Die Abtei St. Martin, Trier 

ehemalige Benediktinerabtei St. Martin

Die Abtei St. Martin war eine wahrscheinlich im 6. Jahrhundert entstandene Klosteranlage in Trier. Sie soll aus einer von Martin von Tours im 4. Jahrhundert errichteten Kirche zurückgehen. Spätestens im 10. Jahrhundert wurde die Abtei mit Mönchen des Benediktinerordens besetzt, sie zählte einst zu den größten Abteien der Stadt. Die Abtei lag in unmittelbarer Nähe des Moselufers, im Nordwesten der Trierer Innenstadt. 

   

Geschichte

Martiunskirche

Abtei und Kirche um 1750, im Vordergrund die Martinsmühle

Der Überlieferung nach kam Bischof Martin von Tours (* 316/317; † 397 – jener »Sankt Martin«, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte) mehrfach nach Trier, erstmals im Jahr 371 kurz nach seiner Bischofsweihe.

Er soll hier den vom Teufel besessenen Knecht des Trierer Prokonsul Tetradius geheilt haben, woraufhin Tetradius zum christlichen Glauben übergetreten sei. Im Jahr 385 hat er sein Haus vor den Toren der Stadt zur Verfügung gestellt, »damit Martin dort eine Kirche zu Ehren des heiligen Kreuzes gründen konnte«.

Auf dem Gelände an der Mosel, das noch für Jahrhunderte außerhalb der Stadtmauern liegen sollte, soll Martin selbst eine Kapelle gegründet haben, bei der auch christliche Bestattungen stattfanden.

Tatsächlich besuchte Martin im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung über die Anklage und Hinrichtung des häretischen Bischofs Priscillian mehrfach den römischen Kaiser Maximus in Trier, unter anderem im Jahr 386.

Zudem fand man 1943 bei Notgrabungen für einen Luftschutzkeller auf dem Gelände des Martinsklosters Fußböden und Mauern eines großen römischen Wohngebäudes aus dem 4. Jahrhundert. Um 400 wurde eine Mauer errichtet, mit der ein Raum für religiöse Zwecke abgetrennt wurde. Darin fanden sich Gräber mit Grabbeigaben aus dem 4. bis 7. Jahrhundert.

Die Überlieferung mit ihren legendenhaften Details kann dadurch zwar nicht bewiesen werden, die Funde sprechen aber immerhin mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit für die Gründung der ursprünglichen Kirche durch Martin selbst.

Während der Völkerwanderungszeit im 5. Jahrhundert ist diese dem ›Heiligen Kreuz‹ geweihte Kirche verwüstet worden. 

Um 587 wurde vom Trierer Bischof Magnerich (auch Magnericus, * 573; † 596) die »Martinskirche« errichtet, aus der später die Abtei entstand. Zuverlässige Angaben darüber, ob Magnerich bereits Benediktiner dorthin berief, sind nicht überliefert. Magnerich wurde in der Martinskirche beigesetzt. 

             

Abtei St. Martin

Martinskloster um 1600

Im April 882 wurde die Abtei bei den Normannen-einfällen auf Trier zumindest teilweise zerstört. 899 setzte Erzbischof Radbod von Trier (* 883; † 915) den aus der Abtei Prüm entlassenen Abt Regino (* um 840; † 915) als Abt von St. Martin ein und beauftragte ihn mit der Wiederrichtung des Klosterwesen.

Nach Radbods Tod kam St. Martin und andere Klöster im Trierer Raum in den Besitz des Herzogs Giselbert von Lothringen (* 928; †939). Erzbischof Theoderich I. (* 965; † 977) gelang die Wiedererlangung der Rechte der trierischen Kirche.

Im Jahre 975 wurde das Kloster von Theoderich wieder seiner Bestimmung übergeben und die alten Besitzungen wiedergegeben. Dem Konvent wurde die freie Abtwahl zugestanden. Aus dem gleichen Jahr stammt auch eine Urkunde Kaiser Ottos II., nach welcher er die wiederhergestellte Abtei St. Martin bestätigte und unter seinen Schutz nahm.

