Denkmäler im Landkreis Merzig-Wadern 

Der Region kommt auch in vorgeschichtlicher Zeit eine kulturgeographische Bedeutung gerade als Bindeglied zwischen dem Rheinland und Zentralfrankreich zu. Erst für die Zeit gegen 1.000 v. Chr. sind Funde und Befunde in stattlicher Zahl vorhanden.

Für den riesigen Zeitraum zwischen Altsteinzeit und mittlerer Bronzezeit gibt es zwar etliche Belege, aber kaum umfang- und aufschlussreiche Befunde.

Erwähnenswert sind eine kleine Gräbergruppe der Kupferzeit (Glockenbecherkultur) bei Sehndorf, ein mittelbronzezeitlicher Hortfund mit zahlreichen Bronzebeilen aus Tünsdorfein und Grabhügel der Mittelbronzezeit bei Nunkirchen. Auf Grund von Einzelfunden erscheint sicher, dass der Raum seit der Altsteinzeit durchgehend besiedelt war.

Ab der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr. lassen sich für alle Epochen Funde und vor allem auch Befunde (Gräber, Siedlungsreste) aus dem Landkreis Merzig-Wadern anführen.

Aus der späten Bronzezeit (Urnenfelderzeit) sind mehrere der typischen Flachgräberfelder mit Brandbestattungen bekannt (Ballern, Faha, und Losheim). Hausgrundrisse dieser Zeit fehlen noch, aber etliche Siedlungsgruben konnten schon ausgegraben werden.

Auf den Höhen des Hochwaldes, beispielsweise in Losheim und in Weiskirchen, finden sich viele Gräber der frühkeltischen Eisenzeit (ca. 6.-4. Jahrhundert v. Chr.). Sie sind von Hügeln überdeckt.

Rund 200 Grabhügel, überwiegend aus der Eisenzeit, sind Landkreis Merzig-Wadern erhalten. Sie bilden oft Gruppen, deren größte Gruppe 21 Hügel umfasst.

Die zugehörigen Siedlungen sind dagegen bisher nur ganz unzureichend bekannt. Wichtig ist die Höhenbefestigung auf dem Bergrücken bei der Burg Montclair bei Mettlach. Das lang gestreckte Bergplateau wurde durch eine Holz-Steine-Erde-Mauer mit vorgelagertem Graben abgeriegelt.

Nur 3 km davon entfernt ist einer der bedeutendsten Funde des Landkreises Merzig-Wadern zu Tage gekommen: Das keltische Fürstengrab von Besseringen.

Der Verdacht liegt nahe, dass dort ein Herr bzw. eine Herrin der Bergfestung auf dem Montclair bestattet war.

Herausragende Grabbeigabe ist ein goldener Halsring, hinzu kommen u.a. ein Wagen und eine aus Etrurien importierte Weinkanne. Das Grab gehört in das 5. Jahrhundert v. Chr.

Ihm lässt sich eine Gräbergruppe aus Weiskirchen zur Seite stellen, die dem gleichen sozialen Milieu zuzuweisen ist.

Goldschmuck, Importstücke aus dem Mittelmeerraum und sehr qualitätvoll im Latènestil verzierte Objekte gehören zu dem Besten, was die frühkeltische Kultur zu bieten hat.

In frühlatènezeitlichen Prunkbestattungen dieser Art äußert sich eine starke soziale Differenzierung, die – allerdings im Kreis Merzig-Wadern bisher noch nicht belegt – bereits in der vorhergehenden Hallstattzeit (8.-6. Jahrhundert v. Chr.) einsetzt.

Weniger spektakulär sind die Funde und Befunde der folgenden Mittel- und Spätlatènezeit. Siedlungsbefunde fehlen immer noch weitgehend; die typische Bestattungsform sind Brandgräber ohne Überhügelung, beispielsweise aus Perl, Oberleuken oder Lockweiler.

Mit der römischen Eroberung des Landes kommt ein Prozess der »Romanisierung« in Gang, der sich im Kreis Merzig-Wadern am besten an der römischen Villa Borg fassen lässt.

