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Die Höhle im »Eichertsfels«

Aus der Vorzeit ...

Neben dem »Eichertsfels«  am Hang über dem Laichweihertal gibt es noch 2 weitere nennenswerte Höhlenformationen im Buntsandstein um Oberwürzbach.

Neben der als »Grotte« im Langental bekannten Felsformation, welche heute als Marienverehrungsstätte dient und diesbezüglich bekannt und unbedingt als sehenswert eingestuft werden kann, ist dies die Felsformation »Schindtaler-Felsen«, welche wie auch die beiden anderen Höhlen vermutlich den STEIN-ZEIT-MENSCHEN (!) bereits als Winterzufluchtsplatz oder Schlupfwinkel dienten.

Der Eichertsfels oder auch Eichertsfelsen ist eine Felsformation mit mehreren Höhlen, etwa 1.000 Meter nördlich des Stadtteils am Südhang des Farrenbergs oberhalb der »Göllerschlucht«, die westlich der Fischteiche im Laichweihertal beginnt.

Vom Laichweihertal aus gelangt man über einen bergauf führenden »Zick-zack-Weg« zu den Höhlen, welche im unteren Hangdrittel liegen. Die ein Felsband bildende Schicht, in welcher die Höhlen liegen, ist nur an dieser Stelle aufgeschlossen, während es im weiter westlich liegenden Langental über weite Strecken den Hang entlang aufgeschlossen ist.

In der Literatur wurden die beiden (ja, bei dem Eichertsfels handelt es sich um 2 Höhlen!) als »die Höhlen im Eichertsfelsen« beschrieben.

Eine Herkunft dieses Namens ist nicht herzuleiten. Ungeachtet der Tatsache, dass die beiden Höhlen zusammenhängen  wird die Trennung in der Folge beibehalten.

Chronologie der Erforschung

Erstmals in der Fachliteratur 1958 erwähnt, wurden in den Jahren 1962 und 1963 durch die Herren F. Lienau und Dr. R. Schindler Grabungen vorgenommen, vorwiegend im vorderen Teil der Höhle.

Die ersten Grabungen fanden vom 25.9. bis 27.9.1962 im Auftrag des Konservatoramtes durch Hr. Lienau statt. Dabei wurden 5 mittelalterliche Scherben, ein spätrömischer Knopfdeckel und umenfelderzeitliche Scherben gefunden.

Ein Jahr später führte der damalige Landeskonservator Dr. R. Schindler vom 25.11. bis zum 23.12.1963 genauere Untersuchungen durch, wobei die örtliche Leitung der Ausgrabungen bei Hr. Dr. W. Schähle lag.

Der Tätigkeit R. Schindlers ist es zu verdanken, dass der Grundriss der Höhle erstmals vermessen und im Maßstab 1:100 kartographiert worden ist.

Die Vorhalle der Großen Eichertsfelsenhöhle war bis zur Hälfte, die innere Höhle bis fast unter die Decke mit mächtigen Deckenabbrüchen, Sand und Humus verfüllt. Darunter fand sich das Bruchstück eines vermoderter Baumstammes.

Dies war auch der einzige Hinweis auf menschliche Tätigkeit in der Kammer vor dem Einstürzen des Daches, obwohl der gesamte Raum bis auf den gewachsenen Fels abgetragen wurde.

Der gesamte Aushub aus der Höhle wurde auf der Hangböschung zu einem Plateau aufgeschüttet.

In seinem Bericht führt Schindler an: »Wenn man von einer Brand- und Aschenschicht der jüngsten Zeit (im äußeren Teil der Halle) absieht, konnte an keiner, der von der Grabung erfassten Stellen eine Kulturschicht oder anderweitig auffallender Spur menschlicher Tätigkeit festgestellt werden.«

Als Funde wurden aufgeführt: der Hals eines römischen Kruges, das Bruchstück eines Hohlziegels, Ton- und Glasscherben vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, sowie ein Hufeisen. Alle Funde stammen aus dem vorderen Bereich der Vorhalle.

Schindler fertigte Profile der vorderen Höhle im Maßstab 1:20 an, wobei in einem der Profile auch größere Brocken eines Höhlendachabbruches, welche inmitten leicht humösen Sand lagen, erfasste.

Am Höhleneingang fand er auf einer Länge von ca. 3 m eine bis zu 7 Zentimetern dicke schwarze Schicht mit feiner Holzkohle, welche teilweise mit humöser Erde bedeckt war.

Das archäologische Interesse an der Höhle war wegen des bescheidenen Ergebnisses zunächst erloschen. Leider wurde durch die 1962/63 vorgenommenen Ausgrabungen vor allem der westliche und der östliche Teil der vorderen Kammer der »Großen Eichertsfelshöhle« arg in Mitleidenschaft gezogen.

Im Jahr 1986 übergab P. Fremgen aus Blieskastel dem Konservatoramt prähistorische Funde, welche er im Jahre 1958, noch vor den offiziellen Grabungen mit seinem Vater in der Vorhalle der großen Höhle gefunden haben will.

