Die römische Villa Borg

Foto: Alexander Spaet

Die Villa Borg befindet sich zwischen den Dörfern Borg und Oberleuken in der Gemeinde Perl und zählt zu den bekanntesten und größten römischen Villenanlagen im Saar-Mosel-Raum. Sie war ein Großgehöft in der Organi-sationsform einer »villa rustica« (röm-isches Landgut mit Hauptgebäude und mehr-eren Wirtschafts- und Nebengebäuden).

Die Geschichte der landwirtschaftlichen Siedlungsstätte begann in der späten Latène-zeit und reicht somit mindestens bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. Zurück und endet erst ca. 400 n.Chr. Danach ist an dieser Stelle nicht mehr gesiedelt worden; die Ruinen waren bis in die Gegenwart mit Wald bedeckt und sind noch in großem Umfang in der Erde erhalten geblieben. 

Das Gehöft, das schon in seiner keltischen Frühphase im Besitz einflussreicher und wohlhabender Agrarproduzenten gewesen sein dürfte, überdauerte also rund 500 Jahre. Seine Bauhistorie reflektiert folglich bedeutende geschichtliche Ereignisse, wie die Eroberung Galliens durch Julius Caesar (57–53 v. Chr.), die »Romanisierung« der Kelten, den Aufstieg Triers (Augusta Treverorum) im Römischen Reich und den Zerfall der römischen Herrschaft zur Zeit der Völkerwanderungen.

Auf spätkeltische Holzpfostenhäuser folgten zunächst frührömische Fachwerkbauten und ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. wurde Stein als Baumaterial für größere und repräsentativere Gebäude verwendet, die bis zum Wüstfallen der Siedlung um 400 n. Chr. mehrfach renoviert, ergänzt, umgebaut und zum Teil auch umgenutzt wurden. Die frühen Holzbauten konnten die Archäologen anhand von Erdverfärbungen unter den Steingebäuden nachweisen.

Bereits um 1900 wurde der römische Ursprung der unter Wald erhalten gebliebenen Überreste der Villa festgestellt. 1987 wurde mit systematischen Ausgrabungen in Teilbereichen des ehemaligen Siedlungsareals begonnen.

Die Untersuchungsergebnisse führten 1994 zu dem Beschluss, den herrschaftlichen Wohnbereich der »villa rustica« nach den Grabungsbefunden und dem damaligen Stand der Forschung über die römische Villenarchitektur so zu rekonstruieren, wie er zur Blütezeit der Villa Borg um 200 n. Chr. ausgesehen haben könnte.

Die Villenanlage erstreckte sich über eine Gesamtfläche von rund 7,5 ha. An den ca. 1,8 ha messenden herrschaftlichen Wohnteil des Gehöftes (»pars urbana«) schloss sich, durch eine Mauer und ein mächtiges Torhaus getrennt, der knapp 6 ha große Wirtschaftsteil (pars rustica) an, der ebenfalls von einer Mauer eingefasst war. 

Er war rund 400 in lang und 150 m breit und durch eine Toranlage von der westlich vorbeiführenden römischen Fernstraße Trier-Metz her zugänglich. An die Umfassungsmauer waren außen weitere 14 bisher noch nicht untersuchte Nebengebäude (Scheunen, Werkstätten, wohl auch Wohnhäuser) angebaut.

Quer zur Hauptachse der pars urbana liegt das zu Repräsentations- und Wohnzwecken genutzte Herrenhaus mit großzügigem Empfangssaal. 

Es bildet den Mitteltrakt eines dreiflügeligen Gebäudekomplexes. Die flankierenden Flügelbauten fügen sich zu einem Bade- und Küchentrakt (links des Herrenhauses) und einem Wohn- und Wirtschaftstrakt (auf der rechten Seite) zusammen. 

Zwischen den Seitenflügeln befindet sich heute ein von einer Holzbrücke überspanntes, fast 30 m langes Bassin mit Brunnenskulpturen. Aus dem großzügigen Freiraum innerhalb der pars urbana lässt sich schließen, dass die Villa über eine ausgedehnte Gartenanlage verfügt haben muss.

Der »Archäologiepark Römische Villa Borg« ist durch die Rekonstruktionen und die gärtnerische Gestaltung im römischen Stil zu einem Freilichtmuseum der besonderen Art geworden. 

Das archäologische Museum im Herrenhaus zeigt vorwiegend originale Exponate; neben diesen bezeugen antiken Vorlagen nachempfundene Möbel die römische Alltagswelt und spiegeln den Zeitgeist privilegierter Römer wider.

In einem Teil des Wohn- und Wirtschaftstrakts werden Informationen museal und multimedial präsentiert. Es wird nicht nur keltische und römische Geschichte des Saar-Mosel-Raumes vermittelt, sondern der Besucher kann Kultur und Leben der römischen Kaiserzeit mit allen Sinnen aufnehmen. 

Die Räume sind nach Grabungsbefunden ausgemalt und mit Mobiliar nach antiken Vorlagen ausgestattet. Vieles kann man selbst ausprobieren, unmittelbar erfahren. Der gegenüberliegende Gebäudetrakt beherbergt neben dem Villenbad auch eine Taverne, die römische Spezialitäten serviert, und eine funktionsfähig rekonstruierte »Römische Küche«, in der unter anderem Backvorführungen stattfinden.

Das Angebot reicht bis zu der Möglichkeit, nach antiken Rezepten in der römischen Küche zu kochen, römische Gerichte zu essen und in dem luxuriösen, voll funktionsfähig rekonstruierten Bad zu entspannen. 

Besonders eindrucksvoll lässt sich in Borg erleben, wie es den ehemaligen Bewohnern gelungen ist, sich ein Stück mediterraner Lebensart in den rauen Norden zu holen.

Darüber hinaus wird die Villa auch für Tagungen und Kongresse sowie als Schauplatz der »Römertage« genutzt, an denen Legionäre, Gladiatoren, Händler und Handwerker einmal im Jahr die Besucher in die Welt der Antike zurückversetzen. 

                   

Quelle: www.villa-borg.de