Dort gibt es eine spätkeltische Vorgängerbebauung aus Holz, die später abgelöst wird durch ein römisches Holzgebäude, das wiederum durch ein römisches Steingebäude ersetzt wird.

Das Gräberfeld von Beckingen, wie auch die beiden Tumuli von Nennig (leider ist nur noch ein Tumulus erhalten, der andere wurde eingeebnet)sind von der spätkeltischen bis in die römische Zeit belegt, was auf Bevölkerungskontinuität deutet.

In römischer Zeit ist das Land recht gleichmäßig überzogen mit einzeln stehenden landwirtschaftlichen Betrieben. Diese villae rusticae bilden ein dichtes Netz, das ergänzt wird durch größere Marktorte (vici), von denen allerdings keiner im Kreis Merzig liegt (z.B. Dillingen-Pachten, Lkr. Saarlouis).

Unter den Villen gibt es luxuriös ausgestattete Großanlagen, wie Borg mit einer Längenausdehnung von fast 500 m, die palastartige Villa von Nennig und die durch gut erhaltene figürliche Wandmalerei herausra-gendeVilla von Mechern.

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die Reste einer römischen Villa in Sehndorf, welche 1996 im Flurstück »Auf der Schlimmfuhr« unterhalb des Sehndorfer Waldes ans Tageslicht kamen.

Die Gräber lagen in der Römerzeit nur wenige hundert Meter von der Wohnstätte entfernt in kleinen Friedhofsarealen. Es sind nicht überhügelte Brandbestattungen.

Besonders aufwändige Grabmonumente römischer Zeit sind mit den mächtigen Grabhügeln in Nennig und Oberlöstern vertreten, wenn auch zu vermuten ist, dass die Grabhügeln in Nennig zur Römerzeit  bereits mehrere hundert Jahre alt waren.

Der Übergang von der römischen Zeit zum Frühen Mittelalter ist archäologisch nur ansatzweise fassbar. Neben Resten der neu eingewanderten Germanen gab es starke Reste einer romanischen Bevölkerung. Die römische Villa in Nennig lässt eine spätrömische und frühmittelalterliche Nutzung für Wohnzwecke erkennen.

Ein ruinöser Teil des Villenareals diente im frühen Mittelalter zudem als Bestattungsareal. In einem Seitenflügel der Villa wurde unter Einbeziehung römischen Mauerwerks eine Kirche errichtet.

Alles deutet in Nennig auf eine Kontinuität zwischen Spätantike und frühem Mittelalter hin, getragen von einer romanischen Bevölkerung.

Bestattungen von Romanen sind meist beigabenlose Körpergräber. Davon sind germanische Reihengräber-felder zu unterscheiden, die seit dem späten 5. Jahrhundert angelegt wurden.

Diese Dorffriedhöfe umfassen Körpergräber, die - ähnlich wie heute üblich - dicht nebeneinander angelegt sind. Recht häufig wurden die Toten mit Beigaben ausgestattet, die Männer mit Waffen, die Frauen mit Schmuck.

Es sind zahlreiche Reihengräberfelder bekannt, jedoch nicht in größerem Umfang ausgegraben, so in Losheim, Oberleuken und Merzig. Siedlungen sind noch gar nicht untersucht worden.

Frühmittelalterliche Burganlagen sind die sog. »Motten«, von einem Ringgraben eingefasste Turmbefestigungen, die auf einem künstlichen Hügel angelegt sind bzw. gegen die eine Böschung aufgeschüttet war. Ruinen solcher Burgen kennen wir u.a. vom Montclair bei Mettlach und aus Faha.

Die herausragendsten baulichen Zeugnisse des Mittelalters bis zum 19. Jahrhundert sind überwiegend mit den damaligen Machtzentren verbunden:

Der Alte Turm mit seinem romantischen Landschaftspark der Benediktiner-abtei in Mettlach oder die Komturei des Deutschherrenordens in Beckingen, von der sich einige Wirtschaftsgebäude erhalten haben.

                                    

Quelle: Landesdenkmalamt Saarland