Homepage Thomas Abel
 

Kloster Gräfinthal

Das Kloster Gräfinthal ist ein Olivetanerkonvent, der aus einem untergegangenen Wilhelmitenkloster entstand und ist seit dem 13. Jahrhundert eine bedeutende Wallfahrtsstätte. 

Es gehört zum Bistum Speyer und liegt in der Gemeinde Mandelbachtal inmitten des Biosphärenreservates Bliesgau im südöstlichen Saarland.

     

Geschichte

Wilhelmitenkloster

Reichsgräfin Marianne von der Leyen

Gräfinthal entstand Mitte des 13. Jahrhunderts, als den Überlieferungen zu Folge Gräfin Elisabeth von Blieskastel hier ein Kloster stiftete.

Die Geschichte des Klosters steht in Zusammenhang mit dem Vesperbild (Pietà) »Unsere liebe Frau mit den Pfeilen«, der sogenannten »Pfeilen-Madonna«.

Überlieferungen nach wurde das Muttergottesbild mit Pfeilen beschossen, woraufhin Blut aus der Madonna floss, welches einem Blinden, der sich damit wusch, sein Sehvermögen zurückgab.

Auch Gräfin Elisabeth von Blieskastel soll damit ein Augenleiden geheilt haben. Aus Dankbarkeit stiftete sie zwischen 1240 und 1260 das Kloster Gräfinthal, in dem das Vesperbild fortan aufbewahrt wurde.

Brudermannsfeld bei Bebelsheim

Nach der legendenhaften Überlieferung wurde die Gräfin zuvor durch Gebet vor dem Gnadenbild eines Einsiedlers, der auf dem nahen Brudermannsfeld bei Bebelsheim lebte, von einem Augenleiden geheilt, weshalb sie aus Dankbarkeit das Kloster stiftete.

Bei diesem Gnadenbild dürfte es sich um das einzigartige Vesperbild »Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen« handeln, das dann als Heiligtum in die Gräfinthaler Klosterkirche kam und sich seit der Auflösung des Konvents in der Heilig-Kreuz-Kapelle beim Wallfahrtskloster Blieskastel befindet.

Die »Pfeilen-Madonna« ist eine 80 cm hohe Gnadendarstellung aus Eichenholz. In ihr stecken fünf eiserne Pfeilspitzen, die der Madonna ihren Namen gaben.

Das Vesperbild, das zunächst ins 14. Jahrhundert datiert wurde, kann nach jüngsten Forschungen als älteste bekannte Pietà gelten und demnach auch mit der tradierten Klostergründung in Verbindung gebracht werden.

Die Gründung des Klosters Gräfinthal durch die Blieskasteler Grafen ist heute jedoch unbestritten, auch wird der Tod Elisabeths von Blieskastel im Jahr 1273 überliefert. 

Ebenso überliefert ist ihre Beisetzung in Gräfinthal. In der Klosterkirche befindet sich jedenfalls eine mittelalterliche Tumba mit liegender Frauengestalt. Ob es sich dabei um das Grab der Stifterin handelt ist nicht gesichert, jedoch wahrscheinlich.

Das Kloster wurde einem damals jungen Orden, den Wilhelmiten, anvertraut. Die Mönche stammten aus einem Kloster in der Toskana und nannten sich Eremiten von Malavalle nach ihrem Ordensgründer Wilhelm von Malavalle (etwa 1100–1157). 

Dieser Reformzweig der Benediktiner hatte Eremitentum, Buße, Seelsorge, Krankenpflege und eine ausgeprägte Marienverehrung als Leitbilder.

Die Mönche besiedelten diese Einöde des Letschenbachtales und betreuten fortan die Wallfahrt zur »Madonna mit den Pfeilen«. Die Niederlassung war eines der wenigen Klöster dieses Ordens auf deutschem Boden und bei seiner Auflösung das letzte das überhaupt noch im Reichsgebiet existierte.

Im Laufe des Mittelalters wurde das Kloster mehrfach von Zerstörungen und Bränden heimgesucht.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zogen zwei Brände die Gebäude schwer in Mitleidenschaft. Das Kloster gelangte zwanzig Jahre nach Beendigung des Krieges in den Besitz der Grafen von der Leyen.

Stanislaus Lesczynski

Eine Blütezeit mit umfangreicher Bautätigkeit erlebte das Kloster Gräfinthal in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Bedeutender Förderer war damals der vertriebene König von Polen und spätere Herzog von Lothringen, Stanislaus Lesczynski, welcher von 1714 bis 1718 im Exil in Zweibrücken lebte.

