Beschreibung der ›Igeler Säule‹

Ansichten der Igeler Säule

Igeler Säule, Ansicht von 1676

Die Gesamthöhe beträgt 23 Meter. Sie hat folgenden Aufbau:

  • Basis (Stufen),
  • Sockel,
  • Hauptteil,
  • Fries,
  • Attika,
  • Giebel (Dreieck).
  • Über dem Giebel erhebt sich ein vier Meter hohes Schuppendach.
  • Den Abschluss bildet eine 3,5 Meter hohe Bekrönungsgruppe, die aus einem eiförmigen Pinienzapfen mit vier Köpfen bestand. Diese rahmten ursprünglich eine Darstellung der Entführung des Ganymed durch den Adler des Jupiter ein.

Beschreibung:

Die Hauptseite - nach Süden gerichtet - weist folgende Bilder aus:

  • Sockel: Tuchladen
  • Hauptbild: Familienbild der Secundinier
  • Attika: Tuchprobe
  • Giebelbild: Hylas und Nymphen

Das Familienbild der Secundinier (das Hauptbild  der Säule) ist wohl das Schlüsselbild zum gesamten Verständnis des Monuments. Die Inschrift sagt einiges über die Lebenden und Verstorbenen der Familie aus:

 

Hauptbild der Igeler Säle

Dem PUBLIUS AELIUS (?) Secundinus, ihrem Vater,

ehemaligen kaiserlichen Veteran-Freiwilligen, dem Sec..

und..., Söhnen des Secundinus Securus, der Publia Pacata,

der Gemahlin des Secundinus Aventinus, schließlich dem

Lucius Saccius Modestus und seinem Sohn Modestius

Macedo haben die Lucier Secundinius Aventinus und

Secundinius Securus als ihren verstorbenen Anverwandten

und für sich selber, um es zu ihren Lebzeiten schon zu

besitzen, (dieses Denkmal) errichten lassen.

(Inschrift des Hauptbildes nach Dragendorf-Krüger, 1924)

                       

Das Hauptrelief zeigt den Abschied des zweiten Sohnes von seinem Vater »Securus« und dessen Bruder »Aventinus«.

Darüber sind in Medaillons die Ahnen »Publia Pacata«, die Frau des Aventinus, links der Vater und rechts der früh verstorbene Sohn des Securus zu sehen. Der Tod des zweiten Sohnes wird wohl auch der unmittelbare Anlass zur Errichtung des Grabmals gewesen sein.

Die drei anderen Seiten des Hauptgeschosses zeigen mythologische Darstellungen:

  • Himmelfahrt des Herkules (N)
  • Perseus und Andromeda (W)
  • Achilles (O)

Drei der vier schmalen Friese der Igeler Säule zeigen Szenen aus dem häuslichen Leben der Secundinier. Dazu gehört die relativ gut erhaltene»Küchenszene«. Hier bereiten Diener an einem Tisch und einem Herd Speisen zu. Dieses Bild zählt zu den schönsten derartigen Darstellungen der römischen Kunst.

Das ebenfalls gut erhaltene »Familienmahl« zeigt im Zentrum vermutlich die Secundinier selbst bei einer Mahlzeit.

Links bereiten an einem Schenktisch zwei Diener den Wein zum Servieren vor. Rechts wird das abgetragene Geschirr abgewaschen.

Der Fries an der Westseite zeigt Landpächter, die ihre Pacht in Naturalien abliefern, u.a. einen Hasen, zwei Fische, ein Lamm, einen Hahn und Früchte.

Die Secundinier, die ihr Land verpachteten, erhielten dafür als Pachtzins Geld, Naturalien oder Fertigwaren. Dazu zählte vor allem Tuch, das die Pächter -vielfach Schafzüchter- in Heimarbeit herstellten.

Die »Kontorszene« zeigt die Geldabgabe der Pächter. Bei der »Tuchprobe« wird Tuch abgeliefert, geprüft und registriert. Diese Tücher wurden entweder im eigenen Laden verkauft oder zum Weitertransport in entfernte Gebiete vorbereitet.

Mehrere Reliefs haben diese Warentransporte zum Inhalt. Ein von drei Pferden oder Maultieren gezogener vierrädriger Lastwagen hat einen riesigen Tuchballen als Ladung. Der auf der Nordseite befindliche Fries zeigt einen Warentransport mit Packpferden über ein Gebirge.