Nach eigenen Aussagen war die Höhle damals schwer zugänglich und bis dicht unter die Decke verfüllt. Diese Aussage deckt sich mit der Aussage Schindlers. Zudem ist heute noch an den Wänden die ehemalige Oberfläche deutlich als Trennlinie zu erkennen. Diese trennt einen wesentlich dunkleren, oberen Bereich von einem wesentlich helleren, unteren Bereich.

Vater und Sohn Fremgen gruben damals unmittelbar an der östlichen Höhlenwand ein 1m breites Loch bis zum gewachsenen Felsen. Nach eigenen Angaben fanden sie viel Holzkohle und dicht über dem Felsen das Bruchstück eines Mahlsteines, dicht dabei eine Handvoll Rötelklumpen und etwa 20 weißliche Feuersteinabschläge.

Am 2.7.1986 übergab P. Fremgen dem Konservatoramt das Bruchstück eines Mahlsteines und einen Abschlag aus Feuerstein (EV-Nr. 1986/12)

Bei dem Mahlstein handelt es sich nach der Bestimmung durch Herrn Dr. Klinkhammer (Geologisches Landesamt, Saarbrücken) um einen »ortsfremden Karbonsandstein, wahrscheinlich Ottweiler Schichten«.

Der Mahlstein ist auf der konkaven Seite durch Benutzung quer zur Längsrichtung eingeschliffen. Die Unterseite ist flach gearbeitet. Man rechnet ihn zu der  Gattung der sog. »Napolenoshüte«, (eisenzeitliche Reibsteine aus Basaltlava).

Der Abschlag ist ein sog. »Ochsenauge«, aus dem oberen Bereich des Muschelkalkes hergestellt.

Die Grabungsstelle wurde nach den Angaben von P. Fremgen nachträglich in die Zeichnung von R. Schindler eingetragen. 

Die Grabungsstelle lag unmittelbar vor dem Durchgang der östlichen Vorhalle zur Innen-halle.

Der Fund stand in Widerspruch zu den Resultaten der Untersuchungen von 1962 und 1963. Aus archäologischer Sicht schien nun wieder alles offen.

Man vermutete, dass die grobe Ausgrabungstechnik mit Pickel und Schaufel nicht mit der nötigen Sorgfalt für eine steinzeitliche Fundstelle ausgeführt worden sind und deshalb am negativen Resultat schuld sein könnten.

Die Höhlenforschergruppe Karlsruhe erforscht seit 1974 Höhlen im Sandstein des Saar-Pfälzischen Raumes.

Im Frühjahr 1976 wurde die Höhle erstmals vermessen und fotografiert, sowie Beschreibung der Höhle zusammen mit den Plänen veröffentlicht (1977, E. Knust). Auch wurden entsprechende Tier- und Pflanzenproben zur Bestimmung entnommen.

Im Heimatbuch »800 Jahre Oberwürzbach« von 1981 beschreibt Hans Becker  unter dem Kapitel »Geologischer Werdegang des Würzbacher Raumes« die aufgeschlossene Gesteinsabfolge des Buntsandstein und stellt die Eichertsfelsenhöhlen in die Karlstaffelzone.

Im gleichen Buch vertritt Spies die Auffassung, die bisherigen Grabungen seien unvollständig und seiner Meinung nach könnten in tieferen Schichten der Höhle steinzeitliche Reste gefunden werden.

Im Auftrag des Konservatoramtes wurde 1990 von der Höhlenforschergruppe Karlsruhe, der Société préhistorique de Luxembourg und dem archäologischen Verein des Saar-Pfalz-Kreises unter der Leitung von Dr. Francois. Bertemes (Saarbrücken) eine 14-tägige Feststellungsgrabung durchgeführt.

Jedoch entsprach die vorgefundene Situation weder der von 1958 von P. Fremgen, noch der 1962/63, da der schon erwähnte Grabungsaushub aus diesen beiden Jahren vor dem Höhleneingang der größeren Höhle zu einem Art Plateau aufgeschüttet wurde, wo sie noch heute vorzufinden ist.

Der westliche und der östliche Teil der vorderen Kammer der großen Eichertsfelsenhöhle war ebenfalls durch die Grabungen von Lienau und Schindler weitestgehend zerstört.

Bei den Eichertsfelsen wurde es erstmals in der Forschungsarbeit der Höhlen-forschergruppe Karlsruhe möglich, durch Grabungen einen bislang verfüllten Höhlenraum soweit freizulegen, dass weitergehende Aussagen über die Entstehung und Entwicklung in Erwägung gezogen werden konnten.

Der Eichertsfels liegt an der Grenze zwischen Mittlerem und Oberem Buntsandstein. Oberwürzbach befindet sich am geologischen Übergang von Buntsandstein im Norden und Muschelkalk im Süden. Der Würzbach, der den Ort von West nach Ost zur Blies hin durchfließt, liegt noch im Bereich des Buntsandsteins bzw. durchfließt das Alluvium der Täler. 


Quelle: ›Speläo Südwest 1996 in Oberwürzbach‹, Mitteilungen der Höhlenforschergruppe Karlsruhe, Heft 15