Er übereignete dem Konvent den goldenen Reichsapfel des Königreiches Polen, als Weihegabe an die Gottes-mutter Maria, die in Gräfinthal verehrt wird. 

Stanislaus Lesczynski ließ seine 1717 verstorbene Tochter Anna, welche im Alter von 18 Jahren einem Giftmord zum Opfer fiel, in der Klosterkirche Gräfinthal beisetzen.

In diese Zeit fällt auch der Wiederaufbau der Konventsgebäude (Portal mit Jahreszahl 1714) und der Klosterkirche selbst (Westportal datiert 1719), durch Jonas Erikson Sundahl (1678–1762), im Auftrag des Polenkönigs.

Die Königin, Katharina Opalińska (1680–1747), bekleidete das Gnadenbild in einer feierlichen Zeremonie persönlich mit einem reich verzierten Mantel.

Auch von Maria Leszczyńska (1703–1768) der zweiten Tochter des polnischen Königspaares, welche  ab 1725 selbst Königin von Frankreich war, werden eine besondere Zuneigung zum Kloster Gräfinthal und Besuche an der Wallfahrtsstätte überliefert.

Das Wilhelmitenkloster war aufgrund seines Seelsorgeauftrages und der Marienverehrung ein beliebter Wallfahrtsort. 

Infolge beginnenden Verfalls der Gebäude und Konflikten innerhalb des Konventes wurde Gräfinthal als letztes Wilhelmitenkloster auf deutschem Boden. 1785/86 auf Initiative der Blieskasteler Gräfin Marianne von der Leyen von Papst Clemens XIV. aufgelöst. 

Der Gräfinthaler Wilhelmiten-Konvent wurde in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt.

                             

Nach der Klosterauflösung

Die kostbare Pietà wurde mit der Übersiedlung der Mönche nach Blieskastel in die »Heilig-Kreuz-Kapelle« des Blieskasteler Klosters überführt. 

Das leerstehende Kloster, aus dem die noch verbliebenen Ausstattungsstücke versteigert wurden, verfiel danach zunehmend.

Wesentliche Teile der vom regional bedeutsamen Künstler Johann Martersteck (auch Madersteck) in den Jahren 1733–1736 geschaffenen Innenausstattung der Klosterkirche (Kanzel, Beichtstühle, Vertäfelungen) gelangten so nach 1793 in die katholische Kirche St. Markus zu Gersheim-Reinheim, wo sie heute zu den besonderen Sehenswürdigkeiten gehören.

Der ehemalige Hochaltar von Gräfinthal befindet sich in der neuen Pfarrkirche St. Paul zu Bliesmengen-Bolchen.

Die kostbare Barockausstattung hatte die Klosterkirche Gräfinthal unter Prior Wilhelm Gouvy (1695–1751) erhalten, der zugleich auch Provinzial der flandrischen Provinz seines Ordens war.

Bereits 1786 war mit dem Abriss der Gebäude begonnen worden. Die verbliebenen Trakte der Gebäude wurden in der Folge der Französischen Revolution versteigert.

Ansicht aus dem 18. Jhdt.

Dadurch erwarb 1803 Jean-Baptist Mathieu, ein Kaufmann und späterer Bürgermeister von Saargemünd, das inzwischen ruinöse Anwesen, um hier eine Seidenfabrik einzurichten, die jedoch schon bald darauf ihren Betrieb einstellen musste.

Den weitgehend erhaltenen Chor der Klosterkirche ließ Mathieu 1809 zur heutigen Kapelle umbauen, in welcher er 1842 auch bestattet wurde. 

Das Langhaus blieb jedoch eine Ruine. Im Jahr 1888 erwarb ein zu diesem Zweck gegründetes Komitee die Kapelle, um sie als Schenkung wieder in kirchlichen Besitz zu überführen.

Ab 1901 ging das Kapellenanwesen in den Besitz der katholischen Pfarrei Bliesmengen-Bolchen über.

»Pfeilenmadonna«

Nachdem das ursprüngliche Gnadenbild »Unsere liebe Frau mit den Pfeilen« 1786 nach Blieskastel übertragen wurde, verehrt man seit 1810 in der Kapelle in Gräfinthal eine von Jean-Baptist Mathieu erworbene Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert, genannt »Maria auf der Mondsichel«.

1946 stürzte der Dachstuhl der Kapelle ein, am 9. Juli 1948 erfolgte die feierliche Wiedereröffnung von Kirche und Wallfahrt, durch den Speyerer Bischof Dr. Joseph Wendel. 

