Waschhäuser des 18. bis 20. Jhdt.

Der Waschtag war im 18. Jahrhundert und noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein noch Schwerarbeit.

Waschhaus Sehndorf

War die Wäsche, die man lange ansammelte, zu Hause eingeweicht, wurde sie, bestreut mit heller Buchenasche, in einem großen Kessel erhitzt. Über Nacht stellte sich ein Verseifungsprozess ein.

Nun folgte die schwerste Arbeit: die Wäsche, oft unhandliches und schweres Leinen, musste an einen Bach oder in ein öffentliches Waschhaus gebracht werden, um dort zunächst mit einem Brett geklopft, dann mehrfach ausgespült und zuletzt ausgewrungen wurde.

Dass bei diesen Gelegenheiten auch ausführlich alle Neuigkeiten und Gerüchte aus dem Dorf und der Gegend beredet und Meinungen ausgetauscht wurden, lässt sich denken.

       

Lavoir

Als »Lavoir« werden im französischen Sprachraum öffentliche, meist überdachte Waschplätze bezeichnet. Im deutschen Sprachraum werden diese Waschplätze meist als »Waschhaus« bezeichnet.

     

Geschichte

Die Geschichte der überdachten Waschhäuser reicht – nach heutigem Kenntnisstand – nur bis in das 18. Jahrhundert zurück.

Waschbrunnen Oberwürzbach

Im Mittelalter und auch noch in der Zeit danach wuschen die Frauen die Wäsche auf Steinen an Bächen oder Flüssen.

Der Bau der Waschhäuser wurde im Regelfall aus der jeweiligen Gemeinde-kasse finanziert, denn das oft – nach der Auffassung von kirchlichen und behördlichen Autoritäten – allzu offenherzige und freizügige Verhalten der Waschfrauen sollte unterbunden oder zumindest hinter Mauern und tief herunter gezogenen Dächern versteckt werden.

       

Lage

Die an einem Bach oder an einem Fluss gelegenen Waschhäuser befanden sich – wie auch Gerbereien – in der Regel am Ortsausgang.

Da die Städte immer größer wurden, mussten aber auch innerstädtische Lavoirs geduldet werden. Einige Lavoirs befanden sich auch in unmittelbarer Nähe einer Quelle. Nur in seltenen Fällen wurden Lavoirs mittels Brunnen mit Wasser versorgt.

      

Funktion

Allen Lavoirs gemeinsam sind zwei oder mehr Waschplätze und die in das Becken geneigten Waschsteine, auf denen die Wäsche mit hölzernen Schlägern oder mit der Hand bearbeitet wurde – Bürsten waren zu dieser Zeit kaum in Gebrauch.

Waschbrunnen Oberwürzbach, Foto © EHaseler

Unterschiede bestehen vor allem in der Höhe der Waschsteine. So mussten die Wäscherinnen in vielen Lavoirs die Wäschestücke kniend waschen, während besser ausgestattete Waschhäuser die Arbeit im Stehen ermöglichten.

Da Männer in den Waschhäusern nicht zugelassen waren, boten die Waschhäuser – neben ihrer rein technischen Funktion – den Frauen einen ungestörten Ort für ihre Kommunikation, die allerdings auch nicht selten in Klatsch und Tratsch ausarten konnte – daher stammt der abwertende Vergleich »geschwätzig wie ein Waschweib«.

       

Bautypen

Die Außenwände der Waschhäuser konnten aus Stein gemauert oder aus Fachwerk errichtet sein; oft waren sie auch halboffen. Zur Überdachung der Waschhäuser verwandte man meist Holzkonstruktionen. Gemauerte Bögen waren die Ausnahme. Seit dem 19. Jahrhundert gab es – ähnlich wie bei den französischen Markthallen (halles) – auch gusseiserne Stützkonstruktionen.

     

Hygiene und Waschen

Das 18. und 19. Jahrhundert war durch mehrere Epidemien gekennzeichnet, welche oft durch Wasser schlechter Qualität verursacht wurden.

Waschhaus Rodemack

Wenn kein Brunnen vorhanden war, erfüllte manchmal eine auf dem freien Platz vor dem Haus stehende Tränke alle Funktionen. Hier holte man das Trinkwasser, man wusch die Wäsche, Mensch und Tier benutzten sie in gleicher Weise.

