Kloster Gräfinthal

Eine Pilgerstation auf dem Jakobsweg von Hornbach nach Metz

Gräfinthal im 18. Jhdt.

Die Gründung des Klosters erfolgte nach dem Chronisten Dom Calmet im Jahre 1243. Es ist eine Stiftung der Gräfin Elisabeth von Blieskastel.

Diese wurde der Legende nach durch ein Gebet vor dem Gnadenbild eines Einsiedlers (s. Blieskastel und sein Gnadenbild) geheilt und gründete aus Dankbarkeit das Kloster. 1273 wurde sie dort beerdigt, die mittelalterliche Tumba mit einer liegenden Frauengestalt befindet sich noch heute in der Kapelle.

Frater Friedrich Schaal O. St. Guil berichtet darüber: »das Kloster und die Kirche in dem Thal und Grund erbawet, hat die Grävin das miraculos Bild von dem Eychbaum dahin transferieren lassen und verordnet, daß durch die Geistlichen S. Wilhelmi-Ordinis das Lob Gottes sollen vollbracht werden.«(H.J. Becker, Heimatbuch des Kreises St.Ingbert, S.119, 1954). 

Der Wilhelmitenorden, gegründet von Schülern des Hl. Wilhelm von Malevalle (Toskana), gründete von Gräfinthal aus Ende des 13. Jahrhunderts das Priorat Marienthal bei Hagenau im Elsass, das bis heute ein großer Wallfahrtsort ist.

Die Klosteranlage wurde im Laufe von 600 Jahren wiederholt zerstört und beschädigt. Eine letzte Blüte und sein Ende erlebte das Kloster dann zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Förderer war der in Zweibrücken residierende ehemalige polnische König, der spätere Herzog von Lothringen, Stanislaus Lescynski (1677-1766), welcher u.a. auch Namesgeber des »Place Stanislas« in Nancy ist und welcher die Stadt Nancy wesentlich geprägt hat.

Er ließ 1717 seine verstorbene Tochter Anna (1699-1717) in der Klosterkirche beisetzen. Bei jüngsten archäologischen Grabungen wurde diese Grablege vermutlich gefunden. Auch die 2. Tochter des polnischen Königspaares, Maria Lescynska (1703-1768), durch die Heirat mit Ludwig XV. Königin von Frankreich, hatte eine besondere Zuneigung zu dem Kloster und besuchte es öfter.

           

Gräfinthal im 18. Jahrhundert

1785 wurde dann der Konvent auf eigene Wunsch aufgelöst, in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt und siedelte mit der »Pfeilenmadonna« (Blieskastel und sein Gnadenbild) nach Blieskastel über. Die leerstehenden Klostergebäude zerfielen nach und nach.

Das Kloster Gräfinthal war, wie das benachbarte Kloster Wörschweiler, ein Zentrum des mittelalterlichen Weinbaues im Bliestal. August Becker stellte in seinem Buch »Die Pfalz und die Pfälzer«  - das Gebiet gehörte bekanntlich zur bayerischen Rheinprovinz - fest, dass: »der Muttergotteswein, der auf den Hängen und um die Ruine des Klosters Gräfinthal gedeihe, der beste unter den Bliesweinen sei.«

Am 11. Juli 1993 wurde das Kloster wieder von Benediktinern auf Bitten des Bischofs von Speyer bezogen. Nach über 200 Jahren kehrte somit wieder monastisches Leben in das Letschenbachtal zurück.

       

Die Klosterruine in Gräfinthal

Im Pfarrhaus Gräfinthal fand im Herbst 1952 ein geheimes Treffen zwischen dem damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (CVP) mit dem Beauftragten des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, Professor Adolf Süsterhenn, statt. Man garantierte dabei Johannes Hoffmann das Amt des saarländischen Ministerpräsidenten, sofern er bereit sei, das Saarland an Deutschland anzuschließen.

Bekanntlich lehnte Hoffmann ab und zog sich nach dem Ergebnis der Saarabstimmung 1955 völlig aus der Politik zurück.

So hatte schon damals vor über 50 Jahren Gräfinthal eine »politische Bühne«, heute ist immer noch eine »Bühne« in Gräfinthal zu finden, wenn auch zu ganz anderen Zwecken.

Unmittelbar an der Klosterruine befindet sich die »Freilichtbühne Gräfinthal«, auf welcher jährlich im Sommer sehenswerte Aufführungen der »Jungen Bühne Auersmacher« stattfinden.