Gut Junkerwald

Beim Spaziergang um den Niederwürzbacher Weiher begegnet man manchen Merkwürdig-keiten. Insbesondere die alten Gebäude verdanken ihre Entstehung den Grafen von der Leyen, der Gräfin Marianne und ihrem Sohn Philipp.

Ein Gebäude ist jedoch noch jüngeren Datums: der »Junkerwald«. Auf einer Karte von Tilemann Stella von 1564 steht zwischen den zwei Weiherarmen, dort wo sich heute der »Junkerwald« befindet, die Bezeichnung »Aue«.

Der Name »Junkerwald« entstand, als die kurtrierischen Herren von Eltz (von der unteren Mosel bei Cochem) im 17. Jahrhundert hier viele Besitzungen hatten und Besitzer von Hassel waren und der Wald am Weiher dem »Junker« (= Jungherr) Jacob Friedrich von Eltz gehörte.

Die Herren von Eltz waren eineinhalb Jahrhunderte lang (von 1512 bis 1660) unter anderem mit dem Ort ›Wecklingen‹ (bei Ballweiler) belehnt.

Dieses Gelände, auf dem heute der »Junkerwald« steht, hatte, wie ganz Hassel, zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken gehört und wurde 1781 gegen ein Gebiet auf dem Bann Lautzkirchen, das den Grafen von der Leyen gehörte, getauscht.

Der Privatsekretär von Philipp Fürst von der Leyen, Johann Schaller, der Ur-Urgroßvater von Werner Schaller, kaufte am 2. September 1807 den Weiher und das dazugehörige Land.

Im August 1845 erbte der Urgroßvater von Werner Schaller, Georg Adolf (erster Bürgermeister von Niederwürzbach), die Mühle einschließlich dem 16 ha großen Neuweiher (= heute Würzbacher Weiher) und Wald, im ganzen 28,5 ha.

1868 hat er seinen ganzen Besitz verkauft. Wahrscheinlich war der Käufer Dr. Carl Ehrhardt.

Anfang des 20. Jahrhunderts ließ dieser in St.Ingbert lebende und tätige praktische, Armen- und Hospitalarzt, Dr. med. Carl Ehrhardt, Königlicher Hofrat, auf der Landzunge zwischen den beiden Wasserarmen des Würzbacher Weihers eine Villa bauen, um sie seiner Tochter Auguste Maria (Gustel genannt) zur Hochzeit zu schenken. Dieses geschah 1903, also vor über 100 Jahren. Die Villa bekam den Namen »Junkerwald«.

Er war verheiratet mit Mathilde Lindemann, geboren am 22. April 1853 und gestorben am 8.November 1902.

Dr. med. Max Lindemann, Chefarzt der Chirurgie am Kreiskrankenhaus in St. Ingbert, Wulf Lindemann, der in München lebt und der Dipl. Kaufmann Christian Lindemann, Besitzer von Gut Lindenfels bei Alschbach, sind Enkel von ihr.

Seine Ehefrau hat also die fertige Villa nicht mehr gesehen. Die Tochter von Dr. Carl Ehrhardt, geboren am 8. Februar 1879 und gestorben am 8. April 1942, heiratete 1903 den Hauptmann Otto Rexroth aus Saarbrücken, geboren am 10. April 1872 und gestorben am 20. Dezember 1930.

Dr. Carl Ehrhardt, der am 29. November 1845 in St. Ingbert geboren wurde und am 4. Juni 1913 dort starb, wurde von der Stadt St. Ingbert am 13. April 1954 geehrt, indem man nach ihm eine Straße benannte.

Dr. Carl Ehrhardt beauftragte den berühmten österreichischen Architekten Georg Joseph Ritter von Hauberisser, geboren am 19. Mai 1841 in Graz, ihm eine Villa mit 18 Zimmern auf der Landzunge des Würzbacher Weihers zu bauen.

Dieser Architekt baute unter anderem die Rathäuser in München, Kaufbeuren und Wiesbaden, in Saarbrücken das neue Rathaus und auch die »Villa Rexroth« (auch »Weißes Haus« genannt) in der Bismarckstraße.

Letztere diente von 1947 bis 1955 dem damaligen Ministerpräsident Johannes Hoffmann als Staatskanzlei. Die Villa wurde später allerdings abgerissen und auf dem Gelände steht heute die Musikhochschule.

Das Ehepaar Rexroth – Ehrhardt baute 1908 ein Chaisenhaus und eine Gärtnerei. In diesem Gebäude waren im Erdgeschoss aus südlicher Sicht links die Räume für die Kutschen, in der Mitte der Stall für die Pferde und rechts die Räume für die Pflanzenzucht und Umtopferei.

