Ortsgeschichte

Der Name Wasserliesch, genauer der Wortteil »Liesch«, ist vermutlich keltischen Ursprungs, denn vor der Zeitenwende siedelten hier die Treverer, einer der vielen Keltenstämme.

Die Römer, die Wasserliesch ebenfalls besiedelten, nannten den Ort »Lutiacum«, »Lusica« oder ähnlich. Das Wort »Liesch« ist auch eine Bezeichnung für Riedgras.

Darüber hinaus kennt der Botaniker das Wort »Wasserliesch« als Name für die Blumenbinse oder Schwanenblume (Butomus umbellatus).

In alten Urkunden findet man die Namensvarianten Lusichic, Luische, Luysch, Lursch, Lyasch und ähnliche. Sie standen immer für zwei Orte, nämlich für »Liesch am Wasser«, an der Mosel, und für »Lyasch uff dem Berg« – Liesch auf dem Berg.

Zur besseren Unterscheidung der beiden Orte und wohl auch wegen der einfacheren Schreibweise fasste man seit dem 14. Jahrhundert die Namensteile zu je einem Wort zusammen, nämlich zu »Wasserliesch« und »Liersberg«. Der kleinere Ort »Liersberg« liegt über die Mosel hinweg auf der Höhe des »Igeler Berges« und gehört zur Nachbargemeinde Igel.

Wasserliesch gab auch dem Liescher Berg, an dessen Nordostflanke der Ort liegt, seinen Namen. Verschiedene Namensformen, wie Lieschem, Lürschem, Linschem oder zuletzt Löschem lassen erkennen, dass der Name des Berges dem Wandel des Ortsnamens stets nachfolgte.

Im Volksmund hat sich der ältere Name »Löschem« bis heute erhalten: Einheimische nennen den »Liescher Berg« immer noch »Löschemer Berg«. Daher trägt auch die auf dem Berg stehende Wallfahrtskapelle den Namen »Löschemer Kapelle«.

Den Ortsteil »Reinig«, wegen der hier vor-handenen Furt durch die Mosel eher älter als Wasserliesch, nannte man früher Rinnich, Riniche oder Reynich. Der Name dürfte ebenfalls keltischen Ursprungs sein. Die Römer machten daraus »Rinicha«.

           

Die Bewohner von Wasserliesch

In den vergangenen Jahrhunderten kam dem heimischen Handwerk in Wasserliesch und Reinig große Bedeutung zu. Müller, Schmiede, Schreiner, Weber, später auch Bäcker und Metzger, Fuhrleute, Schiffsleute und nicht zuletzt Bauhandwerker, wie Maurer und Verputzer, versorgten die überwiegend bäuerlich geprägte Bevölkerung mit ihren Produkten und Dienstleistungen.

Wegen des natürlichen Vorkommens von Sand- und Kalkstein spielten Kalkbrenner, Steinbrecher und Steinmetze lange Zeit, Letztere noch bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges, eine besondere Rolle.

Noch heute kann man am Liescher Berg an vielen Stellen die ehemaligen Kalk- und Buntsandsteinbrüche erkennen. Die in Wasserliesch gebrochenen und wegen ihrer Härte geschätzten Sandsteine sind sogar nach 1842 zum Weiterbau des Kölner Domes verwendet worden. Der Transport dorthin mit dem Schiff dürfte über Mosel und Rhein stromabwärts kein großes Problem gewesen sein.

Im 20. Jahrhundert hat sich die Bevölkerungsstruktur hinsichtlich der ausgeübten Berufe deutlich gewandelt. Neben Landwirtschaft und Weinbau fanden nach dem Bau der Eisenbahnen beiderseits der Mosel und an der Saar Ende des 19. Jahrhunderts bis lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges immer mehr Einwohner bei der Eisenbahn Arbeit und Brot.

Sichere Arbeitsstellen boten insbesondere die damaligen Ausbesserungswerke in Trier und Konz und andere heute nicht mehr bestehende Einrichtungen der Bahn. Wasserliesch galt daher lange Zeit als »Eisenbahnerdorf«.