                

Sonstiges

Gräfinthal war zusammen mit dem nahen Kloster Wörschweiler ein Zentrum des inzwischen weitgehend untergegangenen Weinbaus in der Region. 

Der Pfälzer Heimatschriftsteller August Becker konstatiert in seinem 1858 erschienenen Buch »Die Pfalz und die Pfälzer« (damals gehörte das Gebiet zur bayerischen Rheinpfalz), »der Muttergotteswein, der auf den Hängen rund um die Ruine des ehemaligen Klosters Gräfinthal gedeihe, sei der beste unter den Bliesweinen«.

Im Pfarrhaus von Gräfinthal fand im Herbst 1952 ein geheimes Treffen zwischen dem damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (1890–1967) und dem Beauftragten von Bundeskanzler Konrad Adenauer, Adolf Süsterhenn (1905–1974), statt, wobei man Hoffmann das Amt des saarländischen Ministerpräsidenten garantierte, sofern er bereit sei, das Saarland an Deutschland anzuschließen.

Johannes Hoffmann strebte ein europäisiertes Saarland an und lehnte dieses Ansinnen ab. Als in der Saarabstimmung 1955, die Mehrheit der Bevölkerung das zwischen Deutschland und Frankreich ausgehandelte Saarstatut und damit die Europäisierung der Saar ablehnte, stellte Hoffmann sein Amt zur Verfügung und zog sich 1956 völlig aus dem politischen Geschehen zurück.

        

Gegenwart

Seit Beginn der 1980er Jahre bemühte sich die Diözese Speyer um die Errichtung einer kontemplativen benediktinischen Ordensgemeinschaft. Zu Beginn der 1980er Jahren bemühten sich der damalige Bischof von Speyer, Dr. Friedrich Wetter, und sein General-Vikar Erwin Diemer, bei verschiedenen Orden und Klöstern im nahen Ausland um eine solche Gemeinschaft. Aber die Zeit war nicht günstig.

Die Suche nach einem geeigneten Ort zur monastischen Wiederbesiedlung führte General-Vikar Diemer durch die gesamte Rheinpfalz, ein Land, das vor der Reformation mit Klöstern übersät war. Es gab viele Ruinen, doch wenig Interesse. Die Jahre vergingen.

An der Westgrenze des Bistums Speyer, im saarländischen Bliesgau, lag Gräfinthal im Dornröschenschlaf. Gebäude und Ländereien des ehemaligen Priorates waren seit 200 Jahren in Privatbesitz. Hoffnungen auf ein kirchliches Wiedererstehen hatten sich mehrere Male nicht erfüllt.

Monsignore Vinzent, Dekan des Saar-Pfalz-Dekanates, bemühte sich angesichts eines zur Mode werdenden säkularen Tourismus um die Erhaltung des religiösen Charakters von Gräfinthal. 

Auch er dachte an einen Orden. Da gerieten 1987 die Eigentumsverhältnisse in Bewegung. Die neue Besitzerin des Klosterbereiches, Frau U. Wagner, suchte das Gespräch mit Vertretern der Kirche und des Ordens, jedoch ohne konkrete Ergebnisse.

Dramatisch kam die Wende für Gräfinthal. Frau U. Wagner starb plötzlich, 1989, im Alter von 45 Jahren auf einer Reise in Russland. Ihr Anwesen in Gräfinthal hatte sie testamentarisch dem Abt von Vaals hinterlassen, und zu einer Klostergründung bestimmt. 

Der Abt von Solesmes, Dom Jean Prou, segnete in Vaals das Gründungskreuz für eine Neugründung. Ein kleines Priorat war vogesehen, dessen Entstehen auch der Abt von Clervaux unterstützen sollte.

Aus Anlass der 750-Jahrfeier des ehemaligen Priorates im Jahre 1993 bat der Bischof von Speyer um die Anwesenheit von Mönchen in Gräfinthal. 

Am 11. Juli 1993 begann nach über 200 Jahren wieder monastisches Leben, ad experimentum. 

Zwischen 1994 und 1996 wurden archäologische Ausgrabungsarbeiten im ehemaligen Konventbereich unternommen. Restbestände der Umfassungsmauern des Klosterbereichs und die Ruinen der ehemaligen Klosterkirche bezeugen die ursprüngliche Größenordnung.

Im Hofzentrum befindet sich das Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene, auf vier Rundsäulen ruhende Taubenhaus. 

Neben der »Pfeilen-Madonna« sind zwei weitere bedeutende Ausstattungsstücke des Mittelalters erhalten: 

Das späte Gnadenbild (eine 2 Meter hohe Madonna) und das lebensgroße Kruzifix. Beide Devotionalien (Andachtsobjekte) werden der Spätgotik zugeschrieben.