Auf 2 Stufenreliefs der Igeler Säule sind »Treidelsszenen« abgebildet, wobei mit Stoffballen beladene Schiffe von Menschen gezogen werden.

Die Igeler Säule wird häufig auch als »römischer Meilenstein« bezeichnet. Grund dafür ist eine Enttfernungsangabe zur Stadt Trier.

Der römische Reisewagen auf der Westseite der Igeler Säule passiert gerade einen Meilenstein mit der Angabe »4 Leugen« (ca. 9 km) nach Trier. (siehe hierzu auch »Römerstraßen«)

Die römische Verwaltung hat um 200 n. Chr. die Leuga (ca. 2,2 km) - das landesübliche Wegemaß - statt der römischen Meile (1,5 km) übernommen.

Obwohl die Igeler Säule ein Grabpfeiler ist, wurden keine Reste von Bestatteten hier gefunden. Man nahm deshalb bisher an, dass die Toten an anderer Stelle beerdigt worden waren. Bei den Restaurierungsarbeiten 1985/86 wurde aber im Sockel an der Westseite eine etwa zwei Meter breite, zwei Meter tiefe und zwei Meter hohe Gruft freigelegt, die von ihrer Anlage her durchaus zur Aufnahme von Urnen gedacht gewesen sein können. 

                   

Restaurierungsarbeiten

Seine Erhaltung verdankt das Grabmal einer mittelalterlichen Legende, wonach das Hauptbild auf der Südseite als Vermählung des Constantius Chlorus mit der Heiligen Helena, der Mutter Konstantins des Großen, interpretiert wurde. Durch diese Interpretation genoss das Monument den Schutz der katholischen Kirche.

Die Jahrhunderte sind aber nicht spurlos an dem Monument vorübergegangen. Das Baudenkmal ist aus heimischen Buntsandstein errichtet, ein relativ weiches Material, das -atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt- ganz erhebliche Verwitterungsspuren zeigt.

Die wegen ihrer Reliefvielfalt lange Zeit rätselhafte Igeler Säule war seit frühester Zeit Gegenstand von schriftlichen und bildlichen Darstellungen.

Eine der ältesten Zeichnungen ziert als Hauptbild die Karte von A. Mercator aus den Jahre 1567. Es ist schon bemerkenswert, dass Mercator hierfür gerade die Igeler Säule erwählte, zumal ihm doch sicherlich die römischen Bauwerke Triers sehr bekannt waren.

Auch bekannte Schriftsteller und Dichter haben über dieses römische Monument immer wieder berichtet. Als Beispiel sein ein Ausschnitt aus der Beschreibung von Johann Wolfgang Goethe aus dem Jahre 1792 zitiert:

»...Doch ein herrlicher Sonnenblick belebte soeben die Gegend, als mir das Monument von Igel wie der Leuchtturm einem nächtlich Schiffenden entgegen glänzte. Vielleicht war die Macht des Altertums nie so gefühlt als an diesem Kontrast: Einem Monument, zwar aus kriegerischen Zeiten, aber glücklicher siegreicher Tage und eines dauernden Wohlbefindens rühriger Menschen in dieser Gegend. ...«

(aus: Johann Wolfgang von Goethe: Campagne in Frankreich, 22. Oktober 1792)

Goethe erhob in seinem Tagebuch die Forderung, das Denkmal genau zu vermessen und die Reliefs darzustellen. Dies geschah im Jahre 1829, als im Auftrag der Sayner Hütte die Ingenieure Osterwald und Zumpft die Vermessung durchführten und die Form für Abgüsse eines verkleinerten Modells herstellten. Ein Exemplar davon wurde Goethe zum Geschenk gemacht, der daraufhin - 38 Jahre nachdem er die Igeler Säule gesehen hatte - eine ausführliche Beschreibung des Reliefs verfasste.

            

Anmerkung:

Die Igeler Säule ist ein einzigartiges Monument und zählt zu den wertvollsten Baudenkmälern der römischen Geschichte. Dies ist inzwischen weltweit anerkannt. Im November 1986 wurde die Igeler Säue zusammen mit den wichtigsten römischen Baudenkmälern der Stadt Trier auf die Liste »Erbe der Welt« der UNESCO gesetzt. 


Quellen: gemeinde-igel.de, wikipedia.org