Heute ist das anders. Dennoch ist Wasserliesch nach wie vor beliebter Wohnort für Bürger, die als Berufspendler die unterschiedlichsten Berufe ausüben und ihre Arbeitsstellen im Raum Trier, in Konz und im benachbarten Luxemburg gefunden haben.

In Wasserliesch spricht man die moselfränkische Mundart, eine Dialektgruppe des Mittelfränkischen. Moselfränkisch wird außer an der Mosel in großen Teilen von Rheinland-Pfalz, in Luxemburg und im nördlichen Saarland gesprochen.        

Die Dialekte der einzelnen Dörfer und Städte, die im Detail deutliche Unterschiede aufweisen, vermischen sich zunehmend miteinander und auch mit dem Standard-Deutschen, so dass die moselfränkische Mundart, insbesondere die unterschiedliche Ausdrucksweise in den einzelnen Orten, immer mehr verschwindet und einem kaum noch definierbaren »Sprach-gemisch« weicht. 


Ein Ort mit 1.000-jähriger Geschichte?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren »Nein« beantworten!

Wasserliesch ist nachweislich schon sehr viel älter - fast doppelt so alt!

Im Jahr 1975 feierte Wasserliesch sein tausendjähriges Bestehen. In einem Güterverzeichnis des Trierer Klosters St. Martin, das man nach längeren Recherchen in den Archiven fand, sind die Orte »luische et riniche« – (Wasser-)Liesch und Reinig – als zum Besitz des Klosters gehörend aufgeführt. Seitdem gilt das Jahr 975 als Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung von Wasserliesch.

Tatsächlich ist Wasserliesch als Siedlungsort wesentlich älter als tausend Jahre. Funde belegen, dass das Moseltal in Wasserliesch und Umgebung schon während der Jungsteinzeit besiedelt war. 

So fand man nahe dem Nachbarort Oberbillig Reste einer bandkeramischen Ansiedlung. Ebenso belegen Gegenstände aus der Bronzezeit, nämlich die in der Nachbarstadt Konz und deren Stadtteil Könen gefundenen Gussformen und Bronzebeile sowie eine bronzene Sichel, dass hier schon lange vor den Römern Menschen gesiedelt haben müssen. 

Ähnliches gilt für die historischen Verkehrswege. Reste der von den Römern gebauten Fernstraße von Metz über Thionville, Tawern und Konz nach Trier sind auf der Gemarkung Wasserliesch erhalten geblieben. Von dieser Straße könnte es eine Abzweigung gegeben haben, die zur Moselfähre im Ortsteil Reinig oder der wenige Meter flussaufwärts gelegenen Furt führte.

Zur Zeitenwende bewohnten die Treverer das Trierer Land, zu dem auch die Bewohner von Wasserliesch und Reinig gehören. Als einer der zahlreichen Keltenstämme hatten sich die Treverer zwischen Maas und Rhein verbreitet. Um 1200 v. Chr. besiedelten sie das Eifel-Mosel-Gebiet. Ihre Hauptstadt war Trier, das spätere »Augusta Treverorum« (»Die Augustusstadt der Treverer«), das »Römische Trier«, das der römische Kaiser Augustus nach der Eroberung dieser Gegend im Jahre 10 v. Chr. gründete.

Die Treverer waren ein kriegerischer Volksstamm, der sich nur sehr widerwillig der römischen Herrschaft unterordnete. Der legendäre römische Feldherr und spätere römische Kaiser Gaius Julius Caesar erwähnt die Teverer in seinem Werk »De bello Gallico« (Über den gallischen Krieg). Dieser Krieg dauerte von 58 vor bis 51 n. Chr. fast 100 Jahre lang an. Während dieser Zeit kam es in den Jahren 30/29 v. Chr. zu einem großen Aufstand gegen die römische Herrschaft, den der römische Feldherr Nonius Gallius niederschlug.

Einen weiteren fehlgeschlagenen Aufstand lieferten die Treverer den Römern im Jahre 21 n. Chr. Danach wehrten sie sich noch einmal mit dem ebenfalls in die Geschichte eingegangenen »Bataveraufstand« in den Jahren 68 bis 70 n. Chr.

Erst danach hatten die Römer die Treverer endgültig besiegt und in ihr Reich eingegliedert.