1999 wurde das Kloster Gräfinthal zum Priorat päpstlichen Rechtes erhoben. Derzeit bemüht man sich seitens des Priorates Gräfinthal um den Neubau der Klostergebäudes auf dem historischen Grund.

Im Jahr 2009 wurde der Grundstein zum Wiederaufbau der Klosterkirche gelegt. Von 2010 bis 2012 fanden in der Kirchenruine archäologische Ausgrabungen statt, bei denen man die Grablege von Anna Leszczyńska (1699–1717) der Tochter des Polenkönigs und späteren Herzogs von Lothringen Stanislaus I. Leszczyński gefunden zu haben glaubt.

Nach Abschluss der Ausgrabungen soll es jetzt mit der Sanierung, der wegen Baufälligkeit geschlossenen Kapelle, weitergehen. Der Großteil der Kosten von rund 500.000 Euro wird über einen Bundeszuschuss in Höhe von rund 400.000 Euro finanziert. Der Eigenanteil des Ordens wird zu einem wesentlichen Teil vom Bistum Speyer finanziert.

Auch für die angespannte personelle Situation des Ordens in Gräfinthal fand sich eine Lösung. 2014 waren die Mönche zu dritt und der betagte Prior nach einem Sturz pflegebedürftig.

Nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, Nachwuchs zu finden, schloss sich der Gräfinthaler Konvent Anfang Mai 2014 der Olivetaner-Mutterabtei Monte Oliveto Maggiore bei Siena an.

Im Mai 2014 war der Generalabt der Olivetaner, Diego M. Rosa OSB, erstmals zu Besuch in Gräfinthal. Nachdem er sich vor Ort ein Bild von der neuen Niederlassung gemacht hatte, reiste er weiter nach Speyer zu Bischof Karl-Heinz Wiesemann. 

Dort bedankte er sich für die finanzielle Unterstützung der Diözese bei der Sanierung der Kapelle. Zudem besuchte Diego M. Rosa im Dom das Grab des Kaisers Rudolf von Habsburg. Der hatte den späteren Gründer des Klosters Monte Oliveto, Giovanni Tolomei, im 13. Jahrhundert zum Ritter erhoben.

Der Anschluss an den benediktinischen Zweigorden von Monte Oliveto war für die Gräfinthaler Mönche mit einem Farben-Wechsel verbunden. Bis 2014 trugen sie schwarze Ordenskleidung, seither weiße.

Gräfinthal zählt zu den offiziellen Wallfahrtsstätten des örtlich zuständigen Bistums Speyer. Überdies ist es Pilgerort auf dem saarländischen Teil der Jakobsweg-Etappe Hornbach – Metz, die sich in Hornbach an den pfälzischen Jakobsweg anschließt. 

                          

Tourismus

Der Wallfahrtsort Gräfinthal zählt zu den religiös und kulturhistorisch bedeutenden Stätten des Saarlandes. Das geschichtlich geprägte Ensemble inmitten einer gewachsenen Kulturlandschaft macht den ungewöhnlichen Ort auch zu einem der beliebtesten Ausflugsziele im Bliesgau. Dazu trägt auch die vorhandene Gastronomie bei.

Beim Kloster Gräfinthal befindet sich im Letschenbachtal die Naturbühne Gräfinthal, eine Freilichtbühne, auf der seit 1932 Amateurtheater gespielt wird. Jährlich besuchen etwa 15.000 Zuschauer die Theaterstücke für Kinder und Erwachsene.

In Gräfinthal beginnt der 22 km lange Rundwanderweg »Gräfinthaler Weg«, der von Gräfinthal nach Bliesmengen-Bolchen, wo in der Kirche St. Paulus heute der Altar der früheren Klosterkirche Gräfinthal steht.

Von dort geht es weiter über Frauenberg und Habkirchen nach Reinheim (Gersheim) führt. Dort befinden sich in der Gemeindekirche St. Markus (Reinheim) weitere Einrichtungsgegenstände der früheren Klosterkirche Gräfinthal, wie die Samsonkanzel und die Beichtstühle.

Von Reinheim geht es über Bebelsheim zum Brudermannsfeld, wo das Kloster Gräfinthal der Legende vom Brudermannsfeld nach seinen Ursprung hat, und über die Siebenschmerzenstationen zurück nach Gräfinthal.

         

Quellen: wikipedia.org, benediktiner-kloster-graefinthal.de  u.a.