Die Mühle am Niederwürzbacher Weiher

Wer den Würzbacher Weiher mit seiner Mühle vor mehr als 660 Jahren angelegt hat, ist bis heute unbekannt. Es gibt darüber weder eine Urkunde noch eine schriftliche Aufzeichnung.

Wahrscheinlich führten wirtschaftliche Gründe zur Anlage des Weihers: Wasser als Energielieferant zum Betrieb einer Mühle, Nutzung als Fischgewässer zur Nahrungsgewinnung.

Man darf annehmen, dass der Erbauer eine Mahlmühle mit »oberschlächtigem Mühlrad« an der Nordseite des Weiherdammes errichtete. Bei dieser Mühlradtechnik fließt das Wasser über eine Rinne von oben in die Radkammern und sorgt so mit seinem Gewicht für die beste Ausnutzung der Wasserkraft.

Probleme wie bei den meisten Mühlen in dieser Zeit, wo für ein »unterschlächtiges Mühlrad« im Sommer (Trockenheit) oder Winter (Eis) meist zu wenig Wasser floss, kannte die die Würzbacher Mühle nicht.

Zum ersten Mal wird der Weiher in einem Kaufbrief aus dem Jahre 1362 erwähnt. Darin heißt es»Zu Würzbach aber hatte der Graf von Veldenz dem Heinrich von Winstingen den Rückerswog mit der Mühle abgekauft« (Kreis-archiv Speyer). 

Der Graf Heinrich der II. von Veldenz war zu dieser Zeit trierischer Amtmann in Blieskastel.

Im Jahre 1542 gibt Anstet von Bitsch (die Herren von Bitsch hatten Besitzteile im kurtrierischen Herrschaftsbereich Blieskastel) seine Mühle zu Würzbach den beiden Müllern Beltz Jacob und Lorentz von Lautzkirchen in Erbbestand »gegen einen jährlichen Zins von 4 fl. zu je 26 Räder Weißpfennig, zahlbar an Martini, dem Meier von Fechingen«.

Die Würzbacher Mühle war dann wohl längere Zeit im Erbbestand der Familie Beltz. Im »Unterthanenverzeichnis« aus dem Jahre 1598  heißt es nämlich:  Peter Jakoc Beltz, Herrich Beltz und Nicolaus der Beltzmüller.

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Mühle dann  aufgegeben und verfiel mit der Zeit. Im Jahre 1680 schrieb der Blieskasteler Amtmann dass alle Mühlen leer stehen, ausgeplündert oder auch zerstört oder verbrannt seien. 

Die Würzbacher Mühle muss aber den Reunionskrieg Ludwig XIV. (zwischen 1676/77) mehr oder weniger gut überstanden haben. In einer Aufzeichnung vom 24.5.1682 wird nämlich eine ›Maria Fih‹ die Frau des Müllers in Niederwürzbach erwähnt.

In der Folgezeit wechselten die Besitzer der Mühle mehrmals. Fünf Tage vor Weihnachten 1773 schenkte der Reichsgraf Franz Karl von der Leyen die Mühle und auch den Weiher seiner Gemahlin Maria Anna geb. von Dahlberg.

13 Jahre später, im Jahre 1786 wurde die Mühle dann an Johannes Hauck auf Lebenszeit verpachtet.

1793 durchzogen französische Revolutionstruppen die Bliesgegend. Sie besetzten das leyen'sche Gebiet und stellten es unter Zwangsverwaltung. Die Soldaten besetzten auch die Mühle und zerstörten sie.

Die Gräfin Marianne floh am 15. Mai als Bäuerin verkleidet aus Blieskastel. 1804 verstarb sie in Frankfurt.

Seit dem  2. Dezember 1804 regierte Napoleon Frankreich als Kaiser. Auf seinen Bescheid hin wurde im Juni 1804 die Zwangsverwaltung des leyen'schen Besitzes aufgehoben.

Graf Philipp wurde 1806 von Kaiser Napoleon in den Adelsstand erhoben, nachdem er dem Rheinbund beigetreten war.

Privatsekretär des Grafen Philipp war Johann Jakob Schaller. Er kaufte am 2. September 1807 unter anderem die Niederwürzbacher Mühle, »Mon Plaisir« und den großen Neuweiher.

Damit hatte die Mühle nun wieder einen neuen Besitzer, den Johann Jakob Schaller. Seitdem hieß die Mühle »Schallersche Mühle«.

Nach seinem Tode 1828 übernahm seine Frau neben den anderen Besitzungen ihres verstorbenen Mannes auch die Mühle. 1844 verteilte sie diese dann an ihre Kinder. Ihr Sohn Adolf erhielt die Mühle. Dieser verkaufte sie Jahre später dem Müller Bär.

Im Jahre 1886 brach in der Mühle ein Brand aus und zerstörte sie. Sie wurde aber bald wieder vom Müller Bär aufgebaut, dabei um ein Stockwerk erhöht und weiter als Mühle verwendet.

1902 kauft der Gerber Kuster den Weiher und die Mühle und ließ sie als Gerberei umbauen. Diese wurde aber nicht in Betrieb genommen.

Kuster schickte seinen einzigen Sohn nach Amerika. Er sollte dort »moderne, neuzeitlichen Methoden und Techniken der Gerberei« erlernen. Aber er verstarb plötzlich.

Kuster verkaufte daraufhin die Mühle mit dem Weiher an die Brüder Emil und Max Zixt aus Saarbrücken als Landbesitz. Sie erwählten die Mühle zu ihrem Wohnsitz.

1915 kaufte Rudolf Kröll, er war Generaldirektor der ›Völklinger Eisenwerke‹, den Weiher und die Mühle. Den Weiher gab er an die Familie Rexroth auf Gut Junkerwald. Die Mühle ging an eine Gesellschaft, die hier Dörrgemüse und Kraftfutter herstellte.

Schon ein paar Jahre später löste sich die Gesellschaft auf. Rexroth übernahm nun alles und richtete im Mühlengebäude eine chemische Fabrik eine »Fabrique chimique de Würzbach«. Sie bestand von 1922 bis 1935 und stellte Farben und Chemikalien her.

1935 kaufte die Gemeinde das Mühlengebäude. 1937 wurde eine Schuhfabrik (Schuhhaus Ipser, St. Ingbert) darin eingerichtet.

1945, nach dem Ende des 2. Weltkrieges, herrschte im Ort Wohnungsnot. Der Antrag eines Müllers auf Wiederinbetriebnahme der Mühle wurde deshalb von der Gemeinde abgelehnt. Das Mühlengebäude wurde als Wohnraum verwendet.

In der ersten Hälfte der 1960er Jahre wurde das Mühlengebäude abgerissen und der Platz eingeebnet. Dieses »Ereignis« wurde damals von der Volksschule Oberwürzbach als Anlass genommen, einen Wandertag zur Mühle am Niederwürzbacher Weiher durchzuführen.


Quelle: niederwürzbach.com