Dies alles begünstigte die Ausbreitung von Krankheiten. Deshalb wurden jenseits der Grenzen, vom französischen Staat ab 1789, nach der Einrichtung der Gemeinde-verwaltungen, entsprechende Gesetze zu erlassen, um Maßnahmen der öffentlichen Gesundheitspflege zu ergreifen.

Die französischen Abgeordneten beschlossen, »dass die Gemeinden verpflichtet sind, den Einwohnern gute Hygienebedingungen zu garantieren und dass es ihre Aufgabe ist, die notwendigen Einrichtungen zu schaffen«.

Es handelte sich dabei um eine wichtige politische Geste, die bewies, dass der Staat jetzt alle Bürger gleichermaßen berücksichtigte, selbst in den entlegensten ländlichen Gebieten. Während des 19. Jahrhunderts wurden diese Maßnahmen durch weitere Gesetzestexte ergänzt.

Im Laufe der Jahre bemühten sich auch bei uns die Bürgermeister darum, in ihrem Dorf die nötigen Einrichtungen für das Wohlergehen der Gemeinschaft zu schaffen. Die Bürgermeister erfüllten damit ihre Aufgabe als Politiker: Etwas Nützliches zu tun und zugleich das Erbe der Nation zu bereichern und weiterzuentwickeln.

          

Das Waschhaus im Stadtgefüge

Waschhaus Grevenmacher

Neben seiner Zweckfunktion ist das Waschhaus zusätzlich der Ausdruck einer nationalen Politik, deren lokale Entsprechung die Gemeinde bildet.

Dass alle Bürger von den Fortschritten der Wissenschaft (Hygiene), der Technik (Brunnenfassung, Bau) und des Komforts profitieren, ist dem politischen Willen zu verdanken.   

In den Dörfern des Mosellandes, die eine geschlossene Wohnsiedlung bilden, versucht man so weit wie möglich, dem Waschhaus eine zentrale Lage zu geben.

So war z.B. in Nennig in der Dorfmitte auf dem heutigen Marktplatz, in Sehndorf ist das historische Waschhaus noch heute erhalten.

Vor allem  in großen Ortschaften bei unseren Nachbarn in Frankreich nutzte man die Brunnenfassung für die Versorgung von Springbrunnen.

Diese verleihen den verschiedenen Stadtvierteln einen besonderen Akzent und werden als das Waschhaus selbst gesehen mit all seiner symbolischen Bedeutung.   

          

Das Waschhaus, Bereich der Frauen

An diesem Ort, an dem keine Männer anwesend sind, sprechen die Wäscherinnen unbefangen und vertrauen sich einander an. Sie diskutieren über alles - von den allgemeinsten Themen bis zu den intimsten Geheimnissen.

Plan eines Waschhauses aus dem Jahr 1811

Doch es ist nicht immer nötig, alles in Worte zu fassen. Flecken auf einem Betttuch, Risse in einem Kleidungsstück offenbaren unverblümt die Realitäten des Lebens.

Das Waschhaus bildet eine öffentliche Bühne, auf der sich diese Zeugnisse vor aller Augen darbieten. Rivalitäten und Eifersucht erhalten neue Nahrung aus den Bemerkungen über die Wäsche:

Ein zu prunkvoll bestickter Stoff, ein abgetragenes und geflicktes Gewand, die verschiedenen Verschmutzungen eines Kleidungs-stücks erzählen allerhand Geschichten und Begebenheiten - wenn man in der Lage ist, sie zu entschlüsseln.        

Und wer kann diese Zeichen besser deuten als eine andere Wäscherin? Keine Lüge, kein Ausweichen hilft da weiter. Der Klatsch verstummt nicht, die Streitereien gehen munter weiter, begleitet von einem den Umständen entsprechenden Vokabular.

Das Geschwätz der Waschweiber ist von einer sprichwörtlichen Vulgarität. Es kommt nicht selten vor, dass die Streitereien zu einer Schlägerei ausarten, bei der der Wäschebleuel eine neue Funktion erhält!

Doch das Waschhaus ist vor allem ein Ort, an dem man leidet:  die in der Nässe kniende Frau schlägt, bürstet und seift die Wäsche ein - und das stundenlang.        

Die Pflege der Wäsche ist eine echte Kraftprobe, die zu Krämpfen, Gliederschmerzen, Frostbeulen und Rissen in der Haut führt…