Der Vorgänger Theoderichs, Erzbischof Heinrich I. (* 956; † 964), hatte der Abtei achtzig Mansus Land entzogen und nach der Vertreibung der Mönche Kanoniker eingesetzt. 

Zu den 975 genannten Besitztümern der Abtei gehörte die Kirche St. Viktor (1443 zerstört) mit allem Zubehör: Sivenich (Siuinic), Kommlingen (Cumelanch) und Beßlich (Bessilich); die Kirche St. Symphorian (nach 1393 verfallen) mit Zubehör: Lorich (Lorchen) und Sirzenich (Sarceni); die Gutsbezirke Irsch (Erche), Hockweiler (Hocuuilre), Korlingen (Corlanch) und Ockfen (Occava).

Erzbischof Hillin schenkte 1168 der Abtei Ländereien bei Wehlen, Graach und Zeltingen und bestätigte alle Rechte. 

Stich von Merian, Ansicht von 1548

Neben den bereits 975 genannten Besitzungen wurden genannt: Das Dorf Pallien, zu Pfalzel drei Mansus Land, in Wiltingen einen Mansus, einer zu Lonebach, einer zu Dudeldorf sowie verschiedene kleinere Besitzungen.

Im 10. Jahrhundert befand sich das im 9. Jahrhundert in Tours geschriebene »Strahov-Evangeliar« im Besitz der Abtei, wo dieses vom Meister des »Registrum Gregorii« überarbeitet und verziert wurde.

Auf den Neubau der Klosterkirche am Ende des 11. Jahrhunderts folgte bis zum 13. Jahrhundert die wirtschaftliche Blütezeit des Klosters. Die mittelalterliche Trierer Stadtmauer wurde bis an das Kloster gebaut, und in seiner unmittelbaren Nähe wurde das »Martinstor« errichtet.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kloster kontinuierlich erweitert; ein Dormitorium (1506) sowie der heute noch bestehende Westflügel des Abteigebäudes mit der Spätrenaissancefassade an der Moselseite (1626, Erweiterung 1735) wurden erbaut.

              

Säkularisation, Porzellanmanufaktur

Relief des Hl. St. Martin am Klostergebäude

Infolge der Französischen Revolution wurde Trier am 9. August 1794 von französischen Revolutionstruppen besetzt. 1797/1801 wurde das linke Rheinufer Teil der Französischen Republik.

Am 15. März 1802 erfolgte durch den Präfekten des Saardepartements die Aufhebung der Abtei und die Beschlag-nahme des gesamten Vermögens. Die noch übrigen sechs Geistlichen wurden pensioniert.

1804 erfolgte die Versteigerung des Klosters. Die Kirche und verschiedene Gebäude inklusive des Dormitoriums wurden abgerissen. 

Im Übriggebliebenen Westflügel wurde 1807 von Christian Deuster eine Porzellanmanufaktur eingerichtet, in der Krypta befand sich der Brennofen. 1813 wurde die Manufaktur aufgegeben und, nachdem Trier 1815 an Preußen gekommen war, 1816 von Peter Marx wieder in Betrieb genommen. Die Fabrik ist um 1824 eingegangen. 

        

Abteigebäude

Kreuzgruppe am ehem. Kloster St. Martin

Heute ist nur noch der Westflügel des Abteigebäudes im Stil der Spätrenaissance erhalten. Daneben ist die Kopie einer spätgotischen Kreuzigungsgruppe (1498) aufgerichtet, deren Original in der Kirche St. Paulus steht. 

     

Heutige Nutzung

1972 wurde der Westflügel des Abteigebäudes aus dem 17. Jahrhundert nach längerem Leerstand kernsaniert und mit einem im gleichen Jahr errichteten Neubau zu einem Studentenwohnheim umfunk-tioniert. Der Neubau wurde hufeisenförmig an den geraden Altbau angebaut, sodass zwischen den Gebäuden ein Innenhof entsteht, der eine mächtige Rotbuche (Naturdenkmal) beherbergt.