In der ersten Etage wohnten der Gärtner und der Kutscher. Kurz nach der Fertigstellung des Gebäudes kam ein Gärtner namens Fritz Zeller auf den Junkerwald. Dieser ist in Meimsheim bei Heilbronn geboren.

Bevor er jedoch nach Würzbach kam, war er in Annweiler bei einem Fabrikanten namens Ulrich beschäftigt. Dort war eine große Parkanlage zu pflegen. Zwei Mädchen aus Hassel waren dort im Haushalt beschäftigt, denen es aber nicht gefiel. Sie gingen in ihre Heimat zurück und fanden Arbeit auf dem Junkerwald.

Sie ließen den Gärtner in Annweiler wissen, dass auf dem Junkerwald ein tüchtiger Gärtner gesucht würde. Fritz Zeller stellte sich bei dem damaligen Besitzer Otto Rexroth vor und wurde sofort eingestellt. Das war im Jahr 1912.

Als der 1. Weltkrieg 1914 ausbrach, wurde Fritz Zeller eingezogen. Seine Frau musste nun die Arbeit verrichten und dies war für sie nicht einfach. Die Kinder mussten ja auch versorgt werden. Damals gab es noch keine Brücke über den südlichen Weiherarm, sondern man musste einen Kahn benutzen.

Nachdem 1918 der Krieg zu Ende und Fritz Zeller wieder in seinem »Element« war, wurde nicht nur der Park gepflegt, sondern auch Gemüse angepflanzt. Dort, wo heute die Freitreppe ist und die großen Steine abgelegt sind, waren Terrassen mit allerlei Gemüse bepflanzt, das dann verkauft wurde.

Zum Gut Junkerwald gehörte der größte Teil des Seelbacher Tales. In einem Tauschvertrag vom 20. Juni 1922 zwischen Otto Rexroth, Hauptmann a.D., Gutsbesitzer und Fabrikant zu Gut Junkerwald und den Eheleuten Eugen Becker und Philippine geb. Degel, wohnhaft in Niederwürzbach, wurden verschiedene Grundstücke getauscht.

Die Grundstücke von Becker und Degel, die getauscht wurden, lagen zum Teil auf dem Gebiet der Steuergemeinde Niederwürzbach/Seelbach und Ommersheim und die von Otto Rexroth auf dem Gebiet von Nieder-würzbach/Seelbach. Die Grundstücke wurden wertgleich getauscht.

Eugen Becker war übrigens Herrn Otto Rexroth verantwortlich, dass die Pacht von den vielen Pächtern pünktlich gezahlt wurde. Auch musste er dafür sorgen, dass die Entwässerungsgräben immer ordentlich ausgehoben wurden, denn das Tal war sehr nass.

1925 erwarb der Gärtner Zeller ein Gebäude gegenüber der Mühle, das früher der Gräfin Marianne von der Leyen gehört hatte, und machte sich selbständig.

Das nötige Land für seine Gärtnerei kaufte er von Rudolf Kröll. Dieses Areal war ursprünglich der Lustgarten von Gräfin Marianne, der von dem Schlossgärtner Simon Glattfelder aus Koblenz gestaltet worden war.

Die große halbrunde Treppe verkaufte Rudolf Kröll jedoch nicht mit, sondern ließ sie abbauen und vor der »Villa Lustig« wieder errichten. Später baute der Sohn des Gärtners, Karl, das Gebäude gegenüber der Mühle um.

Als kleine Kinder mussten wir früher öfters zum »Zeller« Samen kaufen. Man sagte Zeller und meinte die Gärtnerei. Das war dasselbe.

Auch heute noch kaufen Einheimische und Auswärtige gerne ihre Pflanzen und Blumen bei »Zellersch'« wie vor 80 Jahren.

1915, also während des 1. Weltkrieges, erwarb der damalige Generaldirektor des Eisenwerkes Röchling, Rudolf Kröll, den Weiher mit einem Uferstreifen von 2 Metern. Aber schon nach 6 Jahren, am 21. Januar 1921, verkaufte er den Weiher an Otto Rexroth, Gut Junkerwald.

Eine einmalige Gelegenheit zur Errichtung eines Strandbades nutzte der Turnverein Niederwürzbach im Jahre 1926 und begann unter schwierigsten Verhältnissen mit der Errichtung eines Strandbades.

Die älteren Niederwürzbacher können sich noch gut erinnern, dass im Sommer viel Badebetrieb herrschte. Von Nah und Fern kamen die Schwimmlustigen, um hier Erholung zu finden.

Kurz vor Kriegsbeginn wurden die Umkleidekabinen abgebaut. Während des Krieges und auch nach dem Krieg kamen die Würzbacher und Fremde doch noch zum Weiher.

