›Wallerfanger Blau‹

Azurit (Heimatmuseum Wallerfangen)

»Wallerfanger Blau« ist ein aus Azurit bestehendes, natürliches Farbpigment. Es wurde im ›Emilianusstollen‹ bei der saarländischen Gemeinde Wallerfangen bei Saarlouis bereits in der Römerzeit abgebaut. 

Die Farbe wurde in der Renaissance bis nach Italien gehandelt. Angeblich hat Albrecht Dürer mit »Wallerfanger Blau« gemalt.

Heute zählt die Erforschung des römischen Azurit-Bergbaus auf dem Hansenberg im Ortsteil St. Barbara der Gemeinde Wallerfangen zu den »Hausprojekten« des Deutschen Bergbau-Muse ums Bochum.

Hier im Westen des Saarlandes befand sich in den ersten Jahrhunderten n. Chr. ein römisches Revier. Die Bergleute gewannen das blaue Kupfermineral Azurit, um daraus vor allem Pigment für blaue Wandfarbe bzw. »Ägyptisch Blau« herzustellen. 

Offensichtlich war die Zahl der Anbieter begrenzt, denn die Farbe oder Zwischenprodukte aus Wallerfanger Azurit wurden an weiter entfernten Orten gefunden, u. a. in Trier, Köln und Xanten.

Einen seltenen Glücksfall stellt das Auffinden einer nur sechs Meter links vom Mundloch des oberen Emilianusstollen-Mundlochs entfernten Okkupations-inschrift (Inschrift zur Inbesitznahme) eingemeißelt dar:

Emilianusstollen Wadgassen

»INCEPTA OFFICINA EMILIANI NONIS MART[IS]«  - (deutsch etwa: Emilianus hat die Werkstätte [das Bergwerk] an den Nonen des März begonnen ).  

Das Jahr der Inbesitznahme ist nicht verzeichnet. Die Inschrift zur Dokumentation der Besitzan-sprüche an einem Bergwerk ist die einzige dieser Art nördlich der Alpen. Sie nennt als Pächter einen gewissen Herrn namens ›Emilianus‹, nach dem die direkt danebengelegenen Stollen benannt wurden. Er ist der älteste Bergbaubetreiber auf deutschem Boden, dessen Namen wir kennen.

Emilianus hatte eine Konzession der römischen Verwaltung erlangt, musste pünktlich mit der Arbeit beginnen, durfte sie nicht willkürlich unterbrechen und musste den Erfolg nachweisen, um sie fortsetzen zu dürfen.

Wer war Emilianus? Ein echter Römer aus Italien oder wenigstens Südfrankreich? 

Wohl eher nicht. Er wird ein Einheimischer gewesen sein, welcher sich als Römer verstand. Ein »romanisierter Gallier«, würde man heute sagen, aus der unmittelbaren Umgebung, vielleicht auch aus ›Pachten‹ auf der anderen Saarseite. Dort fand man im Theater einen Sitzstein, in den der Name »Emilianus« eingemeißelt ist.

Bislang konnten zwei Stollen und Schächte archäologisch untersucht werden, der obere und der untere Emilianus-Stollen. 

Funde belegen einen Abbau im 2./.3. Jahrhundert n. Chr. Die Arbeiten am dritten Stollen, dem nach dem damaligen Grundstückseigentümer benannten »Stollen Bruss«, dauern noch an. 

Der insgesamt ca. 65 m lange Stollen besitzt mehrere Abbaubereiche, welche den Abbau des Farbpigments Azurit zum Ziel hatte.

Mehrere Nutzungsperioden, sowohl aus dem Mittelalter als auch aus der Neuzeit, sprechen für das lang anhaltende Interesse an »Wallerfanger Blau«. 

                 

Römischer Bergbau

Im Emilianus-Stollen ist wie bereits oben beschrieben römischer Bergbau nachgewiesen. Das Bergwerk besteht aus dem 1964–1966 von R. Schindler und H. G. Conrad untersuchten oberen Stollen und dem etwa 7 m tiefer gelegenen, 1993–1998 von Gerd Weisgerber untersuchten unteren Stollen.

Etwa 130 Meter westlich dieses Bergwerks entdeckte G. Müller 1965 einen weiteren Stollen, der nach dem damaligen Grundstückseigner als »Stollen Bruss« bezeichnet wird. 

Seit 2003 wird dieser Stollen vom ›Deutschen Bergbaumuseum‹, Bochum, wissenschaftlich untersucht. Er zeigt Spuren mittelalterlicher und neuzeitlicher Nachnutzung, stammt aber nach Ausweis von Scherbenfunden ebenfalls aus römischer Zeit.

Untersuchungen zeigen, dass das Farbpigment noch heute in winzigen Partikeln, welche in Sandstein eingeschlossen sind, im Innern des Stollens angetroffen werden kann. 

Auch auf einer nahen Abraumhalde lassen sich linsengroße Brocken Azurit finden. Manche Stücke sind von so eindrucksvoller blauer Farbe, dass sich der Laie beim Betrachten wundert, dass so etwas in der Erde gefunden wird.

Das ist Azurit, ein kupferhaltiges Mineral mit einer komplizierten chemischen Formel [2CuCo³Cu(OH)²], welches als Grundstoff zur Herstellung blauer Farbe »Wallerfanger Bergblau« genannt wurde.

