt sie zwar weiterhin eine gewisse Beliebtheit, ihr politischer Mythos ist aber weitgehend verblasst.

Am 21. März 2015 wird ihr zu Ehren im ehemaligen erzbischöflichen Palast von Rouen das neue »Historial Jeanne d’Arc« eröffnet. Auf einer Fläche von knapp 1.000 Quadratmetern auf fünf Etagen wird die Geschichte der Jungfrau von Orléans nacherzählt.


Quelle: wikipedia.org