1951 versuchte der damalige Pächter der Gastwirtschaft im Annahof, Josef Petry, den Badebetrieb wieder richtig aufzubauen. Doch das Vorhaben war zum Scheitern verurteilt, da das angrenzende Gelände fremdes Eigentum war.

Als die Gemeinde 1951 die Gelegenheit hatte den Weiher und die angrenzenden Wiesen für 12 Jahre zu pachten, wurde der Weiher zum Strandbad und Campingplatz ausgebaut. Es herrschte wieder viel Betrieb und die Erholungssuchenden kamen von Nah und Fern.

Doch 1963 schien alles am Ende zu sein, denn der Badebetrieb wurde wegen starker Verschmutzung polizeilich eingestellt.

Als 1965 bekannt wurde, dass die Erbengemeinschaft Rexroth Gut Junkerwald, Gärtnerhaus, Wald, Wiesen, Park und Weiher verkaufen wolle, nahm der damalige Bürgermeister, Kurt Hartz, mit dem Vertreter der Erbengemeinschaft, Amtsgerichts-Direktor a.D. Peter Klein, Kontakt auf.

In einem ersten Gespräch, das in freundlicher Atmosphäre verlief, wurde auch gleich der Preis genannt. Für die 320.000 qm sollte die Gemeinde DM 450.000 zahlen. Nun folgten umfassende Verhandlungen in den Ausschüssen des Gemeinderates.

Eine Bürgerversammlung wurde einberufen mit dem Thema: Kauf des Gutes Junkerwald.

Das Ergebnis der Versammlung war überwältigend. Bürgermeister und Gemeinderat konnten sicher sein, dass in der Bevölkerung eine breite Mehrheit zum Kauf der gesamten Anlage bestand. Der Gemeinderat beschloss am 17. Mai 1965 einstimmig den Kauf.

Der Kaufvertrag wurde am 10. Juni 1965 beim Notar in Blieskastel unterschrieben. Der Rat der Gemeinde war sich darüber einig, dass die Erhaltung und Instandsetzung des Würzbacher Weihers und die Nutzung der beiden Gebäude, Villa und Gärtnerhaus, eine öffentliche Aufgabe darstellt.

Eine Kommission legte einen Plan für das Naherholungsgebiet vor. Es musste eine verkehrsgerechte Zufahrt geschaffen und die Versorgungsleitungen, Wasser, Strom, Abwasser, auf den neuesten Stand gebracht werden. Eine Zufahrtsstraße von Richtung Hassel musste hergestellt und neue Brücken gebaut werden.

Eine Idee des Bürgermeisters, die amerikanische Armee für die Erdarbeiten zu gewinnen, wurde von Fritz Hauth, der damals Dolmetscher war, begeistert unterstützt. Mit den Arbeiten wurde von der 97. US-Armee eine in Pirmasens stationierte Pioniereinheit beauftragt.

Am 30. Oktober 1967 rückten die Pioniere mit ihrem Gerät an und nach 6 Wochen war die Verbindungsstraße von Hassel und Niederwürzbach in Richtung Gut Junkerwald fertig. Anschließend wurde die Straße asphaltiert, nachdem der Gemeinderat eine Teerdecke beschlossen hatte.

Die alte baufällige Holzbrücke auf der Südseite des Weihers wurde von der Firma Leffer 1972 durch eine Stahlbrücke ersetzt. Als nächstes waren Umbauarbeiten an dem Chaise- und Gärtnerhaus an der Reihe. Die Arbeiten gingen zügig voran und so konnte mit Unterstützung der Brauerei Becker im April 1968 die Gutsschänke Junkerwald ihrer Bestimmung übergeben werden.

Die Villa wurde von der Arbeitskammer 17 Jahre lang gepachtet und zu einer Stätte der Erholung, Begegnung, Schulung und Bildung umgebaut.

Die Brücke über den nördlichen Weiherarm wurde vom THW St. Ingbert gebaut und im Mai 1969 eingeweiht. Die Spaziergänger freuen sich über die gute Verbindung vom Geißbachtal zum Gut Junkerwald.

Nach der Gebiets- und Verwaltungsreform (am 1. Januar 1974) verkaufte die Stadt Blieskastel am 31. Oktober 1975 die Gutsschänke und am 8. Dezember 1983 die Villa Junkerwald sowie 6.000m² Hof, Grünland und Böschung, die aus dem Gesamtanwesen von cirka 320.000 m² herausgetrennt wurden, für DM 1.065.000.

Zwischenzeitlich feierte die Villa Junkerwald ihren 100sten Geburtstag. Die Namen der einstigen Besitzer Ehrhardt, Rexroth und Klein sind den älteren Würzbachern geläufig. Der heutige Besitzer vom Gut Junkerwald (Villa und Gutsschänke) ist Herr Post, Kaufmann aus St. Ingbert.


Quelle: junkerwaldrestaurant.de