Azuritpigment

Die Gewinnung bei den Römern war wahrscheinlich ebenso nicht auf die Produktion von Kupfer ausgerichtet, sondern auf die sehr viel profitablere Gewinnung des Rohstoffes für die Anwendung als Wand- und Malfarbe sowie Schminke.

In rund 25 Kilometern Entfernung fanden Archäologen in der ›römischen Villa Borg‹ die Wand des Villenbades mit »Wallerfanger Blau« bemalt. 

Nach einer Überlieferung sollen die Deckengewölbe des Papstpalastes in Avignon (14. Jhdt.), die mit eingestreuten Sternen das Firmament symbolisieren, damit eingefärbt worden sein. Albrecht Dürer (16. Jhdt.) hat ebenfalls mit »Wallerfanger Blau« gemalt.

Bergbau auf Buntmetalle und Eisen gab es in der näheren und weiteren Umgebung an vielen Orten in Lothringen und an der Saar. Mit Stollen, welche in die Hänge getrieben wurden, oder durch Schächte wie z.B. von der Gauhochfläche bei St. Barbara aus suchte man die erzführenden Schichten des Buntsandsteins zu erreichen. 

Die Spuren dieser Art des Bergbaus sind noch heute zu erkennen an Vertiefungen, die durch eingestürzte Schächte entstanden sind, und in neuerer Zeit wieder frei gelegten Stollen.

Am bekanntesten und auch zu besichtigen ist das ehemalige Kupferbergwerk bei Düppenweiler, wenige Kilometer von Wallerfangen entfernt auf der anderen Saarseite gelegen. Dort wie an den meisten anderen Kupferbergwerken war es das Ziel, aus dem Kupfererz das Metall zu gewinnen.

Anders in Wallerfangen: Hier ging es ausschließlich um die Herstellung der blauen Farbe. Die Farbpalette der modernen chemischen Industrie umfasst viele Tausend Positionen. Darüber wundern wir uns nicht.

In älterer Zeit war man für die Farbherstellung auf Stoffe angewiesen, die die Natur bereit hielt und die nicht durch komplizierte Verfahren verändert werden mussten: Mineralien (Malachit, Rötel), Pflanzen (Krapp, Waid), und auch Tiere (Purpurschnecke).

Es versteht sich, dass Azurit beim Verkauf mehr einbrachte als Kupfererz, aus dem man das Metall gewann. Kein Wunder also, dass die lothringischen Herzöge in Nancy, zu deren Herrschaftsbereich Wallerfangen mehrere Jahrhunderte gehörte, am dortigen Bergbau interessiert waren, ihn förderten, kontrollierten und natürlich den Zehnten als Steuer einzogen.

Eine marktbeherrschende Blüte erlebte der Bergbau im Raum Wallerfangen im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit als »Wallerfanger Bergblau«, als »Azurro della Magna« (= Azurro del Almagna / Deutsches Blau), welches bis nach Italien gehandelt wurde. 

Das Azurit-Geschäft florierte im 15.-17. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung datiert von 1492.

Emilianusstollen Wadgassen

In der frühen Neuzeit war Wallerfangen (»Walderfang«,«Walderfingen«) eine mit Mauern umwehrte lothringische Provinzhauptstadt. 

Ihr Einflussbereich, der deutschsprachige Teil des Herzogtums Lothringen mit Namen »Baillage d´Allemagne«, erstreckte sich im frühen 17. Jahrhundert bis weit in das heutige Frankreich hinein.

Wallerfangen war eine Stadt der »Blaugräber«, deren Produkt Azurit in ganz Europa verkauft wurde.

Absatzschwierigkeiten sowie der Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) brachten den Bergbau schließlich trotz aller Subventionen zum Erliegen.

Im 18. Jahrhundert erwarb ein Unternehmer namens ›Sauer‹ die Konzession für sämtlichen Bergbau im Herzogtum Lothringen. 

Jetzt sollte das Azurit als Erz zur Kupferproduktion und nicht mehr als Bergblau dienen. 

Aber, obwohl man mithilfe von Schießpulver arbeitete, lohnte die Gewinnung nicht und wurde schnell wieder eingestellt.

Im Jahre 1855 gründete Berginspektor Daub aus Karlsruhe die »Gewerkschaft Paul’s Hoffnung«. Er glaubte, dass mit den damals neuen ›Laugungsmethoden‹ (mit Salzsäure) gewinnbringender Bergbau möglich sein müsste. Hohe Transportkosten sowie starke Preisanstieg führten aber zur Aufgabe des Unternehmens im Jahre 1866.

                             

Die Herrichtung als Besucherbergwerk

Nachdem die kulturgeschichtliche Bedeutung des ›Emilianus Bergwerks‹ durch Ausgrabungen erkannt worden war, beschloss der Landkreis Saarlouis, dieses früheste industrielle Denkmal des Saarlandes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

1976 sicherten die SAARBERGWERKE  AG, Bergwerk Ensdorf, den hinteren Stollenbereich durch verzinkten Stahlausbau und vollendeten die Außenanlage. 

Nachdem der Landkreis die nötigen Grundstücke erworben hatte, übergaben Bergwerksdirektor Moritz Raub und Landrat August Riotte am 20. Dez. 1976 den 22 Meter langen ›Oberen Stollen‹ der Öffentlichkeit.     

Seither steht er nach Voranmeldung zur Besichtigung offen.