Das keltische Gräberfeld von Oberleuken

Die Gemeinde Perl beschloss 1996 den Bau eines Neubaugebietes im Ortsteil Oberleuken. Aufgrund der räumlichen Nähe zu bekannten römerzeitlichen Fundstellen wurde innerhalb des Planfeststellungsverfahrens von der Landesdenkmalplege eine Sondage-Grabung gefordert. Da im August 1997 mit den Erschließungsmaßnahmen begonnen werden sollte, wurde vom 21. bis 29.07.1997 eine archäologische Sondage der durch das Neubaugebiet betroffenen Fläche durchgeführt.

Bereits am ersten Untersuchungstag wurde im Flur »Ober dem Perg« der Ortslage von Oberleuken im Bereich des heutigen »Keltenweges« ein keltisches, spätlatènezeitliche Flachbrandgräberfeld mit über 120 Einzelgräber entdeckt.

Die Untersuchungen der spätlatènezeitlichen Gräber von Perl-Oberleuken schaffen eine räumliche Brücke im Fundbestand der Nekropolen (altgr. nekrós, »Toter« und polis »Stadt«, ist eine baulich gestaltete größere Begräbnis- und Weihestätte des Altertums und der Ur- und Frühgeschichte. Fehlt die bauliche Komponente, handelt es sich um ein Gräberfeld dieser Zeit wie im Hunsrückraum (z.B. Horath, Wederath, Hoppstädten), dem Luxemburger Raum (z.B. Lamadelaine, Feulen) und dem französischen Moselbereich nördlich von Metz (z.B. Mondelange, Argancy).

Der Mittelgebirgsraum zwischen Ardennen und Hessischem Bergland ist durch seine befestigten Zentren mit überörtlicher Funktion, die sogenannten »Oppida«, gliederbar. 

Dabei können die Gebiete des Luxemburger Raumes dem Oppidum auf dem Titelberg bei Differdange und die Hunsrückgräberfelder den Anlagen auf dem Hunnenring bei Nonnweiler räumlich zugeordnet werden. 

Die Siedlungskammer des Gräberfeldes Oberleuken ist hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit am ehesten mit dem benachbarten Oppidum Kastel-Staadt in Verbindung zu sehen. Als Siedlungsort der Bestattungsgemeinschaft käme die nur wenige hundert Meter entfernte Siedlungsstelle der »Römischen Villa Borg« in Frage, wo unter den römischen Befunden eine spätlatène-zeitliche Vorgängerbebauung der Stufen Latène D1b-D2 nachgewiesen wurde.

Im Grabungsbereich der Villa wurden urnenfelderzeitliche Siedlungsgruben wie auch ein glockenbecherzeitliches Grab (1992) gefunden. Darüber hinaus konnten im direkten Umfeld des Gräberfeldes von Oberleuken mehrere römerzeitliche Siedlungsplätze und Gräberfelder beobachtet werden. Sie wurden bislang nicht untersucht. Das Siedlungsumfeld zeigt eine deutliche Kontinuität, und es ist wahrscheinlich, dass bei weiteren Untersuchungen im Umfeld die Bestattungsplätze der Frühlatène- und spätesten Latènezeit entdeckt werden.

Ziel der Analyse des Gräberfeldes ist die kulturelle wie auch chronologische Einordnung in den regionalen Kontext des Saar-Mosel-Raumes. Dabei werden die Befunde und Funde analysiert und in ihrer archäologischen Bedeutung interpretiert. 

Bereits an anderen Gräberfeldern beobachtete Regelmäßigkeiten werden überprüft, bewertet und durch neue Beobachtungen ergänzt. So lassen sich möglicherweise auch im Totenritual regionale Gliederungen des Trevererraumes erkennen.

Dem Engagement des Oberleukener Lehrers und Heimatforschers Johann Schneider (1872-1943) verdankt die Denkmalpflege eine ganze Reihe an Fundmeldungen, u.a. auch die »Römische Villa Borg«.

Insbesondere die Hinweise auf mehrere römerzeitliche Siedlungsstellen im Raum Oberleuken und Borg führten dazu, dass die Denkmalpflege 1997 archäologische Untersuchungen im Vorfeld der Anlage eines Neubaugebietes südöstlich der Ortslage von Oberleuken im Bereich des heutigen »Keltenweges« anordnete. 


Übersicht »Ausgrabungen Oberleuken und Borg«

 

Abb. zeigt Topographische Lage des Gräberfeldes. Koordinaten: Rechts 2533960, Hoch 5485380, Höhe 365,0 m NN. Entfernungen: Mosel 7,5 km, Saar 5,5 km, Kastel-Staadt 10 km, Ausgrabung Villa Borg 1,1 km. Karten grundlage LKVK Saarland. – 1 Untersuchungsfläche zum Gräberfeld (vgl. Abb. 4). – 2 Ausgrabung Römische Villa Borg. – 3-6 Römerzeitliche Siedlungsreste. – 7 Römerzeitliches Gräberfeld


Übersicht des Gräberfeldes bei Oberleuken


   Abb. oben zeigt die Lage der Einzelgräber, nummeriert in der Reihenfolge der Auffindung.


Quelle: 

Text & Grafik nach E. P. Glansdorp, Das spätkeltische Gräberfeld von Perl-Oberleuken »Ober dem Perg« im Lkr. Merzig-Wadern, Saarbrücker Studien und Materialien zur Altertumskunde 13, Bonn 2009.