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Die Niederwürzbacher Schlösser

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts ließen sich die Grafen von der Leyen unter Marianne von der Leyen (1745-1804) nahe ihrer Residenz in Blieskastel insgesamt fünf kleine Schlösser bzw. Landhäuser als Sommersitz in einer ausgedehnten Parkanlage um den Niederwürzbacher  Weiher anlegen. 

Der Urheber dieser Planung ist bislang unbekannt, allerdings ist Hofbaumeister Peter Rehais in verschiedenen Rechnungen  belegt. In der Französischen Revolution wurde die Anlage 1792 zerstört.

Das Anwesen »Bon voisin« (1786-89), das Lustschloss »Monplaisir« und der »Annahof« überstanden die Kriege, während das Lustschloss »Bagatelle«  (1786-92) nebst dem großen »Schloss Philippsburg« verloren gingen. 

      

Der »Annahof« 

Der Annahof, auch »Runder Bau« genannt, wurde um 1788 für die Gräfin Marianne von der Leyen von ihrem Hofgärtner Simon Glattfelder als Ökonomiegut erbaut.

Einem zweigeschossigen, fünfachsigen Wohnbau mit Walmdach schließen sich halbrunde Wirtschaftstrakte an, sodass eine ovale Hofumbauung entsteht. Zwei viereckige, massive niedrige Türme mit  Zeltdächern flankieren die Hofeinfahrt. 

Die Türme an der Nordseite  entstammen einer Erweiterungsphase um 1920. Das Gebäude diente als Aufenthaltsort für Ausflüge und war nicht für längere Aufenthalte konzipiert. In den Seitenflügeln wurden Schweizer Kühe gehalten. 

Die eindrucksvolle Wirkung der Anlagen wird besonders deutlich, wenn man die  planmäßige Landschafts- und Gartengestaltung mit bedenkt, in die diese Bauten eingebunden waren.

So hatte man etwa beim Annahof eine künstliche  Ruine »das Altertum« errichtet. Zudem standen in der Nähe u.a. ein  »Chinesischer Turm« und ein »Türkenzelt«. Die Ausführung lag in den  Händen des Leyen'schen Hofgärtners Simon Glattfelder. 

         

»Roter Bau« 

»Schloss Monplaisir« (auch »Roter Bau« und »Maison Rouge«)  wurde als Landhaus der Gräfin Maria Anna 1785/86 durch Peter Reheis erbaut.

Der Gebäudekern beinhaltet eine bereits im Mittelalter bestehende Mühle. Die »Bel Étage« erhielt hierbei die Wohnung der Gräfin. 

Einem eingeschossigen, rot verputztem Wohnbau mit Mansarddach, schließen sich seitlich niedrigere Wirtschaftshöfe an. Die ganze Landhausanlage ist ein typisches Bei-spiel einer sogenannten separierten Anlage, d.h. die eingeschossigen Wirtschaftstrakte sind nicht miteinander verbunden. 

Sie fungieren als Flügelbauten, wodurch der  Innenhof dreiseitig umschlossen wird. Der östliche Flügel wurde erst  1829 in Anlehnung an den westlichen erbaut. 

        

»Philippsburg« 

Um 1782-1788 wurde Schloss Philippsburg als Gegenstück zur Philippsburg in Koblenz als Neu-Philippsburg errichtet. »Bauherr« und Namensgeber war der Erbgraf Philip von der Leyen (1766-1829). 

1788 war das Schloss in seiner Hauptanlage fertiggestellt. Die vielteiligen Gebäude unterschiedlicher Höhe erstreckten sich am Berghang hinter dem Weiher. Insgesamt gehörten »zwölf  Herrschafts-Oekonomien oder Lusthäuser« zur Philippsburg. 

Um 1792 wurde das Schloss durch französische Revolutions-truppen stark beschädigt. Die Ruine des Schlosses entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel für die Bevölkerung der Umgebung und erst im Laufe des 19. Jahrhunderts abgetragen. 

Die ausgedehnte Anlage ist jedoch in einer »Vedute« (italienisch veduta: ›Ansicht‹, ›Aussicht‹) ist in der bildenden Kunst (Malerei, Grafik) die wirklichkeitsgetreue Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes) von 1790 überliefert. Es war einer der bedeutendsten Bauten der frühen Neugotik des 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa.      

Erhalten hat sich lediglich das ehemalige Gesindehaus (heute Forsthaus), ein  außergewöhnlicher Bau mit gotischen Spitzbogenfenstern und den Resten  einer gotischen Dachbalustrade.