Der Vatikan und das Dreiländereck 

Dass unsere Region im Dreiländereck schon immer eine gewichtige Rolle in Europa spielte braucht nicht besonders angemerkt zu werden. 


Dass jedoch auch der »Vatikan« eng mit unserer Region verknüpft ist erscheint doch auf den ersten Blick weit hergeholt. Man muss nur einige Jahrhunderte in der Geschichte zurückgehen, und schon wird einem die enge Verknüpfung zum Vatikan klar: 

Karl Martell (†741) teilte sein Reich unter seinen Söhnen auf:

  • Karlmann (der Ältere) erhielt Austrien, Alemanien und Thüringen
  • Pippin III. (der Jüngere) (*715, †768) erhielt von seinem Vater Neustrien, Burgund und die Provence.

Nach dem Ausscheiden seines Bruders Karlmann aus allen weltlichen Ämtern übernahm Pippin die Gesamtherrschaft über das Frankenreich. Pippin hatte seinen Hauptsitz in seiner Pfalz in Diedenhofen (heute: Thionville/F) an der Mosel, gerade mal 20 km Luftlinie süd-westlich von Perl, also im »Dreiländereck«.


Pippin der III. auch genannt: Pippin der Kurze

Woher kommt der Name? Pippin war keineswegs klein geraten, sondern soll gegenüber seinen Untergebenen kurz– angebunden gewesen sein, war seinem Wesen nach ziemlich unhöflich, unwirsch und verletzend, galt aber als tüchtiger und tapferer Feldherr und Herrscher.

Mit der Erhebung Pippins zum König des »Fränkischen Reiches« durch Papst Zacharias (751) wurde die Herrschaft der Karolinger begründet.

Papst Stephan II. (eigentlich müsste er Stephan III. heißen, aber sein Vorgänger mit gleichem Namen war nur 4 Tage »im Amt« und so übernahm Stephan II. den Namen seines Vorgängers) hatte – wie schon zuvor Papst Gregor III. – Probleme mit den Langobarden.

Der Grundbesitz der römischen Kirche war schon im Altertum durch Schenkungen zu einem imposanten Imperium angewachsen. Zudem hatte man durch die Zentralgewalt in Person des Papstes fast schon einen richtigen, weltlichen Staat vor sich.

Nach dem Zerfall des »Weströmischen Reiches« um dem Niedergang der byzantinischen Herrschaft im Westen ersann der Klerus eine List, um Pippin für sich zu gewinnen. Man zückte ein »überraschend« aufgetauchtes Schriftstück und legte es 753 Pippin vor.

Das Schriftstück dokumentierte, dass Kaiser Konstantin bereits vor einigen hundert Jahren der Kirche die westliche Hälfte des »Römischen Reiches« geschenkt hatte und damit den irdischen Anspruch der Kirche legitimierte.

Dass die Tinte auf dem »alten« Dokument« noch nicht ganz trocken war, fiel zunächst nicht auf. (Vergleiche mit dem Stern-Ankauf der »Hitler-Tagebücher« sind rein zufällig!) 

Doch die Bemühungen des Papstes, Pippin III. zu überzeugen, dass da wohl doch ein Anspruch bestünde und Pippin doch bitte der Kirche gegen die bösen Langobarden beistehen müsse, fruchteten erst nicht. Auch das Angebot Papst Stephan II., dafür würde die Kirche dann aber auch die Dynastie des Königs offiziell legitimieren, nahm Pippin erst nicht an. 

Also machte sich Papst Stephan II. im Jahr 754 selbst auf in die Pfalz des Frankenkönigs nach Diedenhofen (Thionville) zu Pippin, mit dem Ziel diesen um Schutz zu bitten. Gegen den Widerstand einiger seiner Herzöge kam Pippin der Bitte dann doch nach und sicherte dem Papst sogar die Rückgabe ehemaliger byzantinischer Gebiete schriftlich zu. 

Pippin der III. unternahm 2 Feldzüge gegen die Lango-barden und liess den Langobarden keine Wahl. Er diktierte die Friedensbedingungen. Und die sahen so aus: 

Mit der »Pippinschen Schenkung« erhielt Papst Stephan II. (und mit ihm die römische Kirche) unter anderem die Gebiete Korsika, Teile der heutigen Toscana, Ravenna sowie das heutige Umland von Rom. 

Die mit der »Pippinschen Schenkung« von Pippin an Papst Stephan II. zurückgegebenen Ländereien begründeten den sogenannten Kirchenstaat(das Patrimonium Petri).  

Mit der Etablierung des Kirchenstaates konnte sich die römische Kirche aus der Abhängigkeit von Ostrom (=Byzanz, Konstantinopel, Istanbul) lösen. Gleichzeitig sicherte der nun neu entstandene Kirchenstaat den Päpsten bis in die frühe Neuzeit die weltliche Macht.

In den auf die »Pippinsche Schenkung« (756 n. Chr.) folgenden Jahrhunderten erweiterte die römische Kirche ihren Landbesitz beträchtlich.

Erst im Laufe der revolutionären Bewegungen Mitte des 19. Jhdt. in Italien wurde auch im Kirchenstaat die Republik ausgerufen. Nach Einigung mit dem König Viktor Emanuel II. von Italien im Jahr 1870 blieb der Kirche lediglich 0,44 km² Grund und Boden in der Mitte Roms

Meinungsverschiedenheiten zwischen italienischem Staat (welcher dem Papst zwischenzeitlich sogar allen Grundbesitz entzog) und dem Vatikan wurden erst 1929 durch die »Lateranverträge« geregelt, welche Mussolini mit der Kirche abschloss.

Ein souveräner Vatikanstaat war entstanden und der Katholizismus wurde in Italien zur Staatsreligion (ein Zustand, welcher erst 1985 aufgehoben wurde). Doch zurück zu Papst Stephan und König Pippin III.:                      

Papst Stephan II. hielt Wort und revanchierte sich, indem er Pippin III.(auch Pippin der I., König der Franken) zum zweiten Mal in aller Öffentlichkeit die Königswürde der Karolinger dokumentierte.

Stephan II. verlieh nicht nur Pippin als erstem Frankenkönig, sondern auch dessen Söhnen, den Titel »Patricius Romanorum«, was soviel heißt wie: »Schutzherr der Römer«. 

Pippin kümmerte sich um die Fortschritte einer Kirchenreform, unterstützte die missionarische Tätigkeit des angelsächsischen Benediktinermönchs Bonifatius, beendete das Herzogtum der Alemannen, zog gegen Aquitanien in den Krieg und ordnete Bayern seinem Reich unter. 

Wie schon sein Vater Karl Martell, kämpfte Pippin gegen Araber und Langobarden. Als Pippin III. am 24. September 768 bei Paris starb, hinterließ er seinem Sohn Karl dem Großen ein imposantes Frankenreich, das größte Staatsgebilde des damaligen Europas.

So wird klar, daß unsere Region schon seit den Kelten und den Römern immer eine wichtige Rolle im geografischen »Herzen« Europas gespielt hat. 

Wie ein roter Faden ziehen sich die wechselnden Machtverhältnisse, Kriege und politischen und wirtschaftlichen Zusammenschlüsse (von der Montan-Union über die EWG bis zur EU) durch unsere Region.